Fannie Mae-Chef Daniel Mudd
Stolpernder Gipfelstürmer

Schon einmal musste Daniel Mudd kämpfen. Nach einem Bilanzskandal Ende 2004 konnte Chef der US-Hypothekenbank Fannie Mae das Vertrauen in sein Institut wieder herstellen. Nun geht es um noch mehr: Denn wegen der Subprimekrise braucht Mudd Milliardenhilfen vom Staat um sein Unternehmen zu retten.

NEW YORK. Daniel Mudd hat den Kilimandscharo und den Mount Fuji erklommen, er war Ruderer mit Olympia-Ambitionen und führte als US-Marine eine Einheit im Libanon-Krieg. Gemütlich ist anders. Das 1,90 Meter große, Marathon-erprobte Kraftpaket aus Washington kämpft aus Leidenschaft - mal als Ausdauerathlet im Sporthemd, mal als Finanzmanager in Nadelstreifen, derzeit bei Fannie Mae.

Kampfgeist, Kraft und Ausdauer, davon brauchte der vierfache Vater in den vergangenen Monaten mehr als ihm lieb sein konnte. Jetzt kann der Marathon-Mann kurz verschnaufen: Präsident George Bush hat gerade den Weg frei gemacht für ein milliardenschweres Rettungspaket für die wankende Hypothekenbank Fannie Mae und deren kleinen Bruder Freddie Mac. Heute entscheidet der Kongress über die Staatshilfen.

Dass Mudd kämpfen kann, bewies er nicht erst in der Finanzkrise: Ende 2004 stolperte die halbe Führungsetage von Fannie Mae über einen Bilanzskandal. Sie hatte systematisch die Gewinne des staatlich geförderten Hypotheken-Riesen um 6,3 Mrd. Dollar aufgeblasen, um Ergebnisvorgaben zu erreichen, Altaktionäre zu beglücken und neue anzulocken.

Mudd war der einzige, der den Skandal überlebte. Damals noch Chief Operating Officer, entschuldigte er sich vor dem Senat für die Fehltritte, versprach eine neue Kultur der Offenheit und wurde zum Vorstandschef ernannt. Innerhalb weniger Monate habe er "Vertrauen zurückgeholt bei Regulierern, dem Kongress, bei Kunden, Geschäftspartnern und Aktionären", lobte ihn damals der Aufsichtsrat. Wohl verfrüht, denn kaum dass sich der Rauch nach dem Bilanzskandal verzogen hatte, expandierte Fannie Mae unter Mudd nicht nur im Kerngeschäft mit festverzinslichen Hypotheken, sondern auch bei den riskanteren ARM-Krediten. Bei diesen Adjustable Rate Mortgages erhöht sich nach einigen Jahren der Zins drastisch, sie gelten deshalb als besonders ausfallgefährdet.

Insider sehen die unheilvolle Verwicklung zwischen Washington und der Wall Street als Auslöser dafür, dass Fannie Mae und Freddie Mac von staatlich unterstützten Börsenstars zum unkontrollierbaren Risiko für die US-Wirtschaft mutierten. Zumal sich Mudds Salär am Profitwachstum der Bank orientierte: Im Vorjahr erhielt der 49-Jährige 12,2 Mill. Dollar, davon entfielen 11,2 Mill. Dollar auf Boni, Aktien und Optionen. Kein Wunder, dass er sein Unternehmen noch im Dezember gegenüber Journalisten als "wundervolle Erfolgsgeschichte" verkaufte: "Wir haben niemals einen Penny Hilfe vom Staat genommen. Wir haben das alles mit privatem Geld geschafft."

Doch das war einmal: Kaum acht Monate später gehen Analysten davon aus, dass Fannie Mae in diesem Jahr einen Nettoverlust von rund 3,8 Mrd. Dollar ausweisen wird. Jetzt ist es vor allem US-Finanzminister Henry Paulson, der täglich über Fannie und Freddie, spricht - von Amts wegen.

Seit die Hypothekenausfälle rasant steigen und Investoren feststellen müssen, dass die halbstaatlichen Immobilien-Riesen Fannie und Freddie ein Kreditportfolio von mehr als 5 000 Mrd. Dollar mit gerade mal 83 Mrd. Dollar Eigenkapital unterlegt haben, versucht die Regierung, einen drohenden Flächenbrand zu verhindern. Und die Kritik an der Führung von Fannie und Freddie erreicht neue Höhepunkte. Vom "ungeheuerlichsten" aller finanziellen Desaster sprechen Analysten und bezichtigen in Fernsehinterviews auch Mudd des Missmanagements zur "massiven persönlichen Bereicherung".

Der Berg an Problemen vor dem Gipfelstürmer Daniel Mudd jetzt steht, ist definitiv höher als der Kilimandscharo, den er einst bezwang. Aber er kämpft weiter - bis zum letzten Satz: Es sei jetzt "die richtige Zeit", um über ein Rettungspaket nachzudenken, sagte er vergangene Woche, um gleich hinzuzufügen: "Ich glaube aber nicht, dass wir es brauchen werden." Das sieht die Regierung anders.

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