Familienfremder Manager bei Berentzen
Durchgreifen mit Demut

Führung bleibt in der Familie - dieser Grundsatz galt auch beim Spirituosenhersteller Berentzen seit der Gründung vor fast 250 Jahren. Doch damit ist Schluss: Nach zwölf Jahren an der Spitze ist Jan Bernd Berentzen als Vorstandschef abgetreten und wird nun durch einen familienfremden Manager ersetzt. Ihn erwartet ein schwieriger Job.

DÜSSELDORF. Damit setzt ein weiteres deutsches Familienunternehmen auf externes Management, statt Nachwuchs aus der Sippe an die Spitze zu hieven. Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Intes werden zwar nur rund zehn Prozent der deutschen Familienfirmen von Externen geführt. Doch wird die Zahl der Fremdmanager nach Einschätzung von Intes-Chef Peter May in den nächsten Jahren steigen - vor allem in Unternehmen mit Ambitionen im internationalen Geschäft.

"Viele Firmen erkennen, dass sie in einer globalisierten Wirtschaft nicht mehr allein mit eigenen Familienmitgliedern im Management erfolgreich sein können", sagt May. Diese Einsicht wachse mit der Unternehmensgröße. Vielen Familien fehle zudem der fürs Top-Management geeignete und willige Nachwuchs.

Es gibt noch einen dritten Grund: Fremdmanager sind in Firmen gefragt, in denen es mehrere oder sogar rivalisierende Familienstämme und Gesellschafter gibt. Denn es birgt Sprengstoff, wenn ein Vertreter einer dieser Gruppen an der Firmenspitze steht. Ein familienfremder Manager soll durchgreifen, zugleich aber die nötige Neutralität und Professionalität mitbringen.

Berentzen ist so ein Fall, und genau vor diesen Herausforderungen steht der neue Chef, den der Spirituosenhersteller jüngst ernannt hat: Axel Dahm. Der 44-Jährige arbeitete zuletzt beim Pharmahersteller Novartis. Doch weil er zwischen 1993 und 1997 als Geschäftsführer der Berentzen Brennereien GmbH tätig war, kennt er sich mit den Verhältnissen bei der Familienfirma bestens aus.

Und die waren zuletzt schwierig, denn Berentzen steckt in der Krise. In den 70er- und 80er-Jahren startete das Unternehmen mit dem damals beliebten Partygetränk Apfelkorn durch (siehe "Berentzen"). Doch die Lust an Hochprozentigem sinkt - und damit die Lust an den Marken von Berentzen. 2004 fuhr das Familienunternehmen einen Verlust von 15,6 Mill. Euro ein. Im vorigen Jahr gab es zwar einen Überschuss, der aber nur durch einen Beteiligungsverkauf erreicht wurde. Operativ lag der Verlust bei 2,7 Mill. Euro.

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