Firmenpleiten
Sauber durch die Insolvenz

In den USA ist es üblich, Firmen unter „Chapter 11“ zu restrukturieren. In Deutschland hingegen gilt Insolvenz bislang als Untergang. Dabei eignen sich Planverfahren durchaus als Sanierungsinstrument für angeschlagene Unternehmen. Auch Opel könnte mit einem solchen Verfahren neu starten.

DÜSSELDORF. Der Bundesminister des Inneren traute sich das Unwort auszusprechen. Opel, sagte Wolfgang Schäuble im Handelsblatt, sollte "die Anwendung des Insolvenzrechts ernsthaft in Betracht ziehen" - statt um Staatshilfe zu buhlen. Damit brach der CDU-Politiker ein Tabu im allgemeinen Rettungsdurcheinander um Opel. Denn im Zusammenhang mit der bedrohlichen Lage der Europatochter des US-Autokonzerns General Motors (GM) war bislang nur von Bürgschaften, Krediten und anderen Hilfsaktionen der öffentlichen Hand die Rede.

Schäuble dagegen spricht davon, dass "unser modernes Insolvenzrecht gerade nicht auf Zerstörung, sondern auf den Erhalt von wirtschaftlichen Werten ausgerichtet" sei.

In der öffentlichen Meinung dagegen bedeutet ein Insolvenzantrag das Aus für Produktion und Arbeitsplätze. Dabei beweisen aktuelle Pleitefälle großer Automobilzulieferer wie Tedrive, TMD Friction oder Stankiewicz, dass Insolvenz nicht gleichzusetzen ist mit dem Ende eines Unternehmens. Im Gegenteil: Diese drei Zulieferer mit Tausenden Arbeitsplätzen in Deutschland produzieren munter weiter. Und die zuständigen Insolvenzverwalter sind zuversichtlich, schon bald Investoren präsentieren zu können, die trotz katastrophaler Lage auf dem Automarkt bereit sind einzusteigen.

Eignet sich das deutsche Insolvenzrecht also als Sanierungsinstrument für angeschlagene Unternehmen? Mit der Reform des Konkursrechts vor zehn Jahren war das Instrument des Planverfahrens eingeführt worden. Dessen Ziel ist der Erhalt, nicht die Zerschlagung des Unternehmens. "Dem redlichen Schuldner wird Gelegenheit gegeben, sich von seinen restlichen Verbindlichkeiten zu befreien," sagt der Gesetzgeber.

Vereinfacht gesehen entspricht das Planverfahren dem amerikanischen Chapter 11. Unter diese Regel flüchten sich viele US-Firmen, um sich gründlich zu sanieren und natürlich um ihren Gläubigern zu entkommen.

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