Felcht geht, Engel kommt
Degussa erhält neue Spitze

Der Aufsichtsrat des Düsseldorfer Spezialchemiekonzerns Degussa wird am Donnerstag den Chef des Mülheimer Chemiedistributeurs Brenntag, Klaus Engel, zum neuen Vorstandsvorsitzenden bestellen. Der Wechsel an der Spitze erfolgt alles andere als in Frieden. Auch ist es nicht die einzige Veränderung.

mjh/wt/HB DÜSSELDORF. Die Berufung von Engel machte das Unternehmen am Donnerstag offiziell. Das Handelsblatt hatte bereits aus Unternehmenskreisen davon erfahren. Der promovierte Chemiker Engel, 49, tritt die Nachfolge von Utz-Hellmuth Felcht, 59, an, der die Tochter des Essener Mischkonzerns RAG nach der außerordentlichen Hauptversammlung der Degussa am 29. Mai verlassen wird. Grund ist sein gespanntes Verhältnis zu RAG-Chef Werner Müller. Die RAG strebt 2007 an die Börse und will die Degussa bis zum Sommer vollständig übernehmen.

Engel ist ein alter Weggefährte Müllers aus der gemeinsamen Zeit beim Veba-Konzern. Dort arbeitete der frühere Bundeswirtschaftsminister Müller von 1980 bis 1997, zuletzt war er Vorstand der Veba Kraftwerke Ruhr AG. Engel rückte 15 Jahre nach seinem Start bei Veba 1999 in den Vorstand der Brenntag auf, 2001 wurde er dessen Vorsitzender. Die profitable Brenntag belegt mit 5,3 Milliarden Euro Umsatz einen weltweiten Spitzenplatz in der Chemiedistribution. Das Unternehmen gehört seit März 2004 dem US-Beteiligungsunternehmen Bain Capital.

Felcht, der frühere Chef von SKW Trostberg, habe sein Ziel nicht umsetzen können, die Degussa in den Dax zu führen, hatte es in der Vergangenheit zur Begründung für Felchts Ausscheiden geheißen. RAG-Chef Müller sieht die Degussa vielmehr als entscheidenden Baustein für den Weg der RAG an die Börse. Degussa trage rund 80 Prozent zu Gewinn und Umsatz der RAG bei, hatte Felcht immer wieder betont. Die RAG strebt nun mit ihren Standbeinen Chemie, Immobilien und Energie voraussichtlich für den kommenden Mai die erste Börsennotierung an. Schon nach der Mehrheitsübernahme der Degussa durch die RAG 2003 war es zu Differenzen zwischen Felcht und Müller gekommen. Der Vertrag des 59-jährigen Felcht lief ursprünglich bis 2008.

Mit der Ernennung von Brenntag-Chef Klaus Engel, 49, zum neuen Degussa-Chef sind die Umbauten im Vorstand des Düsseldorfer Spezialchemiekonzerns aber noch nicht abgeschlossen. Die Position von Vorstand Alfred Oberholz wird aufgewertet, indem er zum stellvertretenden Vorstandschef aufsteigt mit Verantwortung für die Produkte. Der Konzern bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht des Handelsblatts. Der 53-Jährige hatte jüngst durch den erfolgreichen Verkauf der Bauchemie auf sich aufmerksam gemacht.

Zwei weitere Vorstände aus der Ära Felcht scheiden ebenfalls aus, darunter auch Bernhard Hofmann, der Leiter der neuen Bauchemiesparte beim Konkurrenten BASF wird. Degussa hatte auf Betreiben des Großaktionärs RAG die hoch rentable Bauchemie im März für 2,7 Milliarden Euro an BASF verkauft. BASF will mit den überwiegend über Baumärkte vertriebenen Produkten stärker in das Geschäft mit Endkunden einsteigen, hat aber in den eigenen Reihen nicht genügend Führungskräfte mit Erfahrungen auf diesem Gebiet. Hofmann, der von 2001 bis 2003 das Bauchemiegeschäft der Degussa leitete, soll die Lücke schließen, heißt es.

Der ehemalige Bergwerkskonzern RAG, der mit seinem kohlefernen Geschäft im Frühjahr 2007 an die Börse strebt, finanziert mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Bauchemie die 3,4 Milliarden Euro teure vollständige Übernahme der Degussa. Hofmann war erst Anfang 2006 in den Degussa-Vorstand aufgerückt. Wie der bereits Ende Mai aus dem Amt scheidende Degussa-Chef Felcht hat er die längste Zeit seiner Karriere beim Chemiekonzern Hoechst verbracht.

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