Firmen setzen eigene Verbote nicht durch
Zögernder Kampf gegen Korruption

Der Druck auf Unternehmen wächst, Korruption zu bekämpfen, aber es hapert nach wie vor an konkreten Maßnahmen. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der internationalen Wirtschaftsdetektei Control Risks und der Anwaltskanzlei Simmons & Simmons.

FRANKFURT / DÜSSELDORF. Simmons & Simmons haben 350 Unternehmen aus Europa, den USA, Hongkong und Brasilien zu ihrer Korruptionsbekämpfung befragt. "Viele Unternehmen haben erstaunliche Lücken - selbst bei der Umsetzung von Maßnahmen, die als best practice gelten", sagt Maxim Worcester, Geschäftsführer von Control Risks.

Zwar gab fast jedes dritte deutsche Unternehmen an, in den letzten zwölf Monaten Aufträge verloren zu haben, weil Konkurrenten Schmiergeld gezahlt hätten. Dennoch scheint kaum ein Unternehmen hierzulande Interesse an Prävention zu haben, trotz Hartz-Affäre und Siemens-Skandal.

So nutzt etwa jedes zweite deutsche Unternehmen Vermittler, um Behördenverfahren im Ausland zu beschleunigen. Aber nur jeder fünfte Firma weist diese an, kein Schmiergeld zu zahlen. Zwar steht in der Bundesrepublik auch das Schmieren im Ausland seit 1998 unter Strafe, doch nur die Hälfte der Unternehmen kennt die Antikorruptionsgesetze.

"Immer noch schmieren, je nach Branche, bis zu 90 Prozent der deutschen Unternehmen im Ausland", schätzt Korruptionsexperte Hans Aldenhoff-Hermann von der Kanzlei Simmons & Simmons. Schon lange monieren Experten, dass zwar die meisten deutschen Unternehmen, laut Studie 92 Prozent, Korruption verbieten, jedoch nichts für die Einhaltung täten.

"Wer effektiv Korruption bekämpfen will, muss bereit sein, auf Umsatz zu verzichten", sagt Aldenhoff - und auf manches Auslandsgeschäft. Doch nur ein Viertel aller befragten deutschen Unternehmen zog sich aus internationalen Partnerschaften oder aus Auslandsprojekten zurück, weil es Korruptionsprobleme gab. Aldenhoff schätzt, dass nur zehn Prozent der Unternehmen das Risiko im Ausland abschätzt.

Ein Viertel der Unternehmen gab an, internationale Projekte würden durch Bestechungsgelder um mindestens fünf Prozent teurer gemessen am Auftragsvolumen, fast jeder Zehnte nannte eine Summe bis zur Hälfte der Gesamtkosten.

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