Finanzvorstand Deutsche Börse
Gregor Pottmeyer: Der Vollbanker

Nach monatelanger Suche hat die Deutsche Börse einen neuen Finanzvorstand gefunden. Gregor Pottmeyer heißt der neue Hüter der Finanzen bei der Deutschen Börse. Gregor wer? Der Mann hat geholfen, die Mercedes Benz Bank zu dem zu machen, was sie ist. Jetzt soll er die Finanzen der Börse zusammenhalten.

FRANKFURT. Seit März ist das Dax-Unternehmen ohne Finanzvorstand gewesen. Börsenchef Reto Francioni hatte die Rolle selbst übernommen. Am Freitag nun stieg nach der Sitzung des Aufsichtsrats der Börse weißer Rauch auf. Ein geeigneter Kandidat war gefunden. Im Oktober soll eben Herr Pottmeyer sein Amt antreten.

Wer ist das? Der Anruf landet in Esslingen bei Stuttgart. Eine Stimme mit unverholen schwäbischem Akzent meldet sich. Pottmeyer ist ein „Hausgewächs“ von Daimler-Benz. Seit mehr als 20 Jahren schafft er beim Daimler. Seit 2002 bei der Mercedes Benz Bank. Dort ist er Finanzchef. Sein wichtigstes Projekt in den vergangenen Monaten war es, den Autofinanzierer in eine Vollbank umzuwandeln. Sie ist damit nicht nur staatsgarantiefähig, sie hat seither auch ihre Rolle im Konzern verändert. Hatte sich die Bank zuvor verstärkt über den Konzern refinanziert, konnte nun die Autobank durch die Einlagen ihrer Kunden den Konzern unterstützen. Pottmeyer berichtet über das Projekt. Nüchtern, aber ein bisschen Stolz klingt auch heraus. „Ich muss wissen, was hinter den Zahlen steht“, sagt er.

Mitarbeiter aus Stuttgart beschreiben ihn als „Kenner der Finanzmärkte“. Als „relativ hierarchielos“. „Ich kann loslassen, wenn ich merke, dass die Kollegen die Sache begriffen haben“, sagt er selbst. Und die Finanzmärkte? Ja, die habe er erlebt. Hautnah. Die Herausforderungen, Kredite umzustellen, dürften jüngst zugenommen haben. Auch die Kunden der Mercedes Benz Bank bleiben von der Rezession nicht verschont.

Und jetzt der Wechsel nach Frankfurt. Warum? Der ehemalige Börsenfinanzvorstand Thomas Eichelmann hatte das Ressort in keinem schlechten, aber vielleicht auch nicht im besten Zustand verlassen. Eichelmann war fordernd und quetschte heraus aus dem Unternehmen, was so ging. Er verordnete den Umzug ins eher trostlose Eschborn vor den Toren Frankfurts, der billigeren Gewerbesteuer wegen und weil der Börse mit TCI und Atticus zwei hochgefährliche Aktionäre im Nacken saßen. Dann wechselte Ende vergangenen Jahres der Aufsichtsratschef. Manfred Gentz, zufälligerweise auch ein ehemaliger Daimler-Mann, kam an die Spitze. Sein Verhältnis zu Eichelmann soll nicht das beste gewesen sein. Jetzt hat Gentz mit Pottmeyer einen gefunden, den er kennt. „Es ist gut, wenn einem der Aufsichtsratschef schon etwas vertraut ist“, stellt Pottmeyer fest. Beide werden es nicht einfach haben. Auch bei der Börse bröckelt der Gewinn. Pottmeyer wird den Aktionären erklären müssen, warum es sich dennoch lohnt, an Bord zu bleiben.

Und jetzt umziehen? Wird verdammt schwer. Der älteste Sohn seiner drei Kinder spielt beim VFB Stuttgart. Natürlich will er Profi werden. Und natürlich in der Heimat. Pottmeyer wird auch zu Hause Überredungskünste brauchen.

G. Pottmeyer

1962: Gregor Pottmeyer wird am 5. August in Saarbrücken geboren. Er studiert Betriebswirtschaftslehre im Saarland und beginnt seine Karriere als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mathematik der Universität des Saarlandes.

1987: Pottmeyer beginnt seine Laufbahn bei Daimler Benz.

1995: Er wechselt zur Mercedes Benz Finanz GmbH und wird dort Leiter des Controllings.

1999: Pottmeyer wird Finanzchef und drei Jahre später auch Chef des Risikomanagements der Mercedes Bank.

2009: Im Oktober wird er Finanzchef der Deutschen Börse.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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