Familie am Arbeitsplatz: Was große Konzerne planen

Familie am ArbeitsplatzWarum Unternehmen in Kinder investieren

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Was große Konzerne planen

Bei Unternehmen ab 1000 Mitarbeitern ist es mehr als die Hälfte. Wer fördert, wird selbst gefördert - vom Staat. Ende vergangenen Jahres legte die Bundesregierung das zweite Programm für Betriebskitas auf, auch aus Sorge vor einer Klagewelle wütender Eltern unmittelbar vor der Bundestagswahl im Herbst. Pro Kind gibt es 400 Euro im Monat.

Gewissermaßen unfreiwillig entsteht in Deutschland gerade eine neue Spielart der Sozialpartnerschaft. Unternehmen übernehmen zentrale Bildungsaufgaben, ähnlich wie beim dualen System der Lehrlingsausbildung, die weltweit als Vorbild gilt. Womöglich hängt beides sogar zusammen: Wer viel in die Qualifikation seiner Mitarbeiter investiert, ist besonders interessiert daran, dass Mütter nach der Geburt schnell ins Unternehmen zurückkehren.

Siemens unterstützt Mitarbeiter monatlich mit bis zu 500 Euro pro Kind, wenn sie früher aus der Elternzeit zurückkehren. Im vergangenen Jahr gingen 13000 Anträge auf einen Betreuungszuschuss ein, und insgesamt 11 Millionen Euro wurden ausgezahlt.

Bis 2015 will der Konzern außerdem sein Betreuungsangebot an 21 Standorten auf 2000 Plätze aufstocken. BASF erweitert seine Kinderbetreuung in Ludwigshafen gerade von 70 auf 250 Plätze, der Waschmittelriese Henkel auf 240, Daimler will bis Ende des Jahres 570 Plätze im Stuttgarter Raum anbieten, Volkswagen 1000 Plätze in eigenen Einrichtungen schaffen. Bayer lässt eine neue Kita für sechs Millionen Euro bauen. Und die Europäische Zentralbank hält 270 Betreuungsplätze in drei Kitas im Frankfurter Westend vor, die auch in den Ferien geöffnet haben, von 7 bis 20 Uhr.

Selbst im Osten, wo die Betreuungsnot längst nicht so groß ist, investieren die Unternehmen in den Nachwuchs. Jenoptik beispielsweise baute vor den Werkstoren in Jena eine Kindertagesstätte mit bilingualer Spracherziehung und Kindersauna. Wenige Kilometer entfernt steckte Carl Zeiss eine halbe Million Euro in eine Kindertagesstätte, die im Sommer eröffnen soll.

Aus Sicht der Politik tut die Wirtschaft aber immer noch zu wenig. Wer über Fachkräftemangel klage, müsse auch etwas für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun, mahnt Familienministerin Kristina Schröder. Richtig daran ist, dass die Angebote der Unternehmen den Notstand in der Kinderbetreuung allenfalls lindern. Den Bedarf decken sie bei Weitem nicht. Nur etwa hinter jeder zehnten Tageseinrichtung für unter Dreijährige steckt ein privatwirtschaftlicher Träger.

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  • Der mangelnde Effekt liegt darin begründet, das Sozialmassnahmen von Anfang an nur Alibi sind, um Sozialstrukturen als Machtbasen zu finanzieren. Es geht primär um Arbeitsplätze und Posten, erst zu allerletzt um den propagierten Zweck. Besonders Grüne und SPD sind von solchen Strukturen abhängig, aber auch ein Teil der Konservativen.
    Nach Zweckerfüllung oder Wirtschaftlichkeit fragt da niemand und wenn doch, wie bei der Sozialhilfe geschehen, dann nur um innerhalb der Sozialbürokratie die Gelder umzuverteilen.

    H.

  • Es zwingt Sie noch niemand, solch einen Platz in Anspruch zu nehmen. In meiner Firma gibt es auch eine betriebseigene Kita, und ich bin froh und dankbar dafür. So kann ich halbtags arbeiten und bin nur zwei Etagen von meinem Kind entfernt.
    Wenn Sie eine Frau haben, die damit zufrieden ist, ein Leben lang zu Hause zu sein und für Sie da zu sein, ist es doch schön für Sie. Ich finde es großartig, dass sich Arbeitgeber auch sozial engagieren. Und - nein, mein Kind wird dort keiner Gehirnwäsche unterzogen. Es wird ganz einfach nur gut betreut.

  • Zunächst - nein, ich bin KEIN Ex-Parteifunktionär der DDR. Davon war ich Lichtjahre entfernt. Ich bin ganz einfach als Arbeiterkind geboren, habe mich qualifiziert, studiert und übe seit nunmehr 30 Jahren einen hochqualifizierten Beruf aus. Und ob Sie es glauben oder nicht - ja, ich habe immer gut verdient. Zwar kenne ich keine normalen Arbeitszeiten und habe selten weniger als 45 Stundenwochen gearbeitet, aber ich mag meinen Beruf. Und noch etwas - ja, ich bin durch Arbeit reich geworden. Es geht mir gut in diesem Land. Ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie sich jemand eine kommunistische Diktatur zurückwünschen kann. Aus meiner Erfahrung sind das immer nur diejenigen, die sehr wenig von Eigenverantwortung halten. Sie dürfen mich nun weiter schmähen, weil ich aus eigener Kraft etwas geschafft habe.

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