Finanzen
Biotech-Banker stößt an seine Grenzen

Heinrich Maria Schulte überwindet Grenzen. Schon oft hat der ehemalige Besitzer des Bankhauses Wölbern mit alten Gewohnheiten gebrochen und ganz neu angefangen. Warum der Mittfünfziger nun offenbar an seine Grenzen stößt.

FRANKFURT. Alte Pfade hat Heinrich Maria Schulte schon so manches Mal in seinem Leben verlassen und ganz neu angefangen. Als er 1993 zum Beispiel als Professor für Innere Medizin an der Universität Kiel aufhörte und das Biotech-Unternehmen Evotec gründete. Als er 2001 ein Netz von Fachpraxen gründete, die gemeinsam forschen und Patienten behandeln - das Endokrinologikum. Und nicht zuletzt als er Anfang 2006 das kleine Hamburger Bankhaus Wölbern kaufte. Arzt, Unternehmer, Bankier - Schulte überwindet Grenzen, auch wenn er selbst von einem roten Faden spricht, der sich durch seine Aktivitäten zieht.

Mit dem Bankhaus Wölbern ist der Mittfünfziger nun aber an Grenzen gestoßen, die er nicht so leicht überwinden konnte. Im Mai musste die Bank, die kleiner als manche Sparkasse ist, vorläufig von der Privatbank M.M. Warburg & Co. aufgefangen werden. Die übernimmt jetzt die Vermögensverwaltung und das Einlagengeschäft. Auf den restlichen Risiken des Bankhauses bleibt der Einlagensicherungsfonds des privaten Bankenverbands BdB sitzen. Schulte, der BdB und Warburg sprechen von der bestmöglichen Lösung für alle.

Der Selfmade-Bankier, der vor dreieinhalb Jahren die Finanzbranche mit seinem Einstieg in die Bankenwelt überraschte, wird nun wohl in Zusammenarbeit mit dem Einlagensicherungsfonds den Rest der Bank abwickeln. Doch den für ihn wichtigsten Teil - das Emissionsgeschäft von Fonds - hatte er im April 2007 vom Bankhaus abgespalten. Dort, bei der Wölbern Invest AG, kümmert sich der sechsfache Vater nun noch intensiver um das Geschäft; er hat Anfang Juni den Vorstandsvorsitz übernommen.

Denn das Fondsgeschäft war der rote Faden, der Schulte zum Einstieg ins Bankgeschäft brachte. Als die Blase des Neuen Markts platzte, war die Finanzierung von Biotechnologie-Unternehmen schwierig. Der in Wattenscheid geborene Arztsohn Schulte hatte zwar mit dem Börsengang seines Unternehmens Evotec 1998 einen Großteil seiner Anteile verkauft und das Geld in neue Unternehmen investiert. Doch nun wollte er Fonds auflegen, deren Geld in Biotechnologie-Ideen wandert. Und da Wölbern bekannt war für seine Auslandsimmobilienfonds, vor allem für sogenannte Hollandfonds, bot er mit, als die südafrikanische Absa-Bank sich von dem Institut trennen wollte.

Nach Schultes Einstieg hat Wölbern Invest die Fondspalette um Private-Equity-Fonds erweitert, die zum Teil in Medizintechnik und Biotechnologie investieren. So gesehen hat Schulte Glück im Unglück gehabt.

Schon hat der promovierte Mediziner weitere Projekte laufen. In der Hamburger Hafencity, wo er sein Büro hat, legte er im Juli den Grundstein für ein 60 Mio. Euro teures achtstöckiges Gebäude - das Objekt eines Wölbern-Invest- Fonds und künftiges Domizil des Emissionshauses. Denn in der Hafencity fühlt sich Schulte wohl. In einem Interview schwärmte er einmal, hier werde aus Altem etwas Neues geschaffen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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