Farzad Nazem
Abstimmung mit Füßen bei Yahoo

Langsam wird es einsam um Yahoo-Chef Terry Semel. Nachdem der Chief Operating Officer Daniel Rosensweig im Januar seinen Abgang erklärt hat, geht zum 8. Juni auch Chief Technology Officer Farzad Nazem. Sein Weggang symbolisiert die miese Stimmung im Internet-Konzern.
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DÜSSELDORF. Offenbar geht Nazem freiwillig. Daran scheint kein Zweifel zu bestehen. Angeblich, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Im Unternehmens-Weblog schreibt er sogar von „Ruhestand“.

Abgang eines Internet-Veteranen: „Zod“, wie ihn die Kollegen nennen, arbeitet seit elf Jahren bei Yahoo. Dass etwas im Busch ist, wurde in der Szene seit Wochen gemunkelt. Denn seit Anfang des Jahres hat der Informatiker Yahoo-Aktien im Wert von über 44 Millionen Dollar verkauft, wie aus den Pflichtmeldungen an die Börsenaufsicht hervorgeht. Zum Jahreswechsel belief sich der Wert seiner Aktienoptionen insgesamt auf 156 Millionen Dollar.

Die Börse wertet Nazems Abgang als Verlust für Yahoo. Der Kurs fiel am Mittwoch nach Bekanntwerden der Nachricht zunächst um 0,5 Prozent, erholte sich später aber. Weniger entspannt bewerten manche Beobachter diese Personalie. So berichtete das für gewöhnlich gut informierte Weblog Valleywag bereits vor einigen Monaten über Unruhe im Technikteam von Yahoo. Dort gelte Nazem als passiv und wenig visionär.

Der gebürtige Iraner, Jahrgang 1958, war 1996 von Oracle zu Yahoo gekommen, zunächst als Vize-Präsident für Produktentwicklung. Zwei Jahre später war er bereits CTO. Als Vorstandskollege Rosensweig ausschied, war Nazem einer der Gewinner der Neuordnung in der Führung.

Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden, wohl aber eine überraschende Interimslösung: Yahoo-Mitgründer Jerry Yang wird vorerst die Leitung der Technikgruppe übernehmen. Yang gilt als Edel-Rentner. Dass er nun ins Tagesgeschäft zurückkehrt, werten einige als Beweis dafür, dass Yahoo viele kompetente Leute verloren hat.

„Dies ist ein weiteres Kapitel in Yahoos fortlaufender Geschichte des Verlusts kompetenter Leute“, meint Gene Munster, Analyst bei der Investmentbank Piper Jaffray. Im Silicon Valley ist bekannt, dass Yahoo Probleme hat, fähige Ingenieure und Entwickler anzuwerben. Diese werden mit relativ geringem Grundgehalt bezahlt, erhalten aber Aktienoptionen. Nur bringen die im Moment wenig ein: Während der Kurs von Konkurrent Google innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 34 Prozent gestiegen ist, sank der von Yahoo um elf Prozent.

Dies drückt auch auf die Stimmung der Belegschaft, schreibt die „Business Week“. Nach Informationen des Wirtschaftsmagazins gibt es seit Wochen einen Exodus langjähriger Mitarbeiter quer durch alle Hierarchieebenen. Für Analyst Munster eine logische Folge: „Wenn es keine Stabilität an der Spitze gibt, hat man keine Stabilität in den unteren Ebenen.“

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter

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