Ferdinand Piëch
Der verhängnisvolle Fehler des VW-Patriarchen

Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart hat Ferdinand Piëch als Aufsichtsrat von Porsche seine Pflichten grob verletzt. Das könnte gravierende Folgen für den Autopatriarchen haben.
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Stuttgart, HamburgSelbst hartgesottene Reporter hatten so etwas noch nicht erlebt. Nach Monaten öffentlicher Abstinenz tauchte Volkswagens schillernder Chefaufseher Ferdinand Piëch am frühen Abend des 11. Mai 2009 auf der Terrasse des Fünf-Sterne-Hotels „Romazzino“ an der glamourösen Costa Smeralda auf.

Begleitet wurde Piëch von einem prominenten Tross: VW-Chef Martin Winterkorn, sein Vertrauter, Bernd Osterloh, Volkswagens mächtiger Betriebsratsboss, und Staatssekretär Olaf Glaeseker, damals nur Eingeweihten bekannt als Sprecher des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff.

Dabei wollte Piëch auf Sardinien eigentlich nur die neue Ausgabe des Kleinwagens Polo vorstellen. Was dann folgte, markierte den Wendepunkt in der turbulenten Übernahmeschlacht zwischen Volkswagen und dem Großaktionär Porsche.

Piëch hätte sich um weitere Informationen bemühen müssen
Ob denn Porsches Schuldenberg VW belasten könne, wollte ein Journalist wissen. „Wenn wir etwas Falsches machen, ist die Gefahr da“, antwortete Piëch und machte an diesem warmen sardischen Abend noch weitere Äußerungen. Der VW-Aufsichtsratschef und gleichzeitig Aufseher und Großaktionär der Porsche SE sagte sinngemäß, er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte von Porsche verschaffen können und wisse auch nicht, wie hoch die Risiken seien. Mit solchen Optionen wollte Porsche die VW-Übernahme sicherstellen. Diese Bemerkungen holen Piëch jetzt ein – und könnten weitreichende Folgen haben.

In einem gestern verkündeten Urteil werten die Richter des Oberlandesgerichts Stuttgart Piëchs Äußerungen als „schwerwiegende Pflichtverletzung“ eines Aufsichtsrats. „Nimmt man diese Äußerungen beim Wort, hatte Dr. Piëch damit eine schwerwiegende Pflichtverletzung belegt, denn zu seinen Kardinalpflichten als Mitglied des Aufsichtsrats gehörte die Erfassung und Beurteilung bedeutsamer Geschäfte der Porsche Automobil Holding SE“, urteilte das OLG. „Treffen Dr. Piëchs Äußerungen inhaltlich zu, hätte er den Geschäften nicht zustimmen dürfen, sondern sich um weitere Informationen bemühen und – wenn ihm diese ebenfalls keine Risikoabschätzung ermöglichten – gegen die Optionsgeschäfte einschreiten müssen“, befand der Gerichtssenat. Auch sei die Kreditwürdigkeit der Porsche Holding damit gefährdet worden, auf das Recht zur öffentlichen Meinungsäußerung könne sich Piëch nicht berufen.

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„Da scheint ein klarer Fehler Piëchs vorzuliegen“

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