Filmfinanzier David Groenewold
Geldeinsammler aus Berlin

Eines hat Volkswirt David Groenewold in der Filmbranche gelernt: „Wenn man nicht über Nacht berühmt wird, muss man tagsüber hart arbeiten.“ Der Leitspruch Zeit hat sich ausgezahlt. Heute ist Groenewold mit seinen 33 Jahren einer der wichtigsten Filmfinanziers in Deutschland.

BERLIN. Wenn die Rede auf David Letterman, den legendären Talkmaster aus New York, kommt, gerät David Groenewold ins Schwärmen. Einst war der Volkswirt mit einem Diplom der London School of Economics mal Volontär der Late-Night-Show. Groenewold war damals eine kleine Nummer: „Ich habe Letterman die Anzüge hinterhergetragen.“ Eines hat der redselige Berliner gelernt: „Wenn man nicht über Nacht berühmt wird, muss man tagsüber hart arbeiten.“

Der Leitspruch aus der New Yorker Zeit hat sich ausgezahlt. Heute ist Groenewold mit seinen 33 Jahren einer der wichtigsten Filmfinanziers in Deutschland. Sein letzter Coup war die Übernahme der Odeon Film, bekannt durch TV-Serien wie „Ein Fall für Zwei“. In einem langwierigen Bieterwettbewerb hat der Newcomer den wichtigen Serienlieferanten von der Bavaria Film übernommen.

Dabei soll es nicht bleiben. Groenewold hat Großes vor. „Ich wollte immer zum Film“, sagt der Neffe des früheren RAF–Anwalts Kurt Groenewold. An Geld drohen seine Filmprojekte und Firmenzukäufe offenbar nicht zu scheitern.

Groenewold ist ein begnadeter Verkäufer: „Im Anleihehandel bei Merrill Lynch in London habe ich gute Beratung und das harte Verkaufen gelernt“, bekennt der Sohn eines Steuerberaters. Seitdem hat er viele Millionen von Investoren eingesammelt und in deutsche Filme investiert. Zuletzt war er Co-Produzent von Kinofilmen wie „Neues vom Wixxer“ oder dem letztjährigen Berlinale-Film „Elementarteilchen“. Auch bei großen Fernsehfilmen wie „Die Patriarchin“ mit Iris Berben war er als Finanzier dabei. Bereits seit sechs Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter seines Beteiligungsunternehmens German Filmproductions.

Das Geschäft läuft gut. Die neue Subventionsregelung für Filmproduktionen in Deutschland, an der Groenewold in den Hinterzimmern der politischen Macht mitgearbeitet hat, hilft. Im „Borchardt“, dem Berliner Lieblingslokal der Medienbranche, hält der Filmfinanzier gerne Hof. Die Kellner duzen längst den Dauergast.

Hier treffen sich während der Berlinale Geld und Glamour. Doch Freunde hat Groenewold in der Branche nicht viele. Sein ältester ist der Produzent Oliver Berben, Sohn der berühmten Schauspielerin. Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit. Darauf angesprochen, lächelt Groenewold: „In der Filmbranche heißt es: Wenn du einen Freund brauchst, kauf dir einen Hund.“

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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