Familienkonzern Oetker
Der Ungebrochene

Richard Oetker löst 2010 seinen Bruder August als Chef des Familienkonzerns ab. Große Veränderungen werden von Richard Oetker allerdings nicht erwartet, ist er doch schon heute in den wichtigsten Gremien des Konzerns vertreten. Ein Generationswechsel sieht anders aus.

DÜSSELDORF. „Keine Experimente“ – das ist das Signal, das die Bielefelder Oetker-Gruppe mit der Berufung von Richard Oetker zum Konzernchef ab Januar 2010 aussendet. Der Beirat des Unternehmens, dessen Vorsitz Oetkers Halbschwester Rosely Schweizer nach dem Tod von Firmenpatriarch Rudolf August Oetker vergangenes Jahr übernahm, rückt damit von seinen zwischenzeitlichen Überlegungen ab, endlich einen wirklichen Generationswechsel an der Konzernspitze einzuleiten.

Der bisherige Konzernlenker August Oetker hatte sich bereit gehalten, auch nach Erreichen der konzerninternen Altersgrenze von 65 Jahren im Jahr 2009 zwei weitere Jahre am aktiven Geschäft teilzunehmen – um ein wesentlich jüngeres Familienmitglied einzuarbeiten. Als Favorit dafür galt bislang der erst 40-jährige Alfred Oetker, der die Lebensmittelsparte in den Niederlanden führt. Mit diesen Spekulationen ist nun Schluss. Und August Oetker kann sich schon früher auf den Ruhestand freuen, den er nach zwei gescheiterten Ehen offensichtlich mit der rund dreißig Jahre jüngeren Fotografin Nina Esdar – und dem gemeinsamen Hobby „Oldtimer-Rallyes“ – bestreiten will.

Oetkers jüngerer Bruder Richard wird bei seinem Amtsantritt 58 Jahre alt sein. Das ist bis zur Pensionierung genug Zeit, um das Leiten zu lernen, aber wohl nicht genug, um dem Konzern eines neues Gesicht zu geben. Große Veränderungen werden von Richard Oetker allerdings nicht erwartet, ist er doch schon heute in den wichtigsten Gremien des Konzerns vertreten. So hat er neben den umfangreichen Aufgaben im Personalbereich auch Sitz und Stimme im Gesellschafterkreis des Unternehmens.

Unvergessen ist Richard Oetkers Rolle als Opfer bei einem der spektakulärsten deutschen Gewaltverbrechen der Nachkriegszeit: Am 14. Dezember 1976 wird der damals 25-jährige Student der Brau- und Agrarwissenschaften auf dem Parkplatz der Universität Weihenstephan in Freising entführt. Der stattliche junge Mann, der 1,93 Meter misst, muss sich auf Verlangen des Kidnappers in eine 1,60 Meter lange und 60 Zentimeter breite Kiste zwängen. Während des Transportes legt ihm der Täter ein Stromkabel an, das bei lauten Hilfeschreien, die von einem Mikrofon registriert werden, einen elektrischen Schlag durch seinen Körper jagen soll.

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