Finanzkise
Die Nöte des Oligarchen Deripaska

Firmenanteile auf Pump kaufen - damit brachte es Oleg Deripaska wie auch die anderen russischen Oligarchen zu Milliardenvermögen. Doch mit den fallenden Börsenkursen stürzt dieses System in sich zusammen. Jetzt muss Deripaska sehen, wie er Anteile wieder los wird. Jüngstes Beispiel ist ein Baukonzern.
  • 0

HB DÜSSELDORF. Die Wirtschaftskrise hat den einst reichsten russischen Oligarchen Oleg Deripaska, 41, bereits schwer gebeutelt. Jetzt könnte er bald gezwungen sein, auch noch seine Beteiligung von 25 Prozent am österreichischen Baukonzern Strabag zu verkaufen.

Deripaska, im Vorjahr noch auf Platz eins der Geld-Rangliste des russischen Magazins "Finans", ist im aktuellen Ranking auf Rang acht abgestürzt. Der Aluminium-Tycoon (Rusal) habe durch die Krise 90 Prozent seines Vermögens verloren. Seine Firmenholding Basic Elements (Basel) steht mit geschätzten 28 Mrd. Dollar in der Kreide. Deripaska selbst verfügt immerhin noch über geschätzte 4,9 Mrd. Dollar Vermögen.

Eine Entscheidung über den Verkauf der Strabag-Anteile wird am Freitag erwartet. Dann wird ein Kredit der Raiffeisen-Gruppe und von Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner über 500 Mio. Euro zur Refinanzierung des Strabag-Kaufes von Deripaska fällig. "Raiffeisen und Haselsteiner haben ein Aufgriffsrecht. Das würde in Kraft treten", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Haselsteiner und Raiffeisen halten jeweils ein Viertel an dem Baukonzern, ein weiteres Viertel befindet sich im Streubesitz.

Strabag und Raiffeisen lehnten einen Kommentar ab. Basel teilte mit, die Entscheidung über einen Verkauf sei offen. Über die Holding hält der Russe Beteiligungen an Flughäfen, Zementherstellern, Baufirmen oder Aluminiumhütten. Deripaska hat sich bereits von Anteilen am deutschen Baukonzern Hochtief und am Autozulieferer Magna Steyr getrennt.

Der Oligarch war vor knapp zwei Jahren für eine Mrd. Euro bei Strabag eingestiegen. Einen Großteil seiner Übernahmen hat der Russe über Kredite finanziert und diese dann mit Aktien der jeweiligen Gesellschaft besichert. Diese Strategie ist hochriskant, denn wenn die Kurse purzeln, schmilzt die Unterlegung der Darlehen. Deripaskas Strabag-Anteil ist derzeit nur noch ein Viertel des Kaufpreises wert.

Wie Deripaska geht es auch anderen russischen Superreichen, die in den vergangenen Jahren mit geliehenen Milliarden Firmenanteile aufgekauft hatten: Der russische Aktienmarkt hat im vergangenen Jahr gut 70 Prozent an Wert eingebüßt. Die Sicherheiten sind jetzt nur noch einen Bruchteil Wert und einige Oligarchen zu Notverkäufen gezwungen.

Wegen der Kreditklemme ist es zudem schwer, Anschlussfinanzierungen zu erhalten. Laut "Finans" verloren die zehn reichsten Russen 2008 rund zwei Drittel ihres Vermögens. Insgesamt kommen die zehn auf 75,9 Mrd. Dollar. Gleichzeitig hat sich die Zahl der Milliardäre in Russland auf 49 mehr als halbiert.

Seite 1:

Die Nöte des Oligarchen Deripaska

Seite 2:

Kommentare zu " Finanzkise: Die Nöte des Oligarchen Deripaska"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%