Fiat-Designchef Lorenzo Ramaciotti
Mit Poesie und Stil

Fiat hat zum ersten Mal in seiner Geschichte einen zentralen Designchef: Lorenzo Ramaciotti. Das erste Auto, das unter seiner Regie auf den Markt kommen soll, ist ein Alfa Romeo.

TURIN. Ein wenig wirkt die Zeichnung wie von Kinderhand gefertigt, das Design des Automodells erinnert an die 70er. Mit einem leichten Grinsen zeigt Lorenzo Ramaciotti, neuer Designchef von Fiat, auf ein Foto. Ein angehender Autodesigner hat ihm seinen Entwurf direkt nach Turin geschickt.

Fast täglich flattern Ramaciotti Vorschläge aus aller Welt auf den Schreibtisch. „Ich schaue mir alle an“, sagt er. Bei hundert Vorschlägen sei vielleicht ein brauchbarer dabei. Dieser jüngste Entwurf scheint ihn jedoch nicht recht zu überzeugen. So wird er sich bei dem Zeichner höflich für den Enthusiasmus bedanken. Ein neuer Punto oder Panda wird daraus wohl kaum entstehen. Seit Juni ist der 59-jährige Rama-ciotti Designchef bei Fiat – ein Novum. Anders als die meisten Konkurrenten hatte Fiat in seiner 108-jährigen Geschichte nämlich noch nie einen zentralen Designchef, der alle Marken verantwortet. Auch das mag wohl ein Grund dafür gewesen sein, weshalb begabte Designer das italienische Haus gen Norden verlassen haben: So ist Walter De Silva heute Designchef von Volkswagen, Chris Bangle leitet das Design von BMW.

Ramaciotti ist nun Herrscher über das ganze Designreich: Er ist verantwortlich für die größte Marke Fiat, für Lancia, Alfa Romeo und Maserati. Für eine derart reizvolle Aufgabe gab der studierte Ingenieur sogar seinen Frühruhestand auf. Denn Ramaciotti hatte eigentlich seine Karriere längst abgeschlossen und sich in die Hügel außerhalb Turins zurückgezogen. Zuvor hatte er bei dem renommierten italienischen Designhaus Pininfarina Klassiker wie den Ferrari 360 Modena und den 550 Maranello entworfen und auch für Autohäuser in Frankreich und China gearbeitet.

„Ich dachte, ich hätte alle meine Wünsche im Berufsleben bereits erfüllt“, sagt der Mann zurückblickend, der schon als kleiner Junge in Modena – der Heimatstadt von Maserati, Lamborghini und Ferrari – davon geträumt hat, Autos zu entwerfen. Aber dann hat ihn das Angebot von Fiat doch zu sehr gereizt. Das erste Auto, das unter seiner Regie auf den Markt kommen soll, wird voraussichtlich ein Alfa Romeo im Jahr 2009 sein. Mehr verrät er noch nicht.

„Mein Ziel ist es, die Richtung des individuellen Stils für die einzelnen Marken zu definieren, sie aber alle unter dem Oberbegriff des ,Stile italiano’ zu vereinen“, sagt der Manager. Was er unter italienischem Stil versteht? „Ein schönes Objekt, designt mit wenigen, schlichten Linien. Etwas, das man nicht auf rationalem Wege wie etwa beim Bauhaus, sondern auf poetischem Wege erreicht.“

Ganz im „Stile italiano“ sollen sich die einzelnen Marken des Autoherstellers allerdings weiterhin klar voneinander unterscheiden. Ramaciotti erläutert seine Markenphilosophie: So stehe die Marke Fiat für eine „einfache, aber effiziente und brillante Lösung“ von alltäglichen Problemen. Die edlere Marke Lancia solle „Mode und Eleganz“ ausstrahlen, Alfa Romeo dagegen sei „die sportliche und leidenschaftliche Seele“ von Fiat. Bildlich verdeutlicht er seine Markenphilosophie mit einem Vergleich aus der Möbelwelt: Fiat könne man am ehesten mit Ikea vergleichen, Maserati dagegen mit einem Möbelstück, das in Einzelfertigung designt wird.

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