Familienunternehmen
Mächtige Strippenzieher

Deutschlands Familiendynastien sind äußerst verschwiegen, mächtig und erfolgreich, obwohl oder gerade weil sie sich nicht an übliche Konzernstrategien halten. Sie leben oft zurückgezogen, mischen aber in ihren Konzernen kräftig mit.

DÜSSELDORF. Es ist Mittagszeit. Hochbetrieb in der Kantine. Vor dem Geldautomaten, wo die Plastikkarten aufgeladen werden, bildet sich eine Schlange. Mittendrin Wolfram Freudenberg. Der hoch gewachsene Mann mit der Denkerstirn wartet geduldig, bis er an der Reihe ist. Der 64-Jährige macht kein Aufhebens um seine Person. Der Kopf des internationalen Familienkonzerns aus Weinheim bei Mannheim, der Haushaltswaren ("Vileda") und Dichtungstechnik für die Autoindustrie produziert, lebt die Werte der Freudenberg-Gruppe Tag für Tag vor: Bescheidenheit, Maßhalten und Abwägen.

Wolfram Freudenberg ist Clanchef einer der ältesten deutschen Familiendynastien. Sie arbeiten im Verborgenen, brauchen keine Rücksicht auf die schnelllebigen Finanzmärkte zu nehmen, verfügen über solides Eigenkapital und behaupten sich oft erfolgreicher als mancher börsennotierte Konzern im internationalen Geschäft. Das Handelsblatt stellt jeweils dienstags die mächtigen Clanchefs dieser verschwiegenen Unternehmen vor, die sich wie Wolfram Freudenberg nur ausnahmsweise zum Interview bereit erklärten.



Handelsblatt-Serie: Familienbande



Das Handelsblatt stellt ab heute an den kommenden sechs Dienstagen exklusiv die Köpfe der großen deutschen Familiendynastien vor.



Größten Wert legen die Eigentümerfamilien, etwa von Vorwerk, Freudenberg und Röchling, auf ihre Unabhängigkeit. Deshalb bieten sie bei so mancher Milliardenübernahme nicht mit. Großkredite kommen meist nicht in Frage, weil sich die Clans einerseits nicht den Banken ausliefern wollen. Andererseits reicht die eigene Ertragskraft für große Deals aber oft nicht aus. "Deshalb verpasst ein Familienunternehmen sicherlich manche Chance", sagt Professor Fritz B. Simon vom Institut für Familienunternehmen an der Privatuni Witten-Herdecke, "aber es vermeidet so auch viele Risiken."

Nicht immer indes lassen sich so alle Risiken ausschließen. Die Industriellenfamilie Quandt etwa konnte bei BMW das Debakel mit dem britischen Rover-Konzern nicht verhindern. Doch Großaktionärin Johanna Quandt und ihre Kinder, Stefan Quandt und Susanne Klatten, hielten trotz aller Schwierigkeiten an BMW fest. Da waren sich die drei Gesellschafter einig. Sie stießen das gesamte Rover-Geschäft ab, bis auf den "Mini", der sich zu einer Erfolgsstory entwickelt hat.

So viel Harmonie in der Familie gibt es längst nicht immer. Oft brechen Unternehmen auseinander, weil die Geschwister gegeneinander kämpfen. "Weniger als zehn Prozent aller Familienunternehmen bleiben bis in die vierte Generation im Besitz der Sippe", hat Professor Simon festgestellt.

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