Finanzprobleme in Klöstern
Bete und kassiere!

Geld- und Personalmangel machen auch vor Gotteshäusern nicht Halt: Der Dom im österreichischen Gurk etwa soll in Kürze wegen Geldmangels zugesperrt werden. Kirchenmänner müssen längst Manager in Kutte sein.

GURK/EINSIEDELN. Das weiße Emailleschild an jener Mauer, die noch zu den romanischen Grundfesten des mächtigen Doms zu Gurk zählt, warnt sogar auf Russisch: Laut Haager Konvention ist dieses Gebäude im Falle eines bewaffneten Angriffs unbedingt zu schonen. 867 Jahre haben sich die Kriegsherren, die durch Kärnten zogen, an die Regel gehalten und den Gottesbau von ihrer Zerstörungswut ausgenommen.

Nun könnte die Zeit alle Bemühungen zunichte machen: Der Orden der Salvatorianer, dem die Anlage gehört, will den Dom zusperren. Geld- und Personalmangel werden die letzten vier verbliebenen Brüder zwingen, diesen Platz des Glaubens im Sommer des nächsten Jahres für immer zu verlassen. Schon jetzt haben sie vor lauter Arbeit immer weniger Zeit zum Beten. Der Dom soll dann der Diözese übergeben werden. Weiß der Himmel, was die damit macht. „Es ist ein Trauerprozess, der über den Tag des Abschieds hinausgehen wird“, glaubt Pater Josef.

Ein Kloster, das schließt? Macht die Krise der Kirche nicht einmal vor den herausragendsten Zeugen ihrer Geschichte Halt? Oder ist ein Kloster auch nur ein Betrieb, der gut geführt blühen kann – und schlecht geführt vor sich hinwelkt? Fragt man Pater Josef und seinen Kollegen, Abt Martin vom Kloster Einsiedeln, dann, ja, müssen Kuttenträger wohl längst Manager sein, und gute zugleich. Zwei Besuche in Schweizer und österreichischen Gotteshäusern zur Osterzeit.

Pater Josef ist ein Mann mit grauem Vollbart und bequemer Strickjacke. Er spricht bedächtig, obwohl er eigentlich gar keine Zeit hat: Er ist hier im Dom der Finanzchef, der alles Geld, was verdient wird, an die Zentrale der Salvatorianer nach Wien abliefert. Er vertritt die Brüder nach außen. Er ist, wie er sagt, „für die interne Kommunikation“ genauso zuständig wie für die Hausverwaltung. Vor neun Jahren war er hierher gekommen, um zu bleiben.

Damals zählten die Salvatorianer landesweit noch mehr als 50 Brüder. Heute hat der 1881 in Rom gegründete Orden in Österreich nur noch 26 Mitglieder. Die sollen sich nun vor allem um die Nachwuchs-Werbung kümmern. „Wir sind nicht dafür da, Besitztümer zu erhalten“, entschied das Provinzkapitel der Ordensleute. Unter Mithilfe eines Unternehmensberaters wurden Klöster evaluiert, Gurk und zwei andere Einrichtungen des Ordens blieben auf der Strecke.

Was vor ihm liegt, sei eine Aufgabe, sagt Pater Josef, „die gut abgeschlossen werden muss“: Der Klosterladen mit seinen Ansichtskarten und dem Kloster-Kräutergeist mit dem bittersüßen Beigeschmack, das Gästehaus, in dem 2 000 Besucher im Jahr übernachten, das kleine Stückchen Land, das zum Kloster gehört, zehn weltliche Angestellte – das alles zählt zum irdischen Reich der Salvatorianer in Gurk.

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