Finanzbetrug
Fall Madoff: Zeuge fürchtete um sein Leben

Ein Ex-Elitesoldat blamiert die US-Börsenaufsicht: Seit neun Jahren will Harry Markopolos immer wieder vor dem Milliardenbetrüger Bernard Madoff gewarnt haben - doch niemand hörte zu. Vor dem Kongress schilderte der Ermittler seine Geschichte. Gleichzeitig wurde Madoffs riesige Kundenliste öffentlich. Auf ihr finden sich auch ein paar deutsche Namen.

DÜSSELDORF. Die Araber wurden langsam ungeduldig. 200 Mio. Dollar hatten sie über einen Londoner Fonds bei Bernard Madoff angelegt – und nun wollten sie mal überprüfen lassen, wie der schillernde Wall-Street-Star eigentlich immer zu den sagenhaften Gewinnen kommt.

Doch Madoff, der inzwischen als vermutlich größter Finanzbetrüger aller Zeiten enttarnt ist und unter Hausarrest auf seinen Prozess wartet, wollte sich nicht in die Karten gucken lassen. Nur sein Bruder und Compliance-Manager Peter dürfe in die Bücher schauen, beschied er die lästigen Fragensteller aus Nahost, „aus Gründen der Geheimhaltung“.

So beschrieb es Harry Markopolos am Mittwoch vor dem US-Kongress. Der Finanzanalyst aus Boston ist eine Art Kronzeuge gegen Madoff. Vor neun Jahren schon will er geahnt haben, dass bei der Firma Madoff Investment Securities etwas faul war. Nur: Niemand wollte ihm glauben. Schon gar nicht die Börsenaufsicht SEC.

Es war im Jahr 2000, Markopolos arbeitete in einer Bostoner Anlagefirma, als er von seinem damaligen Chef den Auftrag erhielt, Madoffs Strategie zu durchleuchten. Sie sollte später kopiert werden.

Doch als sich Markopolos die Zahlen vornahm, witterte er bereits nach fünf Minuten Betrug, wie er nun erzählte. Nach vier Stunden Nachrechnen habe sich der Verdacht dann bestätigt. „Allein die Statistiken über die Indexoptionen in den Zeitungen zu lesen, hätte genügt, um festzustellen, dass seine angeblich so geniale Handelsstrategie nicht aufgeht“, sagte Markopolos. Madoff zu glauben hieß, an das Unmögliche zu glauben.

Über die Jahre dann sammelte Markopolos, ehemals Kommandeur einer Eliteeinheit der US-Armee, fleißig Material und wandte sich immer wieder an die Börsenaufsicht SEC. Ohne Erfolg.

So konnte Madoff unbehelligt weitermachen. Er legte das Geld gar nicht an, sondern reichte es an andere Investoren weiter – und ließ sie glauben, sie erhielten satte Renditen. Mit diesem Schneeballsystem soll Madoff seine Anleger um 50 Mrd. Dollar betrogen haben, von denen Treuhänder Irving Picard bislang knapp 950 Mio. zusammengeklaubt hat. Erst die Finanzkrise ließ das System kollabieren, Madoff stellte sich selbst. „Ohne die Krise wäre Madoff heute weiter unentdeckt und der Schaden betrüge vermutlich schon 100 Mrd. Dollar“, sagte Markopolis.

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