Finanzbetrug
Ist Barry Tannenbaum Südafrikas Madoff?

Ein Anlageskandal erschüttert Südafrika. Die Schadenssumme soll 179 Millionen Euro betragen. Der Fall weckt Assoziationen mit dem US-Betrüger Madoff. "So etwas habe ich noch nie gesehen," sagt eine Sachverständige. Die Hintergründe.

Bloomberg JOHANNESBURG. Auch Südafrika hat jetzt seinen Anlageskandal. Der Geschäftsmann Barry Tannenbaum soll Anleger um mindestens zwei Mrd. Rand (179 Mill. Euro) geprellt haben. Rund 400 Investoren lockte die Aussicht auf satte Renditen: Eine Mindestverzinsung von 15 Prozent - alle zwölf Wochen wohlgemerkt. Erzielt werden sollte diese, so versprach Tannenbaum, durch die Finanzierung der Einkäufe von Pharmarohstoffen. Südafrikanische Pharmahersteller brauchten Geld für die Herstellung von Aids-Medikamenten.

"So etwas habe ich noch nie gesehen", sagt Shirish Kalian, Anwalt und vom Gericht bestellter Treuhänder für Tannenbaums Eigentum in Südafrika, das vom Gericht eingefroren wurde. Die Schadenssumme von zwei Mrd. Rand beziehe sich lediglich auf das investierte Geld, versprochene Renditen seien nicht berücksichtigt, erläutert Adrian Lackay, Sprecher der für den Fall gebildeten Sondereinheit der südafrikanischen Aufsichtsbehörden. Nach Schätzungen soll der Gesamtumfang des Schneeballsystems zehn bis 15 Mrd. Rand (1,36 Mrd. Euro) ausmachen.

Seine Gesellschaften, dazu gehört das Unternehmen Frankel Chemicals, hätten von sieben Unternehmen Aufträge zur Beschaffung von Wirkstoffen, darunter Südafrikas größter Aids-Medikamente-Hersteller Aspen Pharmacare, versicherte Tannenbaum laut Aussage des Anlegers Keith van der Spuy seinen Investoren. Doch Aspen teilte am 12. Juni mit, dass Unterlagen, die einen Vertrag mit Tannenbaum belegen, gefälscht seien. Fünf Tage später erklärte Südafrikas Zentralbank, ein gefälschter Brief der Zentralbank sei verwendet worden, um die südafrikanische First National Bank dazu zu bringen, Tannenbaum-Gelder an ein Kreditinstitut in Hongkong zu übertragen.

Die südafrikanischen Behörden ermittelten wegen Betrugs, berichtet Themba Hlengani, Sprecher der Spezialeinheit der südafrikanischen Aufsichtsbehörden, die sich mit Tannenbaum befasst. Noch sei nicht klar, was passiert sei, so Hlengani. Tannenbaum bezeichnete einige der Anschuldigungen in einer Erklärung als "Blödsinn".

Der 43-jährige Tannenbaum, der seit zwei Jahren nicht mehr in Südafrika lebt, weist jeden Vergleich mit dem überführten Milliardenbetrüger Bernard Madoff von sich. Im Gegensatz zu Madoff, der zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt worden ist, ist gegen Tannenbaum bisher keine Klage erhoben worden. Tannenbaum wohnt derzeit in einem zweistöckigen Haus in St. Ives, einem vornehmen Vorort von Sydney. Die Büros seiner australischen Gesellschaft Frankel International, waren am 24. Juni leer. Ein "schrecklicher Überfall" in seinem Haus in Südafrika habe Tannenbaum und seine Familie veranlasst, das Land 2007 zu verlassen, teilte er in einer E-Mail mit. Er habe keinen Zugang zu Geld und lebe von einem Tag zum anderen mit "der Unterstützung von Familie und Freunden", so Tannenbaum.

In Südafrikas Pharmaindustrie ist der Name Tannenbaum sehr bekannt, da die Familie seit drei Generationen in der Branche aktiv ist. Barry Tannenbaums Großvater gründete Adcock Ingram, den größten auf rezeptfreie Medikamente spezialisierten Pharmakonzern des Landes. Barry Tannenbaum übernahm das Geschäft, dazu gehörte auch der Import und Vertrieb von Pharmarohstoffen, von seinem Vater. "Ich dachte, wir tragen dazu bei, dass Aids-Patienten in Südafrika Medikamente erhalten", äußert die Opernsängerin June Kraus, die nach eigenen Angaben umgerechnet gut eine Million Euro investiert hat. Ihr hatte Tannenbaum eine Rendite von 18 bis 23 Prozent alle sechs bis sieben Wochen versprochen. "Dann habe ich Kontakt mit einem Anwalt aufgenommen, und er hat mir gesagt, dass es ein Betrug ist", führt sie aus. Bloomberg

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