Film- und Fernsehrechte
Acht Sprachen, zwei Kinder, ein harter Job

Hier turtelt kein selbstverliebter Unternehmensberater. Und auch bildschöne Prostituierte sucht man vergebens zwischen den exzentrischen Blumenbouquets in der Lobby des Luxushotels Beverly Wilshire. In „Pretty Woman“ ist das anders, doch das ist schließlich ein Film und nicht das Leben.

HB LOS ANGELES. In der Wirklichkeit spielt im 1928 erbauten Hotel kein Film – es wird mit Hollywood-Streifen gehandelt. Das elegante Hotel ist im Frühjahr Treffpunkt der Film- und Fernsehbranche.

Auch die Österreicherin Sylvia Rothblum ist hier. Einst war sie im Vorstand von EM.TV, heute verkauft sie für Warner Bros., das größte und mächtigste Hollywood-Studio, Filme und Serien im deutschsprachigen Raum.

Im Gegensatz zu anderen Industrien werden in der Entertainmentbranche die besten Deals beim Frühstück, Mittag- oder Abendessen eingefädelt. „Es gibt keine Regel für Deals. Man macht sie überall und zu jeder Stunde“, sagt Rothblum. Und das Hotel gegenüber der Nobel-Einkaufsmeile Rodeo Drive sei dafür ein idealer Ort.

„Für mein Geschäft ist ein enges Vertrauensverhältnis zu den Kunden sehr wichtig“, erklärt die stets elegant gekleidete Rechtehändlerin. Das ist in Beverly Hills nicht anders als zu Hause in München. Ihr kleines Büro liegt im Nobelviertel Bogenhausen, gegenüber vom Feinschmeckerparadies Käfer. Das ist praktisch: Käfer ist in der Medienbranche ein populärer Treffpunkt.

In der Filmindustrie genießt die belesene Managerin einen guten Ruf. „Rothblum hat sehr viel Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Kunden und baut ihnen Brücken, damit ein Abschluss gelingt“, sagt Filmrechtehändler Bernd Schlötterer, Chef der RTL-2-Mutter Tele München.

Das war nicht immer so. Ins Filmgeschäft kam die willensstarke Managerin, die einst eine lukrative Übersetzungsfirma in New York gründete, eher beiläufig im Jahr 1988. „Ich habe alle Jobs über private Empfehlungen bekommen, mit einer Ausnahme. Zu Kirch bin ich über ein Zeitungsinserat in der ,Süddeutschen Zeitung’ gekommen.“

Die Kirch-Gruppe suchte kurz nach der Einführung des Privatfernsehens in Deutschland einen Experten, um die internationalen Programmmärkte zu beobachten. Rothblums Lebenslauf fiel auf, liest er sich doch wie ein Querschnitt der Vereinten Nationen: Tochter einer jüdischen Emigrantenfamilie aus Ungarn, geboren in Uruguay, aufgewachsen in Brasilien, Israel und Österreich, Studienaufenthalte in Italien und China.

Leo Kirchs Stellvertreter Jan Mojto, der das lukrative Film- und Rechtegeschäft aufbaute, förderte die promovierte Sinologin. „Ich habe von ihm das Filmgeschäft gelernt“, sagt Rothblum über ihren Ziehvater, der sie zur Filmvertriebsfirma Beta Film holte. Mojto versteht es, mit Charme, Humor und Gerissenheit seine Kunden zu überzeugen – ein Vorbild.

Die Zeit bei Kirch war für Rothblum eine gute Schule für Hollywood. So scheut auch sie das Licht der Öffentlichkeit. Wie ihr Chef Jeffrey Schlesinger, der sie vor drei Jahren für Hollywood entdeckte, stellt sie das Produkt in den Vordergrund, nicht sich selbst – so will es die US-Konzernphilosophie. „Für mich gibt es nichts Interessanteres, als für ein Hollywood-Studio zu arbeiten“, sagt Rothblum nicht ohne Stolz.

Allerdings: Große Freiheiten hat sie nicht. „Deutschland ist der wichtigste Fernsehmarkt außerhalb der USA. Für die großen Deals fliegt Schlesinger persönlich an“, erzählt ein Insider.

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