Familie am Arbeitsplatz: Warum Unternehmen in Kinder investieren

Familie am Arbeitsplatz
Warum Unternehmen in Kinder investieren

Früher lockten die Firmen mit Aktienpaketen, heute ziehen Edel-Kitas Mitarbeiter an. Die Kindertagesstätten großer Konzerne setzen mit perfekter Ausstattung und Flexibilität Maßstäbe. Kann der Staat da mithalten?
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In einem Alter, in dem andere ins Berufsleben starten, schien das von Ilona Kiesenbauer schon zu Ende zu sein. Mit 19 brach sie ihre Ausbildung zur Krankenschwester ab und brachte Zwillinge zur Welt. Ihre Beziehung ging in die Brüche. Jung, ledig, alleinerziehend, ungelernt - in Deutschland bedeutet das oft Hartz IV. Ein Leben ohne Perspektive.

Doch Ilona Kiesenbauer bekam eine Chance. Heute, mit 24 Jahren, sitzt sie auf einem zu kleinen Stuhl, die Möbel im Betriebskindergarten des fränkischen Spiegelherstellers Mekra Lang sind auf kurze Beine ausgerichtet. Nebenan spielen die vierjährigen Zwillinge. Kiesenbauer erzählt von ihrer Felisha, die im Kindergarten inzwischen Gemüse esse, und von Elias, der sich, anders als zu Hause, nicht gegen das Frühstück auflehne. „Meine Kinder kennen mehr Käferarten als ich“, sagt Kiesenbauer. Das lernen sie in der Natur, mittwochs ist in der Kita Waldtag.

Auch Ilona Kiesenbauer lernt jetzt wieder. Sie macht eine Ausbildung zur Industriekauffrau. „Ich bin unendlich dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe“, sagt sie. Mekra Lang erlaubte Kiesenbauer, die Ausbildung in Teilzeit zu machen, und bot ihr, das war entscheidend, zwei Betreuungsplätze für die damals knapp zweijährigen Zwillinge an.

Der Kindergarten hat von morgens um halb sechs bis abends um sechs geöffnet, damit auch Schichtarbeiter ihre Kinder bringen können. Selbst in den Ferien gibt es eine Betreuung, notfalls sogar am Wochenende. „Ohne dieses Angebot würde ich es nicht schaffen“, sagt Kiesenbauer. „Wo sollte ich denn hin mit den Kleinen?“

Diese Frage stellen sich Hunderttausende Eltern in Deutschland. Nicht einmal für jedes dritte Kind unter drei Jahren gibt es einen Platz in einer Kindertagesstätte. Von August an haben Eltern zwar einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Aber das öffentliche Angebot reicht trotzdem nicht aus. Laut Statistischem Bundesamt fehlten im November vergangenen Jahres noch 220000 Plätze und mindestens 14000 Erzieherinnen. Die Kommunen stellen sich auf Klagen ein.

Wenn Eltern nicht wissen, wohin mit ihren Kindern, sind sie auch im Job nicht so flexibel, wie die Arbeitgeber das gern hätten. Deshalb kümmern sich viele Unternehmen neuerdings selbst um den Nachwuchs. Laut einer Umfrage des Industrie- und Handelskammertags unterstützt bereits jedes zweite Unternehmen seine Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung oder will dies tun - 2007 war es nur ein Viertel.

Einige Firmen zahlen nur Zuschüsse, jedes dritte Unternehmen mit mehr als zwanzig Beschäftigten bietet oder plant aber eine betriebliche Kinderbetreuung - in einer eigenen Kita oder mit Belegplätzen in örtlichen Einrichtungen.

Bei Unternehmen ab 1000 Mitarbeitern ist es mehr als die Hälfte. Wer fördert, wird selbst gefördert - vom Staat. Ende vergangenen Jahres legte die Bundesregierung das zweite Programm für Betriebskitas auf, auch aus Sorge vor einer Klagewelle wütender Eltern unmittelbar vor der Bundestagswahl im Herbst. Pro Kind gibt es 400 Euro im Monat.

Gewissermaßen unfreiwillig entsteht in Deutschland gerade eine neue Spielart der Sozialpartnerschaft. Unternehmen übernehmen zentrale Bildungsaufgaben, ähnlich wie beim dualen System der Lehrlingsausbildung, die weltweit als Vorbild gilt. Womöglich hängt beides sogar zusammen: Wer viel in die Qualifikation seiner Mitarbeiter investiert, ist besonders interessiert daran, dass Mütter nach der Geburt schnell ins Unternehmen zurückkehren.

Siemens unterstützt Mitarbeiter monatlich mit bis zu 500 Euro pro Kind, wenn sie früher aus der Elternzeit zurückkehren. Im vergangenen Jahr gingen 13000 Anträge auf einen Betreuungszuschuss ein, und insgesamt 11 Millionen Euro wurden ausgezahlt.

Bis 2015 will der Konzern außerdem sein Betreuungsangebot an 21 Standorten auf 2000 Plätze aufstocken. BASF erweitert seine Kinderbetreuung in Ludwigshafen gerade von 70 auf 250 Plätze, der Waschmittelriese Henkel auf 240, Daimler will bis Ende des Jahres 570 Plätze im Stuttgarter Raum anbieten, Volkswagen 1000 Plätze in eigenen Einrichtungen schaffen. Bayer lässt eine neue Kita für sechs Millionen Euro bauen. Und die Europäische Zentralbank hält 270 Betreuungsplätze in drei Kitas im Frankfurter Westend vor, die auch in den Ferien geöffnet haben, von 7 bis 20 Uhr.

Selbst im Osten, wo die Betreuungsnot längst nicht so groß ist, investieren die Unternehmen in den Nachwuchs. Jenoptik beispielsweise baute vor den Werkstoren in Jena eine Kindertagesstätte mit bilingualer Spracherziehung und Kindersauna. Wenige Kilometer entfernt steckte Carl Zeiss eine halbe Million Euro in eine Kindertagesstätte, die im Sommer eröffnen soll.

Aus Sicht der Politik tut die Wirtschaft aber immer noch zu wenig. Wer über Fachkräftemangel klage, müsse auch etwas für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun, mahnt Familienministerin Kristina Schröder. Richtig daran ist, dass die Angebote der Unternehmen den Notstand in der Kinderbetreuung allenfalls lindern. Den Bedarf decken sie bei Weitem nicht. Nur etwa hinter jeder zehnten Tageseinrichtung für unter Dreijährige steckt ein privatwirtschaftlicher Träger.

Doch im Vergleich zu anderen Ländern ist das unternehmerische Engagement bemerkenswert: In Schweden, Dänemark oder Frankreich, wo das Betreuungsangebot für kleine Kinder groß ist, ist der Staat zuständig. In den Vereinigten Staaten, wo viele Mütter besonders schnell nach der Geburt in den Beruf zurückkehren, übernehmen private, oft sehr teure Anbieter die Betreuung der Kleinkinder.

Hiesige Unternehmen setzen darauf, dass sich ihr Engagement auszahlt. Eine Studie der Prognos AG kommt zum Ergebnis, dass sich Investitionen in familienfreundliche Maßnahmen wirtschaftlich rechnen. Für Firmen sind sie eine Chance, die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern, die Bindung zum Unternehmen zu stärken, das Image zu verbessern.

Personalleiter berichten, dass Eltern, die ihre Kinder im Unternehmen gut betreut wissen, schneller aus der Babypause zurückkehren, seltener ausfallen und motivierter bei der Arbeit sind. Eine Untersuchung des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik der Universität Münster kommt gar zum Schluss, dass Mitarbeiter in familienfreundlichen Unternehmen mehr leisten.

Früher lockten die Firmen gute Leute mit Dienstwagen, Boni oder Aktienpaketen, inzwischen ist die Edel-Kita mit Wellness und Englischkurs, mit qualifizierten Erziehern und langen Öffnungszeiten ein wichtiges Argument im Vorstellungsgespräch.

Laut einer Studie für das Bundesfamilienministerium spielt für 91 Prozent der befragten Eltern zwischen 25 und 39 Jahren die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine mindestens so wichtige Rolle wie das Gehalt. Drei Viertel würden für mehr Familienfreundlichkeit den Job wechseln. Und es sind längst nicht nur die Frauen, gerade jüngere Männer wollen Job und Familie besser ausbalancieren.

„Wir sind einfach viel entspannter, weil wir wissen, dass es unseren drei Kindern tagsüber gut geht und wir im Falle eines Falles auch schnell bei ihnen sein können“, sagt Henning Joswig, Projektleiter beim Essener Energiekonzern RWE. Morgens nimmt er die fünfjährige Paula und die zweijährigen Zwillinge Luis und Janne im Auto mit und begleitet sie ins Lumiland, manchmal singen die Kinder auf der Fahrt englische Lieder, die sie von den zweisprachigen Erziehern gelernt haben.


Bevor die Kinder aufgenommen wurden, hetzten die Eltern nach der Arbeit oft durch die Stadt, um Paula von ihrer Kinderbetreuung abzuholen. Manchmal wartete sie dort allein auf einer Bank, fertig angezogen, die anderen Kinder waren schon weg.

Im Lumiland werde bis zur letzten Minute gespielt, die Kinder hätten nie das Gefühl, unerwünscht zu sein, erzählt Joswig. Das liegt auch an der hohen Zahl der Erzieher, um zehn Kinder unter drei Jahren kümmern sich drei bis vier Pädagogen. „Natürlich erhöht das die Bindung an einen Arbeitgeber“, sagt Joswig.

Wie bei vielen Kitas großer Konzerne, die mit intensiver Betreuung, kurzen Schließzeiten und meist auch schönen Gebäuden locken, ist die Warteliste für das Lumiland lang. Im Sommer werden sieben der 105 Plätze frei, schon jetzt gibt es 150 Bewerber. Die Unternehmen leisten viel - aber, gemessen am Bedarf der Eltern, bei Weitem nicht genug.

Wer einen Platz in einer Konzernkita ergattert, dessen Kind spielt dann meist unter Bedingungen, von denen andere Eltern nur träumen können. Beim Textilkonzern Gerry Weber in Gütersloh sind die Kinder in einem stilvoll renovierten Bauernhaus und einer eigens umgebauten Abenteuer- und Kunstscheune untergebracht, es gibt eine Bobby-Car-Rennbahn und einen Streichelzoo mit Ponys, Kaninchen und Meerschweinchen.

In den Siemens-Kitas machen Kinder naturwissenschaftliche Experimente, adidas bietet ein Sportprogramm, beim Helios-Klinikum in Schwerin werden die Kleinen rund um die Uhr betreut. Der Springer-Konzern ließ eigens ein Penthouse auf dem Dach der Berliner Zentrale bauen. Die „Wolkenkinder“ krabbeln in der Chefetage.

Vorreiter sind aber keineswegs immer Großunternehmen. Für Mittelständler wie den fränkischen Zulieferer Mekra Lang gehören Beruf und Familie schon lange zusammen.

Susanne Lang, die Chefin der alleinerziehenden Zwillingsmutter Ilona Kiesenbauer, führt den Hersteller von Außenspiegeln für Lastwagen und Busse in dritter Generation. In Ergersheim, im Nichts zwischen Würzburg und Nürnberg, beschäftigt sie 900 Menschen.

Lang erlebte berufstätige Mütter schon zu einer Zeit, als die noch eine Ausnahme waren. Ihre Großmutter brachte den Betrieb durch den Krieg, die Mutter führte ihre eigene Buchhandlung, bevor sie in die Firma ihres Mannes einstieg. Wie Familie und Beruf zu vereinbaren seien, darüber haben die Frauen im Hause Lang nicht gegrübelt. Sie haben es vorgemacht.

Die Idee mit der betrieblichen Kinderbetreuung kam Susanne Lang im Frühjahr 2005. An einem Brückentag blieben die Kindergärten in der Umgebung geschlossen. Die Kantinenleiterin kam auf Lang zu und sagte, dass sie an diesem Freitag kein Essen servieren könne, ihre ganze Mannschaft falle aus, weil die Frauen nicht wüssten, wohin mit den Kindern.

„Dann sollen sie die Kleinen eben mitbringen“, sagte Lang. Kurzerhand ließ sie einen Teil der Kantine abtrennen, durchforstete die Personalakten nach gelernten Kinderpflegerinnen, zog zwei Frauen vom Band ab und beorderte sie in die Notkrippe.

Das war nur der Anfang. Lang stellte Erzieherinnen ein und eine Kinderkrankenschwester, kaufte Kinderbetten, Hochstühle, Holzspielzeug. Ihr Chefeinkäufer musste sich erstmals mit Windelpreisen befassen.

Die Chefin hat selbst zwei Kinder, die Tochter ist sieben, der Sohn sechzehn Monate alt. Wenn die Mutter arbeitet, schläft der Kleine im Stockwerk oberhalb der Fertigungshalle. Wo früher die Kollegen aus dem Einkauf saßen, ist jetzt die Krippe untergebracht. Als der Platz nicht mehr ausreichte, war klar, dass der Einkauf würde umziehen müssen, nicht die Kinder.

Zieht man die Vorhänge im Schlafraum zurück, sieht man Arbeiter im Blaumann unten durch die Kunststofffertigung wuseln. Bis hier oben dringt das Surren der Spritzmaschinen. „Das Gebrumme wiegt die Kinder in den Schlaf“, sagt Susanne Lang und rollt dabei das „r“ so sanft, wie es nur die Franken können.

Wer das Gelände von Mekra Lang betritt, stößt überall auf Kinderspuren. Vor der Stempelmaschine für die Fabrikarbeiter reihen sich die Kinderwagen, am Eingang kleben Micky-Mäuse. Jedes Jahr an Fasching ziehen verkleidete Kinder durch das Betriebsgelände, mit Musik, Konfetti und Gummibärchen.

Mit zehn Kindern fing es an, heute werden 89 Kinder zwischen sechs Monaten und zwölf Jahren im Frieda-Lang-Haus betreut. Neben der Krippe gibt es einen Kindergarten, eine Nachmittagsbetreuung für Schulkinder und seit Sommer 2010 auch eine private Grundschule mit Bioessen und Montessori-Pädagogik. Die Einrichtungen schließen nur über Weihnachten. Die Plätze sind so begehrt, dass auch Nicht-Firmenangehörige ihre Kinder zu Mekra Lang bringen, manche fahren 30 Kilometer weit.

Susanne Lang hätte gern noch mehr getan für die Familien - eine Million Euro wollte sie investieren, um das Frieda-Lang-Haus auf 120 Plätze aufzustocken. Doch an die Zuschüsse, mit denen der Staat den Bau von Kindertagesstätten unterstützt, kam Lang nicht heran.

Die benachbarten Gemeinden, die das Staatsgeld hätten beantragen müssen, stellten sich quer. Lang glaubt, dass sie keine Einrichtung in einer anderen Gemeinde fördern wollten, weil sie ja selbst Kindertagesstätten betreiben. Dass deren starre Öffnungszeiten und lange Betriebsferien für berufstätige Eltern ungenügend sind, zählte dabei nicht. Und ohne die Unterstützung der Kommunen gab es auch kein Geld vom Land.

„Die Förderkriterien sind absurd“, sagt Lang und meint jene Vorschriften, die darüber entscheiden, was bezuschusst wird und was nicht. Zum Beispiel der Speisesaal. In der geplanten Einrichtung sollten neben Kindergartenkindern auch Schulkinder versorgt werden - in einer gemeinsamen Kantine.

Wenn aber beide Gruppen dort essen, gibt es kein staatliches Geld, weil das nur für Kindertagesstätten vorgesehen ist. Das Gleiche gilt für die Toiletten und die Heizung. Lang wird wütend, wenn sie das erzählt: „Wir sind dabei, unser höchstes Gut, unsere Kinder, aufs Spiel zu setzen!“

Die Ausbaupläne hat die Unternehmerin erst mal auf Eis gelegt. Bei Mekra Lang kann man sehen, dass der Krippenausbau in Deutschland nicht nur am Geld, sondern auch an der Politik scheitern kann.

„Es wäre schon eine Menge gewonnen, wenn wir einheitliche Standards für die Kinderbetreuung hätten“, sagt Ilse Wehrmann. Die Unternehmensberaterin hat aus dem Interesse der Unternehmen an eigener Kinderbetreuung ein Geschäftsmodell gemacht. Wehrmann ist eine graue Eminenz der deutschen Familienpolitik.

31 Jahre lang war sie Geschäftsführerin der evangelischen Kindergärten in Bremen, später Bundesvorsitzende der evangelischen Kindertagesstätten. Dort stieg sie aus, als das Geld für die Kinderbetreuung immer knapper wurde und auch bei Kindern, die Förderung besonders nötig gehabt hätten, gespart werden musste.

Nach einem Burn-out im Jahr 2007 verabschiedete sich Wehrmann aus ihrem alten Leben, ging mit einem Stipendium auf Reisen und staunte, was Kindern im Vorschulalter in anderen Ländern beigebracht wurde: Sprachen, Technik, Natur - schon die Kleinen lernten von hoch qualifizierten Pädagogen spielerisch, was in Deutschland erst in der Schule gelehrt wird. „Was wir in den ersten sechs Jahren verpassen, ist schwer aufzuholen“, sagt Wehrmann.

Wehrmann schrieb mit 57 eine Doktorarbeit über frühkindliche Förderung und wurde von Daimler-Chef Dieter Zetsche eingeladen, für seinen Konzern eine Betriebskita aufzubauen. Nach ihren Vorstellungen. Es folgten andere Großunternehmen wie RWE, die Telekom und Volkswagen. Bei allen war das Projekt Kita Chefsache.

Heute findet Wehrmann, dass die öffentlichen Träger bei der Kinderbetreuung von der Wirtschaft lernen könnten. Sie fordert mehr akademisch gebildete Erzieher in den Kitas und eine bessere Qualitätskontrolle. Oft bekommt sie zu hören, dass die Aktivität der Unternehmen ein Zweiklassensystem in der Kinderbetreuung schaffe, mit betrieblichen Luxusangeboten auf der einen und armen staatlichen Kitas auf der anderen Seite. Ganz falsch ist das nicht, aber Wehrmann hält dem entgegen, dass ihre Konzernkitas „Leuchttürme“ seien, die auch für die öffentliche Hand Maßstäbe setzten.

Zudem hat sich Wehrmann bei Unternehmen dafür eingesetzt, dass deren Kitas auch Kinder aus der Umgebung aufnehmen, die nicht aus Mitarbeiterfamilien kommen. Die meisten Konzerne tun dies auch. RWE zum Beispiel hat sein Lumiland in Essen bewusst in einem armen Stadtteil angesiedelt. Jeder fünfte Platz ist für ein Kind aus der Nachbarschaft reserviert, viele sind Migrantenkinder.

Wie bunt die Mischung ist, sieht man auch an den Puppen in einem der Spielzimmer. Einige haben dunkle Haut. Sie sollen aussehen wie die Kinder, die mit ihnen spielen.

 

Kommentare zu "Warum Unternehmen in Kinder investieren"

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  • Der mangelnde Effekt liegt darin begründet, das Sozialmassnahmen von Anfang an nur Alibi sind, um Sozialstrukturen als Machtbasen zu finanzieren. Es geht primär um Arbeitsplätze und Posten, erst zu allerletzt um den propagierten Zweck. Besonders Grüne und SPD sind von solchen Strukturen abhängig, aber auch ein Teil der Konservativen.
    Nach Zweckerfüllung oder Wirtschaftlichkeit fragt da niemand und wenn doch, wie bei der Sozialhilfe geschehen, dann nur um innerhalb der Sozialbürokratie die Gelder umzuverteilen.

    H.

  • Es zwingt Sie noch niemand, solch einen Platz in Anspruch zu nehmen. In meiner Firma gibt es auch eine betriebseigene Kita, und ich bin froh und dankbar dafür. So kann ich halbtags arbeiten und bin nur zwei Etagen von meinem Kind entfernt.
    Wenn Sie eine Frau haben, die damit zufrieden ist, ein Leben lang zu Hause zu sein und für Sie da zu sein, ist es doch schön für Sie. Ich finde es großartig, dass sich Arbeitgeber auch sozial engagieren. Und - nein, mein Kind wird dort keiner Gehirnwäsche unterzogen. Es wird ganz einfach nur gut betreut.

  • Zunächst - nein, ich bin KEIN Ex-Parteifunktionär der DDR. Davon war ich Lichtjahre entfernt. Ich bin ganz einfach als Arbeiterkind geboren, habe mich qualifiziert, studiert und übe seit nunmehr 30 Jahren einen hochqualifizierten Beruf aus. Und ob Sie es glauben oder nicht - ja, ich habe immer gut verdient. Zwar kenne ich keine normalen Arbeitszeiten und habe selten weniger als 45 Stundenwochen gearbeitet, aber ich mag meinen Beruf. Und noch etwas - ja, ich bin durch Arbeit reich geworden. Es geht mir gut in diesem Land. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie sich jemand eine kommunistische Diktatur zurückwünschen kann. Aus meiner Erfahrung sind das immer nur diejenigen, die sehr wenig von Eigenverantwortung halten. Sie dürfen mich nun weiter schmähen, weil ich aus eigener Kraft etwas geschafft habe.

  • @Realistin,

    sie sollten aber auch zur Kenntnis nehmen, das die von Ihnen geschilderte Entwicklung viel mehr eine direkte Folge sozialdemokratischer Politik ist als derjenigen, die letztlich davon profitieren.
    Das ist so, weil dieser Weg der Sozialdemokratie, genau wie im Osten, letztlich nur eine Bonzokratie erlaubt.
    Ich bin im Westen groß geworden und kann ihnen sagen, dass die alte BRD mit der Einheit gestorben ist.
    Damit meine ich nicht grundsätzlich Veränderungen, sondern die Tatsaxche, das in einem konsenssystem, immer der kleinste gemeinsame Nenner zu m Zuge kommt, was zwangsläufig eine Verschlechterung zur folge haben musste.
    die BRD war vor der Einheit dringend Reformbedürftig, die Einheit hatte dies verhindert, weil der Sonderboom die Probleme zudeckte und die Widerstände gegen Veränderungen stärkte.
    Die heutigen Krisen, in Wirtschaft und Politik, haben genau darin ihre Wurzeln.
    Und es sind besonders die linken Parteien, die Ende der 70ziger sich weigerten, sich zu modernisieren, sie hielten an der alten Idee von der Umverteilung über Steuern und Sozialabgaben fest, obwohl mittlerweile feststand, dass es nicht wie erwartet funktioniert hat.
    Das tun diese Parteien bis heute.
    Dabei geht es gar nicht darum, das manche konsetrvative Vorstellungen überzogen waren und sind, sondern dass man diese Fehler nur zum Anlass nahm überhaupt nichts zu ändern.

    H.

  • Sowas ahtte ich angedacht um zu ermöglichen der Mitter meienr Tochter die in eienr Sekte (reiki - http://www.einweghinterslicht.de)engangiert ist das Sorgerecht gänzlich zu entziehen.

    Kindsunterhalt mit aus Steuergeldern finanzierten staatlichen Zuschüssen nur dort wo ich die Sketenfreiheit der Erziehung auch kontrollieren kann.

  • Sie bringen das Risiko auf den Punkt. In einer Gesellschaft die durch Fremdbestimmung geprägt ist, ist das zunehmende eindringen in die Privatsphäre mittlerweile als Bedrohung zu sehen. Einfach deshalb weil eben die möglichen Folgen nicht ausgeschlossen werden können.
    Die Angebote sind sicher ehrenhaft und gut gemeint, gehen aber von falschen Voraussetzungen aus.
    Es ist ein Irrglaube, dass bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie dadurch gelöst werden, das das Privatleben angepasst wird.
    Schon heute nehmen die psychischen Erkrankungen genau deshalb drastisch zu. Fremdbestimmung nun auch im Privatem, das lässt sich mit diesem eingeschlagenen Weg nicht verhindern, einfach weil die Versuchung dafür viel zu groß ist.
    Nein, besonders die Sozialdemokratie, deren Gesellschaftsbild dies widerspiegelt ist hier völlig auf dem Holzweg. Am Ende zerstört sie das, was sie eigentlich schützen soll.
    Es gibt vieles, was am konservativen Familienbild diskutabel ist, aber ebenso viel wertvolles, das schlicht verkannt wird.
    Wir brauchen bessere Lösungen, als nur schlicht die ökonomisch Profitabelsten.

    H.

  • Das Problem mit diesen Firmenkitas ist, das sie selten für normale Arbeitnehmer zur Verfügung stehen. Damit schottet sich die Kaste der "selbst gefühlten Elite" nur noch weiter ab.
    Grundsätzlich wäre es zu begrüßen, das Unternehmen Familienfreundlicher werden, doch Kita´s in Unternehmen machen diese noch nicht familienfreundlicher sondern nur karrierefreundlicher und damit erhöht sich nur die Gelegenheit zur Selbstausbeutung und die totale Abhängigkeit.

    H.

  • Wer will denn diese totale Vereinnahmung durch die Firma??? Also meine Firma soll gefälligst die Griffel von meiner Familie lassen. Ich hätte da kein Interesse dran. Irgendwann wird der Krippenausbau nur noch missbraucht werden als Argument, dass alle Mütter nun auch Vollzeit arbeiten sollen rund um die Uhr -- wir haben doch jetzt überall Vollzeitkrippen für Kinder ab 0.

    und ich würd auch nicht wollen, dass Kinder ein betrieblich orientiertes Erziehungsprogramm bekommen, das sie nur Kollegenkinder kennen, die in der selben Firma arbeiten.

    Wer will denn so eine Vereinnahmung seiner Familie? Und wenn der Job weg ist, dann ist auch gleich der Kitaplatz weg??

    und wer garantiert einen, dass in den Kitas nicht schon indoktriniert wird nach dem Motto, unser späterer Mitarbeiter.

    ich hab ein Privatleben und nebenbei ein Berufsleben. Zentral ist das Privatleben. Ich persönlich möchte nicht beides miteinander vermischen, vermengen oder ähnliches. Nach der Arbeit bin ich Privatmensch, mein Kind ist Privatsache und geht niemanden was an.

    Ich würd auf solche Angebote verzichten.

  • @Steuerzahler

    ...es gibt nichts besseres als unsre Demokratie, und Deutschland hat einen der höchsten Lebensstandards der Welt.
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    Das unser Wohlstand nur noch auf zutiefster Ausbeutung und Unterdrückung, vorallem der Menschen aus der DDR, dem Ostblock und Frauen beruht, ist Ihnen auch entgangen. Auf unseren Waffenexport in Diktaturen, damit dort die Menschen unterdrückt und umgebracht werden auch! Das die BRD bzw. der Kapitalismus schon mitte der 70iger am Ende war, ebenso.

    Was für pure Heuchelei ist das doch!! Von Arbeit ist noch keiner reich geworden. Und der Deutsche ist immer noch unmündig und zutiefster Untertan!!! Deswegen sind die Menschen 89 bestimmt nicht auf die Straße gegangen. Na kein Wunder, so wurde doch die Revolution in der DDR auch nur fingiert, inszeniert um den Kapitalismus und den Profit der Konzerne voranzutreiben!! Und die dumme Mehrheit hat sich vom Kapitalismus blenden lassen! Lustig wie sich jetzt soviele darüber aufregen...Es gibt keinen grund mehr für einen sozialen Kapitalismus. Lesen Sie Krysmanski und dann begreifen Sie ev, wohin die Reise geht!!

    Die Welt ist zu reich für den Kapitalismus!! wir gehen wieder zurück ins finstere Mittelalter. in eine Refeudalisierung der Welt!! Na Hauptsache sie könne hier im Netz ein bisschen tippseln. Wie es mal der zukünftigen Generation ergeht, ist Ihnen anscheinend ziemlich egal.

  • Ich frage mich eher wo wir uns hinentwickeln, dass Eltern so idiotisch ackern müssen, dass nicht mal mehr Zeit für die menschlichen Aspekte des LEbens (Familie, Kinder) Zeit vorhanden ist bzw. diese zu teuer wird.

    In meinen Augen ist dieses ganze GEbaren hochgradig asozial und all das erinnert nicht menr an Wohlstand und KArriere, sondern viel mehr an ein mechanisches Uhrwerk wo jedes Rädchen emotionslos zu ticken hat.

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