Finanzkrisen-Prozess
Bear-Stearns-Manager Cioffi freigesprochen

Freispruch im ersten Finanzkrisen-Prozess gegen hochrangige Wall-Street-Profis: Die Ex-Manager Ralph Cioffi und Matthew Tannin der US-Investmentbank Bear Staerns haben beim Scheitern ihrer Hedgefonds vor gut zwei Jahren einem New Yorker Gericht zufolge ihre Investoren nicht belogen.
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ben/HB NEW YORK. Der spektakuläre Zusammenbruch der beiden Fonds im Sommer 2007 gilt als eines der Alarmsignale am Beginn der Finanzkrise. Bear Stearns musste später notverkauft werden. Der Prozess galt als Testlauf für mögliche weitere Fälle zur juristischen Aufarbeitung der Finanzkrise.

Die beiden Manager hatten vor allem in extrem wacklige Hauskredite mit so gut wie keinen Sicherheiten investiert. Diese hochriskanten „subprime“-Papiere waren Auslöser der Finanzkrise, die später zur weltweiten Rezession führte.

Cioffi (53) und Tannin (48) war vorgeworfen worden, ihren Kunden die Probleme ihrer Fonds bewusst verschwiegen zu haben. Das Gericht urteilte dagegen am Dienstag, die zwei Familienväter hätten sich ihren Investoren gegenüber nichts zuschulden kommen lassen. Die zwölfköpfige Jury wies alle Vorwürfe zurück - von Betrug über Verschwörung bis hin zu Insider-Handel.

Die Manager hatten laut Staatsanwaltschaft trotz Wertverlusten ihrer Fonds ein viel zu rosiges Bild der Lage gemalt. Coffi habe zudem noch rechtzeitig Millionenbeträge aus einem Fonds abgezogen. Hunderte Anleger seien um rund 1,5 Mrd. Dollar (1,0 Mrd Euro) geschädigt worden. Die Investoren waren allerdings keine Kleinanleger, sondern vermögende private und institutionelle Kunden.

Im Detail lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Der kernige 53-Jährige soll noch kurz vor dem Kollaps seines 1,4 Mrd. Dollar schweren Subprime-Fonds Kunden zur Geldanlage motiviert und gleichzeitig in internen E-Mails den Zusammenbruch des Marktes voraus gesagt haben. „Die Subprimeverluste sind weitaus größer, als irgendjemand bisher vorausgesagt hat“, schrieb Cioffi an seinen ebenfalls angeklagten Kollegen Matthew Tannin. „Wir erleben entweder eine Kernschmelze oder eine der größten Kaufgelegenheiten. Ich tendiere zu Ersterem“, erklärte er in einem anderen Memo. Gleichzeitig vermarkteten sie ihren Fonds jedoch als „hervorragende Gelegenheit“. Wenige Wochen später, im Juni 2007, brach ihr Fonds zusammen und sandte eine Schockwelle durch den Kapitalmarkt. Sie markierte den sichtbaren Beginn der immer noch anhaltenden Finanzkrise.

Sollte die Jury die elektronische Diskussion zwischen Cioffi und seinem mitangeklagten Kollegen Tannin ähnlich interpretieren wie der Staatsanwalt, dürften der Inhalt der E-Mail-Fächer an der schwatzhaften US-Finanzmeile zur schärfsten Waffe der Strafverfolger werden. Nicht wenige Banker werden bis zum Ende des Prozesses schlecht schlafen. Dürften sie sich doch an mögliche eigene Memos erinnern, in denen sie die Entwicklung der Krise diskutiert oder sich über die Dummheit von Anlegern lustig gemacht haben.

„Die Wall Street wird dieses Verfahren mit Argusaugen verfolgen, um zu sehen, ob die Staatsanwaltschaft kriminelles Verhalten im Zusammenhang mit der Finanzkrise nachweisen kann“, sagte Edward O'Callaghan, ehemaliger Strafverfolger in Manhattan. In den Skandalen des Internetbooms war dies den Behörden nicht gelungen. Analysten wie Merrill-Lynch-Experte Henry Blodget kauften sich 2002 in millionenschweren Vergleichen von Strafe frei. Blodget hatte damals Aktien zum Kauf empfohlen, sie aber gleichzeitig in internen Mails als „Müll“ bezeichnet.

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  • Das verstehe ich nicht. in der ersten Hälfte des Artikels steht, dass die Angeklagten freigesprochen worden seien. in der zweiten Hälfte drohen den Angeklagten einige Jahre Haft. Läuft da noch ein zweiter Prozess? "Die Verteidiger konzentrierten sich vergeblich..."; „ich bin glücklich“, sagte Cioffi nach dem Urteil. ihr früherer Arbeitgeber war 2008 in einer Rettungsaktion vom..." Also doch eine Frau? Oder wurden da Artikel vermischt? Oder ein schon fertiger, nach dem das Urteil nicht wie erwartet ausfiel, Artikel nicht korrekt "umgschrieben"? Chis

  • Die Artikel sollten vor der Veröffentlichung Korrektur gelesen werden...

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