Finanzinvestor Michael Moritz
Ein Herz für Verlierer

Michael Moritz und seine Sequoia Capital gehören zu den großen Gewinnern des Google-Youtube-Deals. Sequoia hielt 30 Prozent an der Videoplattform Youtube, die für 1,65 Milliarden Dollar in Aktien vom Internet-Konzern Google übernommen wurde, und machte eine sagenhafte Rendite.

SAN FRANCISCO. Keine Sekunde kann Michael Moritz still sitzen. Er wippt auf dem Drehstuhl, beugt sich nach vorn, lehnt sich zurück, schiebt die Arme hinter den Kopf und lässt sie Sekunden später wieder auf die Tischplatte fallen.

Nervös? Nein, eher intensiv interessiert. Die braunen Augen mustern den Gesprächspartner, oft runzelt Moritz die hohe Stirn, denkt nach, pausiert. Nicht mal die Kleidung gönnt seinen Gesprächspartnern Ruhe: grellgrüne Cordhose zum hellblauen Streifenhemd – mutig.

Nur die Stimme des 52-Jährigen steht im Kontrast zum unruhigen Körper. „Als Venture-Capitalist muss man durch die Windschutzscheibe und nicht durch den Rückspiegel schauen“, sagt er ganz ruhig. Oder: „Der nächste Deal ist immer bedeutender als der letzte.“

Das sieht mancher im Silicon Valley seit der vergangenen Woche anders. Denn als Managing-Partner des Wagniskapitalgebers Sequoia Capital ist sein letztes Geschäft noch immer ein heiß diskutiertes: Sequoia hielt 30 Prozent an der Videoplattform Youtube, die für 1,65 Milliarden Dollar in Aktien vom Internet-Konzern Google übernommen wurde.

Experten schätzen, dass die anfängliche Investition von 11,5 Millionen Dollar im November 2005 Sequoia jetzt 495 Millionen brachte: 4 300 Prozent Rendite in 11 Monaten – nicht schlecht, selbst gemessen an Silicon-Valley-Standards.

Interessantes Detail: Moritz sitzt als einer der ersten Investoren im Verwaltungsrat von Google. Deshalb darf er die Investition in das Video-Portal auch nicht kommentieren. Ein Indiz für Mauschelei ist das nicht, schließlich gibt es zwischen den Firmen im Silicon Valley immer wieder Verbindungen und Übernahmen.

Nicht dass Moritz zuvor ein Unbekannter gewesen wäre: Er zählt zu den einfluss- und erfolgreichsten Wagniskapitalgebern im Silicon Valley. Der in Wales geborene Investor half Yahoo Mitte der 90er-Jahre bei der Startfinanzierung. Yahoo selbst plädierte einige Jahre später dafür, dass Sequoia Capital 12,5 Millionen Dollar in ein kleines Start-up investierte, das die Suchtechnologie für das Portal bereitstellte. Der Name: Google. „Keiner hat damals ahnen können, dass die beiden Konkurrenten würden“, beteuert Moritz gegenüber dem Handelsblatt: „Wir hatten alle die besten Absichten.“ Trotzdem zog er sich aus dem Verwaltungsrat von Yahoo zurück.

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