Fiat-Konzern
Sergio Marchionne, Fiats Zauberer

Er ist eine der am meisten beachteten Personen der Autobranche. Seit Sergio Marchionne im Jahr 2004 bei Fiat anheuerte, hat der Italo-Kanadier das totgesagte Unternehmen umgekrempelt. Dabei hat er Fiat so stark gemacht, dass der italienische Autokonzern in der Branchenkrise jetzt den Retter spielen soll.

MAILAND. Der Pullover ist sein Markenzeichen. Fiat-Chef Sergio Marchionne, der sich von Krawatten eingeengt fühlt und Boardsitzungen ebenso wie Begräbnisse im dunklen Pullover über dem Hemd besucht, verschmäht Formalitäten und konzentriert sich auf die Substanz. Der Mann, der Fiat gerettet hat, macht auch in diesen Tagen wieder von sich reden.

Während die Auto-Manager weltweit vor Schreck erstarren und ihnen nur Kostensenkungen und Betteln um Staatshilfen einfallen, ist Marchionne viel unterwegs: Unentwegt jettet der Fiat-Chef zwischen Chicago und Turin hin und her, um die Allianz mit dem US-Krisenkonzern Chrysler festzuzurren. Und jetzt wird in der Presse sogar spekuliert, Marchionne und Fiat wollten auch aus der Schieflage des zweiten großen US-Autokonzerns, General Motors, Kapital schlagen und sich mit dessen Töchtern in Europa und Lateinamerika, inklusive Opel, verbünden. Fiat-Verwaltungsratschef Luca de Montezemolo hat die Spekulationen zwar zurückgewiesen, aber immerhin: Fiat wird ein solcher Kraftakt zugetraut.

In diesen Zeiten ist der groß gewachsene Italo-Kanadier zur wohl am meisten beachteten Figur der Autobranche geworden. Die Äußerungen des 57-Jährigen über die Zukunft der Branche haben fast Orakel-Status. US-Präsident Barack Obama sieht in ihm die einzige Hoffnung für den maroden Chrysler-Konzern. Bis Ende April haben Fiat und Chrysler Zeit, den Einstieg des Turiner Konzerns abzusegnen, wenn Chrysler nicht pleitegehen soll. In Washington und Chicago wird nun der rote Teppich für den Manager ausgerollt.

Marchionnes Name zirkuliert zudem als möglicher zukünftiger Chrysler-Chef. "Es ist möglich, dass ich meine Zeit aufteilen muss zwischen dem Job, Fiat zu führen, und dem, Chrysler zu führen", sagte der selbstbewusste Manager vergangene Woche und heizte damit die Spekulationen weiter an.

Der amtierende Vorstandsvorsitzende Bob Nardelli ließ seine Mitarbeiter in einem Rundschreiben bereits wissen, dass er im Falle einer Allianz mit Fiat die Führung des Konzerns verlieren werde. Die US-Regierung und der italienische Autohersteller würden die Mitglieder des Direktoriums neu benennen, teilte Nardelli mit. "Das Direktorium wird unter Mitwirkung von Fiat auch einen Vorstandschef auswählen."

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