Finanzdienstleister
Maschmeyers Rolle als Sündenbock

Der Gründer ist innerhalb des Finanzvertriebs zur unerwünschten Person geworden. Der AWD hat sich zwar von Carsten Maschmeyer offiziell abgenabelt. Doch viele seiner Anhänger wollen das immer noch nicht wahrhaben.  
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Düsseldorf„Maschmeyer“? Wer im Internet auf awd.de den Namen des Firmengründers in die Suchmaske eintippt, erhält diese Antwort: „Zu Ihrer Suchanfrage wurden keine übereinstimmenden Dokumente gefunden.“ Angefügt ist nur ein freundlicher Hinweis: „Einen Berater in Ihrer Nähe finden Sie über unsere Beratersuche.“ 

Das Ergebnis ist kein Zufall. Wenn man in den Pressemitteilungen des Strukturvertriebs wühlt, finden sich nur Ergebnisse bis 2008. Die Informationen aus den 20 Jahren, in denen Maschmeyer den AWD führte, sind nicht mehr auffindbar. Genauso wenig wie eine AWD-Historie. 

Und selbst aus dem Jahr 2008 gibt es nur vier relativ nichts sagende Pressemitteilungen: über Professor Bert Rürup, einen Sieg im Pressestellentest, eine stärkere Marktposition und eine dürftige Information über die Hauptversammlung.

Dabei war 2008 sowohl für Maschmeyer als auch den AWD ein überaus bemerkenswertes Jahr. Beide bestimmten zusammen mit dem neuen Eigentümer Swiss Life die Schlagzeilen, weil der Schweizer Versicherer zusammen mit Carsten Maschmeyer den Konkurrenten MLP gegen dessen Willen übernehmen wollte. Doch darüber ist bei awd.de nichts zu finden. 

Der Gründer, der den AWD groß und stark gemacht hat, ist in dem Finanzvertrieb zur unerwünschten Person geworden. „Wir haben uns abgenabelt“, sagt AWD-Deutschland-Chef Götz Wenker: „Wir haben nichts gegeneinander, aber die Ära ist vorbei.“ 

Insider drücken das wesentlich drastischer aus. Schon länger werde intern gegen Maschmeyer „negativ kommuniziert“, heißt es in Branchenkreisen. Manche würden sich das „Maul“ zerreißen über Maschmeyer. 

Das Problem des AWD-Managements: Maschmeyer hat sich zum bestmöglichen Zeitpunkt aus dem AWD zurückgezogen. Der Strukturvertrieb dagegen hat selbst jede Menge Probleme. Immer mehr Anleger klagen, vor allem in Österreich, aber auch in Deutschland. Da könnte eine Kostenwelle auf den Finanzvertrieb zurollen. Gleichzeitig sind die Zahlen schlecht. Berater sind demotiviert, die Umsätze mager, die Gewinnmargen ohnehin.

In den letzten vier Jahren haben die neuen AWD-Manager versucht, das Ruder an sich zu reißen. Doch das gelang nicht besonders erfolgreich. Naheliegend scheint es da, dem umstrittenen Gründer alles in die Schuhe zu schieben, was schlecht läuft. 

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Maschmeyer hat sich von seinen Ketten befreit

Kommentare zu " Finanzdienstleister: Maschmeyers Rolle als Sündenbock"

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  • Herr Maschmeyer behauptet immer, dass er mal an der Göttinger Universität Medizin studiert hätte. Gibt es dafür Zeugen bzw. einschlägige beweismittel. Oder ist das vielleicht auch nur Fake, weil das gibt einem ja einen intelligenten Gutmenschen Touch. Aufgrund siner Lederschlipsfotos aus den Achtzigern für mich allerdings schwer vorstellbar.

  • Nein Maschmeyer ist kein Sündenbock, schließlich hat er seine Kunden wissentlich und nachhaltig betrogen bzw. betrügen lassen.
    Sündenböcke sind per Definition Andere: Der Großteil der Arbeitslosen, Alte, Kranke, Behinderte Raucher, Dicke usw., all diejenigen die als Schuldige an gesellschaftlichen Missständen dargestellt werde, obwohl sie an diesen keine Schuld haben!

  • ..ja bestimmt war das so. "In meinen Augen wird nun das unsaubere Geld von den Geprellten rein gewaschen", oder wie sehen sie das Alle?

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