Finanzinvestoren
Heuschrecken und fleißige Bienen

Rodenstock - der Name steht für Optik, für Brillengläser, für Fassungen. Und für eine Firma, die 125 Jahre lang im Besitz der Familie war. 2003 verkaufte dann Randolf Rodenstock eine Minderheitsbeteiligung, im Jahr darauf auch die Mehrheit an den Finanzinvestor Permira. Doch die Heuschrecke verhielt sich eher wie eine Honigbiene.

MÜNCHEN. Die Heuschrecken, vor denen der SPD-Politiker Franz Müntefering warnte, sind freilich nicht über Rodenstock hergefallen. Wie "Honigbienen" habe Permira den Brillenhersteller wieder aufgepäppelt, sagt Randolf Rodenstock heute zufrieden. Und so ist dies die Geschichte, wie ein inhabergeführtes Traditionsunternehmen sich erfolgreich fremden Geldgebern geöffnet hat, ohne seine Seele zu verkaufen.

Wer hier zu Lande eine Brille trägt, der kommt kaum an Rodenstock vorbei. Kein anderer Hersteller verkauft in Deutschland so viele Gestelle und so viele Gläser wie das Münchener Unternehmen. Im internationalen Vergleich hat die Firma freilich noch Aufholbedarf: 2005 brachte es Rodenstock auf einen Umsatz von 344 Millionen Euro. Weltmarktführer Luxottica erwirtschaftet allein in einem Quartal fast dreimal so viel. Dazu kommt, dass Firmen wie Luxottica und Safilo, die weltweite Nummer zwei, börsennotiert sind. Sie können sich viel leichter frisches Kapital besorgen. Entsprechend aggressiv expandieren die Italiener.

Allerdings verfolgen die Brillenanbieter unterschiedliche Strategien. Im Fassungsgeschäft setzt Rodenstock auf hochwertige Brillen, die nur unter dem eigenen Namen und der Zweitmarke "Porsche Design" verkauft werden. Luxottica hat sich ein halbes Dutzend Labels zusammengekauft, darunter "Ray-Ban". Darüber hinaus besitzt der Konzern 5 500 Läden.

Auch im Geschäft mit Brillengläsern kämpft Rodenstock gegen größere Wettbewerber. Die Nummer eins weltweit, Essilor aus Frankreich, kommt auf mehr als zwei Milliarden Euro Umsatz. Für Rodenstock sind die Gläser entscheidend, denn hier erwirtschaftet die Firma 80 Prozent vom Umsatz. Doch die Konkurrenz schläft nicht, auch Carl Zeiss, der wichtigste inländische Konkurrent, hat sich mit EQT einen Finanzinvestor an Bord geholt.

Trotzdem hat sich Rodenstock stramme Ziele gesetzt. Wenn Firmenchef Giancarlo Galli seine Pläne verwirklichen kann, dann wird das Unternehmen 2010 auf rund 700 Millionen Euro Umsatz kommen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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