Finanzbetrüger
Die Öffentlichkeit ist fertig mit Madoff

Bernard Madoff muss als größter Finanzbetrüger aller Zeiten für 150 Jahre ins Gefängnis. Bei der Verkündung des Urteils applaudieren und johlen die Zuschauer im Gerichtssaal vor Freude. Wobei für die Opfer trotz Madoffs Haft noch ein bitterer Beigeschmack bleibt. Madoff hat sie ruiniert, versucht aber seine Familie und deren Vermögen zu schützen – bislang mit Erfolg.

NEW YORK. Zustimmendes Gejohle und Applaus erfüllen den Gerichtssaal sowie die weitläufigen Handelsräume der New Yorker Börse, als das Urteil über den wohl größten Betrüger in der US-Wirtschaftsgeschichte gefällt wird. Bernard Madoff, der Anleger um rund 65 Mrd. Dollar gebracht hat, wird vom zuständigen New Yorker Gericht zu 150 Jahren Freiheitsentzug verurteilt. Der 71-jährige selbst nimmt den von harten Worten des Richters begleiteten Urteilsspruch fast regungslos auf.

"Ich weiß, das ist wegen seines Alters eine symbolische Entscheidung", sagt der Vorsitzende Richter Denny Chin. "Aber es musste eine deutliche Botschaft gesandt werden, dass wir solches Verhalten nicht tolerieren können". Die Bösartigkeit von Madoffs Vorgehen illustriere am besten der Umgang mit der Witwe eines Freundes, der zuvor unerwartet an einem Herzinfarkt gestorben sei, sagt Chin. Madoff habe sie umarmt und ihr gleichzeitig von der Sicherheit seiner Anlagen vorgeschwärmt. Die Frau habe daraufhin weiteres Geld bei ihm investiert - und am Ende alles verloren. "Er hat das Vertrauen seiner Freunde gebrochen, nur um in den teuersten Hotels zu leben und in seinem Privatjet zu fliegen. Er verdient es und wird zurecht von den Medien das Monster Madoff genannt", sagt Bert Ross, der fünf Mio. Dollar durch Madoff verloren hat.

Experten hatten vor der Urteilsverkündung mit einem Strafmaß von etwas mehr als 25 Jahren gerechnet, wie es die Entscheidungsrichtlinien für Richter erwarten ließen. Richter Chin geht darüber hinaus, um den Fall Madoff von anderen Wirtschaftsstraftaten abzugrenzen. So sitzt der Ex-Chef des Skandalunternehmens WorldCom, dessen Bilanzbetrügereien Anleger elf Mrd. Dollar kosteten, seit 2005 eine 25-jährige Haftstrafe ab.

Vor der Urteilsverkündung lauscht Madoff völlig teilnahmslos den Vorträgen der in Tränen aufgelösten Opfern. Während seiner abgelesenen, neun minütigen Verteidigungsrede wendet er sich kurz, fast schon mechanisch den Betrogenen zu. "Ich möchte mich entschuldigen, auch wenn ich weiß, dass es ihnen nichts bringt", sagt Madoff. Er führe ein grauenvolles Leben voller Schuld. Man könne es sich nicht vorstellen, was es bedeute, seine Frau über Jahrzehnte belogen zu haben. Er entschuldigt sich bei seiner Frau Ruth und der restlichen Familie, über die er Schande gebracht habe.

Die Experten sind sich jedoch einig, dass Madoff nur zum Schein um Milde für sich bittet; den Strafantrag seines Verteidigers, der lediglich zwölf Jahre Gefängnisstrafe gefordert hatte, unterstütze der Betrüger ganz bewusst nicht, sagen Beobachter. "Er nimmt alles auf sich. Er gibt nur zu, was er zugeben muss, um seine Frau und seine Familie zu schützen", sagt Ex-Staatsanwalt Jay Fahy nach dem Verfahren. Zur Taktik des Madoff-Clans passt auch, die Erklärung von Ruth Madoff, die später herausgegeben wird. Sie sei, so ist darin zu lesen, zutiefst beschämt von dem Betrugssystem ihres Mannes.

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