Fast verkrampft
Jeden Tag einen Schokoriegel

Todd Stitzer, Vorstandschef des Süßwarenimperiums Cadbury Schweppes, will am heutigen Dienstag Einzelheiten zur Aufspaltung seines Konzerns verkünden – und damit endlich das tun, was Anleger schon seit langem fordern.

LONDON. Auf Pressekonferenzen wirkt Todd Stitzer ernsthaft und manchmal sogar verkrampft. Die typische Kumpelhaftigkeit von US-Managern geht ihm ab. Doch nach innen entfaltet der Mann mit den schmalen Lippen und dem korrekten Seitenscheitel große Wirkung. In seinen vier Jahren an der Spitze hat er Cadbury Schweppes umgekrempelt. Aus der traditionsreichen britischen Schokoladenfirma, Vorbild für Roald Dahls berühmtes Kinderbuch „Charlie and the Chocolate Factory“, hat er einen globalen Konzern geformt – und das US-Limonadengeschäft mit Marken wie „Seven Up“ und „Dr. Pepper“ bis zuletzt verteidigt.

Aber nun will er das tun, was Anleger schon seit langem fordern: das Getränkegeschäft verkaufen und sich auf Süßwaren konzentrieren. Heute will er in London Einzelheiten vorstellen.

Stitzers Pläne, die Zwei-Säulen-Strategie zu ändern, kamen im März dieses Jahres auf. Damals kaufte sich überraschend der Aktivist Nelson Peltz bei Cadbury ein und forderte den Verkauf von Seven Up & Co. Stitzer ließ seine Kehrtwende damit erklären, sie sei das Ergebnis eines langen Denkprozesses.

Als Stitzer im Jahr 2003 den Chefposten übernahm, war seine erste große Aufgabe die Integration des Zukaufs Adams: 4,2 Milliarden Dollar hatte der Konzern 2002 für den Bonbon- und Kaugummihersteller aus den USA ausgegeben. Fünf Jahre später ist klar, dass sich der Kauf gelohnt hat. Der Markt für Kaugummi und Lutschbonbons wächst schneller als der für Schokolade, und Cadbury ist der weltweite Herausforderer des Kaugummi-Riesen Wrigley. Außerdem balanciert er das Süßwarenangebot aus, denn das Image des Schokoriegels leidet unter der Diskussion um übergewichtige Kinder.

„Übergewicht ist ein Problem der Lebensweise und nicht nur der Ernährung“, hält Stitzer den großen Kritikern der Süßwarenindustrie entgegen. Der 55-Jährige ist – wenig überraschend – bekennendes Leckermaul. Jeden Tag was Süßes, wirbt er, am liebsten einen „Crunchie“-Riegel oder „Maynards Wine Pastilles“. Zum Ausgleich spielt der schlanke Familienvater Tennis, geht walken und strampelt täglich auf der Tretmühle.

Stitzer, der in Harvard studiert und an der Columbia Law School als Jurist promoviert hat, startete seine Karriere 1983 bei der Kanzlei Lord, Day & Lord in New York. Bei Cadbury beginnt er in der Rechtsabteilung, strebt aber schnell ins allgemeine Management. Er arbeitet fünf Jahre an der Spitze der US-Getränkesparte und rückt im Jahr 2000 als Strategiechef in den Vorstand auf, bevor er ganz an die Spitze aufsteigt.

Vielleicht erklärt seine Biografie, warum Stitzer so vehement die US-Limonadentochter verteidigt hat, die Nummer drei hinter Coca-Cola und Pepsico. Nun rechnen an der Börse viele damit, dass Stitzer nach einem lukrativen Verkauf der Getränkesparte – von zwölf Milliarden Euro ist die Rede – Geld an die Aktionäre ausschüttet und auf einen potenten Käufer wartet.

Doch da dürften sie die Rechnung ohne den stillen Genießer gemacht haben. Denn Stitzer bringt die Süßwarensparte auf Vordermann. Er hat gerade in der Türkei, in Rumänien und Japan zugekauft. Zugleich senkt er die Kosten – er will Cadbury in der Branche ganz nach vorne bringen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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