Fernsehwerbung
Blondes Gift stößt Herrn Kaiser vom Thron

Die Zeit der klassischen Werbeikonen ist vorbei. Aktuelle Spots nehmen immer öfter den Blickwinkel der Verbraucher ein. Doch trotz des Einsatzes echter Kunden und realer Mitarbeiter haben die Werbefilme ein großes Problem: Es mangelt ihnen an Authentizität.

DÜSSELDORF. Sie gehört zu den begehrtesten Frauen der Welt: Inez Bjørg David. Das findet zumindest die Redaktion des Männermagazins FHM - und wählte sie vor zwei Jahren auf Platz fünf ihrer "100 Sexiest Women In The World". Die blonde Schauspielerin, bekannt aus Serien wie Verbotene Liebe in der ARD, zeichnet sich vor allem durch ihre Lücke zwischen den Schneidezähnen aus, ein Markenzeichen, das schon Brigitte Bardot, Georgia Jagger und Lauren Hutton zu steilen Karrieren verhalf.

Jetzt hat die Dänin, die fließend deutsch spricht, eine neue Herausforderung gefunden. Im aktuellen Werbespot der Ergo-Versicherungsgruppe spielt sie eine Kundin, die ihrem Unmut über die Branche Luft macht. Sie klagt über langweilige, anzugtragende Versicherungsvertreter - räkelt sie sich in einem Schaukelstuhl, blinzelt in den Sonnenuntergang und säuselt: "Ich will doch bloß wissen, dass ihr Versicherungen nicht aus grauen Herren besteht, sondern aus Menschen."

Ein neuer Trend in der Werbung

Der Spot ist Teil eines Werbefeldzugs, mit dem die Ergo-Versicherungsgruppe eine Wende in ihrer Markenstrategie vollzieht. Die Idee: Schauspieler wie Inez Bjørg David sollen die Perspektive des Verbrauchers einnehmen und seine Vorbehalte formulieren. Eine Strategie, die zurzeit viele Unternehmen wählen, wenn sie eine neue Kampagne entwickeln. Und die meisten gehen noch deutlich weiter: Sie zeigen echte Kunden, reale Mitarbeiter - manchmal allerdings unterstützt von professionellen Darstellern, die sich als solche ausgeben.

Die Zeit der klassischen Markenfiguren ist vorbei. Herr Kaiser, Klementine und der Marlboro-Mann sind Geschichte. Bei Obi singen die Mitarbeiter im Chor, bei Fielmann schwärmen skurrile Kunden von gutem Service und günstigen Preisen. Der Telefonanbieter 1&1 wirbt mit seinem Abteilungsleiter Marcell D'Avis, im Fernsehspot von Liqui Moli erscheint Inhaber Ernst Prost persönlich und bittet die Kunden, ausschließlich Schmierstoffe seiner Firma zu verwenden. Trigema-Chef Wolfgang Grupp und sein sprechender Schimpanse gehören zu den eher peinlichen Beispielen.

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