Finnair
Finnair-Chef will segeln statt fliegen

Finnair-Chef Jukka Hienonen schmeißt hin: Er will sparen, darf aber nicht, weil die Gewerkschaften ihn nicht lassen.

STOCKHOLM. Besonders lange hat er es auf dem Chefposten nicht ausgehalten. Nach nur vier Jahren quittiert Jukka Hienonen, 48, überraschend seinen Dienst als Chef von Finnair. Wer ihm den Job vermiest hat, verschweigt Hienonen nicht, wenn er sich auch in finnischem Understatement übt: "Nicht zufrieden" sei er mit der Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften, sagte der Chef der Fluggesellschaft vergangenen Freitag. Hienonen will sparen, um das Unternehmen durch die Wirtschaftskrise zu retten, die Arbeitnehmervertreter störten seine Bemühungen, wo sie nur konnten.

Diesen Kampf muss nun künftig jemand anders führen. Sobald sein Nachfolger gefunden ist, tritt Jukka Hienonen ab.

Kurz nach dem Ausbruch der Finanzkrise hatte Hienonen im vergangenen Herbst ein Sparprogramm angekündigt. Unter anderem wollte der Finnair-Chef Hunderte Stellen streichen, um die Kosten um 200 Millionen Euro im Jahr zu senken. Wie andere Fluggesellschaften leidet auch die Finnair unter gesunkenen Passagierzahlen infolge der Krise. Es muss etwas passieren, aber "einige Gewerkschaften haben bei den Verhandlungen überhaupt kein Entgegenkommen gezeigt", klagt Hienonen. Unter diesen Umständen sehe er keine Chance für sein Sparkonzept.

Zum Abschied unterstrich Jukka Hienonen mit den Quartalszahlen, wie groß die Probleme einer der ältesten Airlines Europas sind: Im zweiten Quartal fiel der Umsatz um ein Viertel auf 427 Millionen Euro, die Passagierzahlen sanken um 8,5 Prozent. Die Airline - zu 56 Prozent im Staatsbesitz - flog einen Verlust von 26,1 Millionen Euro ein. Vor einem Jahr hatte Finnair noch 13,4 Millionen Euro Gewinn ausgewiesen.

Hienonen wollte sparen, aber er durfte nicht - für einen, der sich selbst als "fürchterlich ungeduldig" bezeichnet, konnte das nicht lange gutgehen. Dabei hatte er die Turbulenzen in der Luftfahrtbranche früh vorhergesehen. Deshalb wollte er bereits vor einem Jahr den Kurs korrigieren. Doch ähnlich wie beim großen Konkurrenten SAS, der stets mit sage und schreibe 39 Gewerkschaften in Dänemark, Schweden und Norwegen verhandeln muss, gab es auch in Finnland kaum Verständnis für Hienonens Sparappelle.

Höchstens noch sechs Monate wird der passionierte Segler Hienonen im Cockpit von Finnair sitzen - bis dahin will Aufsichtsratschef Christoffer Taxell einen Nachfolger gefunden haben. Auch Taxell war von Hienonens Schritt überrascht: "Ich bedauere seine Entscheidung sehr, weil die Zusammenarbeit mit ihm immer sehr gut gewesen ist", sagte er.

Während Hienonens vier Jahren im Cockpit der Finnair hatte die Gesellschaft ihre Position im lukrativen Asiengeschäft ausgebaut. Die Lage im Nordosten Europas verschafft der Finnair einen Wettbewerbsvorteil: Der Weg über Finnland von Kontinentaleuropa nach Asien ist rund 1000 Kilometer kürzer als die herkömmlichen Strecken. Als Segler kennt Hienonen die Tricks und Tücken der "Großkreisnavigation".

In den Verhandlungen mit den Gewerkschaften half Jukka Hienonen auch nicht, dass viele der gut 9000 Finnair-Mitarbeiter seine offene Art stets zu schätzen wussten.

Weil er seinen Job aus freien Stücken aufgibt, erhält Hienonen keine Abfindung. Die hat er wohl auch nicht nötig. Vor dem Job bei Finnair war er zehn Jahre lang Vize-Konzernchef von Stockmann, dem größten finnischen Warenhaus. In dieser Zeit lernte er Russisch, denn Stockmann expandierte in den 90er-Jahren erfolgreich in die Länder der ehemaligen Sowjetunion.

Was er nun machen wird? Er weiß es noch nicht, sagt er. Zumindest im Spätsommer dürfte er jedenfalls den Steuerknüppel von Finnair mit der Pinne seines Segelbootes tauschen.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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