Familie Engelhorn
Nicht immer mit glücklicher Hand

Mit dem Verkauf von Boehringer wurde die Familie Engelhorn zu einer der reichsten der Welt. Doch die Schwierigkeiten der Liechtensteiner Bank Pasche zeigen: Ein glückliches Händchen ist nicht immer dabei.
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FrankfurtDer Königssaal des Heidelberger Schlosses war festlich geschmückt, damals, im Frühsommer 1996. Feinkost Käfer aus München servierte das Menü. Um Mitternacht überraschte Udo Jürgens mit einer Show. Es war ein Geschenk von Management und Belegschaft für Curt Engelhorn. Der langjährige Chef und Aufsichtsratsvorsitzende von Boehringer Mannheim hatte zum 70. Geburtstag geladen. Gleichzeitig war es eine Art Abschiedsgala der Unternehmerfamilie Engelhorn. Ein Jahr später verkaufte Engelhorn das Pharmaunternehmen für sensationelle elf Milliarden Dollar an den Schweizer Konzern Roche – bis heute der höchste Preis, zu dem je ein deutsches Familienunternehmen den Besitzer wechselte.

Mit dem Deal machte Engelhorn seine weitverzweigte Familie zu einer der reichsten der Welt. Seine Geburtstage feiert er inzwischen als Privatier – zuletzt den 85. auf Schloss Neuschwanstein. Und die vier Stämme der Engelhorn-Familie müssen ihr Vermögen seither in eigener Regie verwalten.

Nicht immer haben sie dabei eine glückliche Hand, wie die Schwierigkeiten der Liechtensteiner Bank Pasche zeigen, wo Traudl Engelhorn, die Witwe von Engelhorns Vetter Peter Engelhorn, als Großaktionärin engagiert ist. Kunden der Bank warten seit Monaten auf ihr Geld – rund 20 Millionen Euro.

Die kleine Bank wird aber der großen Familie nicht wirklich zusetzen. Das Vermögen von Curt Engelhorn, der beim Verkauf von Boehringer 42 Prozent der Anteile hielt, schätzt das US-Magazin „Forbes“ heute auf 6,6 Milliarden Dollar. Von den anderen drei Familien-Stämmen ist kaum etwas bekannt.

Den Grundstein für ihren Reichtum legte ein junger Mannheimer Goldschmied namens Friedrich Engelhorn, der 1865 eine Farbstoff-Firma mit dem Namen „Badische Anilin & Soda Fabrik“ gründete. Fast 20 Jahre führte Engelhorn die BASF. Dann stieg er aus und veräußerte seine Anteile, um sich beim Arzneihersteller Boehringer in Mannheim einzukaufen. Sein Sohn Friedrich Engelhorn junior übernahm kurz danach die Firmenleitung und wenig später auch das komplette Kapital von Boehringer, während einer der Boehringer- Söhne eine eigene Firma gründete, den heutigen Pharmakonzern Boehringer Ingelheim.

Unter Friedrich Engelhorn Junior und seinen vier Söhnen entwickelte sich Boehringer zu einem soliden mittelständischen Arzneimittelhersteller. Doch die entscheidende Phase des Aufstiegs zu einem globalen Pharma- und Diagnostikunternehmen begann erst in den späten 50er-Jahren, als Curt Engelhorn, ein Urenkel von BASF-Gründer Friedrich Engelhorn, das Ruder übernahm. Der gelernte Chemie-Ingenieur, damals gerade 34 Jahre alt, hatte in den USA studiert und in der amerikanischen Pharmaindustrie Erfahrungen gesammelt.

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Frühere Manager schwärmen noch heute

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