Finanzdienstleister
MLP-Gründer Lautenschläger zieht sich zurück

Heute feiert MLP-Gründer Manfred Lautenschläger seinem 70. Geburtstag. ein Tag der Freude, und der Veränderung: Denn heute zieht sich Lautenschläger als Aufsichtsratschef zurück und wird dann normales Mitglied. Für ihn ist es ein weiterer Schritt ins Privatleben. Mit 60 Jahren hatte er seinen Posten als Vorstandschef aufgegeben.

HB WIESLOCH. Bei der Sitzung am Donnerstag soll Versicherungs-Manager Peter Lütke-Bornefeld, Vorstandschef des Rückversicherers Kölnische Rück, zu seinem Nachfolger gewählt werden. "Die Lautenschlägers werden aber immer mit einem Familienmitglied im Aufsichtsrat vertreten sein“, betont der drahtige Senior. MLP ist sein Lebenswerk: „Das geht mir über alles“, sagt er und betont erneut: Das Aktienpaket mit gut 29 Prozent Stimmanteil bleibt seins.

Wie ernst Lautenschläger die Firma nimmt, erfuhren zuletzt der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life und der dazu gehörende Konkurrent AWD im Sommer, als sie sein Aktienpaket umwarben. Unverkäuflich, ließ sie der studierte Jurist - wie schon viele andere zuvor - wissen.

Eine anschließende Kapitalerhöhung der MLP bremste den Übernahmeversuch dann aus. „Ich würde auch ohne Aktienpaket ein wohlhabender Mann bleiben“, meint Lautenschläger trocken. „Es geht mir um die Idee.“ Darin sei er sich mit seiner Frau und den fünf Kindern - drei Söhne, zwei Töchter - einig. Sollte er mal nicht mehr sein, kämpft die Familie um die Unabhängigkeit des Finanzbetriebs weiter. Vor 38 Jahren hatte Lautenschläger den auf Akademiker spezialisierten Finanzdienstleister MLP gegründet, heute gilt der Finanzbetrieb aus Wiesloch bei Heidelberg als drittgrößter Deutschlands.

Derzeit sieht es nicht danach aus, als müsste die Familie so schnell einspringen. Die letzte sportärztliche Untersuchung bescheinigte dem begeisterten Radrennfahrer eine Leistungsfähigkeit, die weit über das Maß Gleichaltriger hinausgeht, erzählt er stolz. 7000 Kilometer legt Lautenschläger pro Saison auf dem Sattel zurück, und einen sportlichen Wettkampf mit Ex-Schwimmstar Franziska van Almsick, mit der er in Heidelberg ein Schwimmprojekt für Kinder fördert, würde er nicht scheuen. „Im Triathlon hätte sie bestimmt keine Chance“, meint er.

Mit Projekten wie der „Ballschule Heidelberg“, die bislang rund 7000 Kinder erreicht hat, versucht Lautenschläger auch jüngere Generationen fit zu kriegen. Basis ist seine 1999 gegründete nach ihm benannte Stiftung. Sie setzt sich insbesondere für den Forschungsstandort Deutschland und die Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen ein. Und so können sich Wissenschaftler der Universität Heidelberg seit 2001 um den mit 250 000 Euro dotierten Lautenschläger-Preis bewerben. Ehefrau Angelika ist Namenspatin der neuen Kinderklinik in Heidelberg, deren Neubau ohne den Mäzen nicht möglich gewesen wäre. Und im Rahmen der Völkerverständigung hat die Lautenschläger-Stiftung in den vergangenen vier Jahren in Äthiopien 72 Schulen gebaut.

„Wir leben in einem so tollen Land“, sagt Lautenschläger. „Das ist eine Gnade.“ Davon will der Millionär, der als Sohn eines mittleren Beamten aus den „berühmten einfachen Verhältnissen“ stammt, etwas zurückgeben. Dabei konzentriert sich der Mäzen insbesondere auf Heidelberg, wo der gebürtige Karlsruher in der 68ern eine „wilde Studentenzeit“ erlebt hat. Die Universität dankte ihm sein Engagement in diesem Jahr mit der Ehrendoktorwürde.

Für Lautenschläger kein Grund, seine Großzügigkeit einzustellen. „Mein Lebensziel ist es nicht, möglichst reich zu sterben“, sagt er. Vielleicht fordert er auch deswegen mehr Sensibilität bei Gehaltsansprüchen von deutschen Managern. „Das hat nichts mit einer Neiddebatte zu tun - aber die Grenzen sind doch sehr gesprengt worden“, sagte er. „Erfolgreiche Manager sollen auch sehr gut bezahlt werden, ihre Leistung verdient Anerkennung ­daran besteht kein Zweifel“, meinte Lautenschläger. „Man darf aber nicht vergessen, dass ein Manager im Gegensatz zum Unternehmer nicht das volle unternehmerische Risiko trägt.“

Er könne die Diskussion der Menschen gut nachvollziehen. „Man kann den Angestellten und Arbeitern doch schlecht predigen, sie sollen verzichten - und in den Etagen werden Wahnsinnssummen gezahlt.“

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