Fiat
Alfredo Altavilla: Marchionnes Außenminister

Das liebenswerte Gesicht täuscht. Alfredo Altavilla ist kein Sympathieträger. Der 46-jährige Vertraute von Fiat-Vorstandschef Sergio Marchionne, der jetzt als dessen Statthalter nach Detroit geht, um Chrysler zu führen, gilt als knallhart.

MAILAND. „Fiat vermeidet Interviews mit ihm aus Sorge, dass er nicht gut herüberkommt“, berichtet ein Branchenbeobachter, der Altavilla seit Jahren kennt, „aber er ist ein Mann aus der Produktion, und in der Sache ist er richtig gut“.

„Marchionnes Außenminister“ wird der Mann genannt, der seit Jahren die internationalen Allianzen begleitet und das absolute Vertrauen des Fiat-Chefs genießt. Fiat schickt Altavilla jetzt neben Marchionne und dem ehemaligen Vize-Chairman von Exxon Mobil, Lucio Noto, ins Direktorium von Chrysler. Derzeit entscheidet ein New Yorker Gericht über die Übertragung von Chrysler auf ein Konsortium, das aus Fiat, den Gewerkschaften und der US-Regierung besteht. Zunächst übernimmt Fiat nur eine Beteiligung von 20 Prozent an Chrysler. Aber de facto übernehmen die Italiener die Macht – mit der Option, ihren Anteil später auf eine Mehrheit aufzustocken.

Da Marchionne seine Zeit zwischen Turin, Detroit und vielleicht auch Rüsselsheim aufteilen muss und Noto eher eine untergeordnete Rolle spielen wird, übernimmt Altavilla das Zepter bei Chrysler. Fiat will dank der Fusion seine eigenen Modelle auf dem US-Markt vertreiben und seine Kleinwagen-Technologie für neue, gemeinsame Modelle zur Verfügung stellen. „Das ist ein strategischer Deal für Fiat“, sagte Altavilla am Mittwochabend dem Gericht und machte klar: „Wir sind langfristig hier.“

Schon heute sitzt Altavilla im General Executive Council (GEC) von Fiat, dem Entscheidungsgremium des Turiner Autokonzerns. Er war bisher nicht nur für die internationale Kooperation zuständig, sondern auch Vorstandsvorsitzender von Fiat Powertrain Technologies, der Motorentochter des Konzerns.

Zunächst hatte der im süditalienischen Apulien geborene Altavilla nach seinem BWL-Studium eine Karriere als Uni-Assistent eingeschlagen. Doch mit 27 Jahren nimmt er einen Job bei Fiat an. Schon seine erste Station hat mit internationalen Kooperationen im Bereich Produkt- und Marktentwicklung zu tun. 2002 koordiniert er die Aktivitäten mit General Motors, die mittlerweile eine Partnerschaft mit Fiat eingegangen waren. 2006 steigt er zum Chef von Powertrain auf.

Altavilla gilt als Pragmatiker, ein Mann „weniger Worte, dynamisch und konkret, mit Verhandlungsgeschick“, beschreibt ihn ein US-Fondsmanager, der die entscheidenden Verhandlungen in Detroit und Washington der vergangenen Monate verfolgt hat. Sogar die Gewerkschaften sprechen ihm Anerkennung aus: „Wir halten ihn für fähig“, so das Urteil von Enzo Masini, für die Autobranche zuständiger Gewerkschaftssekretär der Fiom.

Die Affinität zu Autos haben ihm wohl seine Eltern mitgegeben, die in Taranto einen Lancia-Handel betrieben, die gehobene Marke des Fiat-Konzerns. Um Karriere zu machen, hat er wie viele Süditaliener seiner Heimatstadt den Rücken gekehrt und im italienischen Norden sein Glück versucht. Als seine Geburtsstadt Taranto ihn vor wenigen Jahren geehrt hat, appellierte er an die Bewohner, ihre Immobilität abzulegen – und so de facto seinem Beispiel zu folgen. Bis nach Amerika.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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