Firmentragödie
Märklin-Erbe gestorben

Die traurigen Nachrichten für den Modellbahnhersteller Märklin reißen nicht ab. Erst fährt das Unternehmen in die Pleite, jetzt folgt eine Todesnachricht in der Familie. Das 150. Jubiläum wird für Märklin zum Schreckensjahr.

GÖPPINGEN. Claudius Märklin, der Urenkel des Firmengründers Theodor Friedrich Wilhelm Märklin, ist tot. Wie seine Tochter, Alexandra Märklin, dem Handelsblatt bestätigte, verstarb der Erbe des schwer angeschlagenen Göppinger Modellbahnherstellers am vergangenen Donnerstag nach einer Herzklappenoperation in München. Claudius Märklin wurde 65 Jahre alt. Er hinterlässt eine Tochter und eine Enkeltochter.

Claudius Märklin hatte sich 2006 lange gegen den Verkauf des Modellbahnherstellers an den Finanzinvestor Kingsbridge Capital gewehrt und damit die übrigen Familiengesellschafter stark verärgert. Die Mitarbeiter von Märklin warfen ihm öffentlich vor, die Zukunft von 1350 Märklin-Familien zu gefährden. Die IG Metall nannte sein Verhalten unerträglich. "Am Ende hat mein Vater aber Recht behalten", sagt Alexandra Märklin. "Das, was er befürchtet hatte, ist eingetreten."

Märklin musste im Februar 2009 kurz vor dem 150. Firmenjubiläum Insolvenz anmelden. Das Unternehmen hatte 2008 bei einem Umsatz von 128 Millionen einen Verlust 21 Millionen Euro geschrieben. Der Insolvenzverwalter Michael Pluta sucht derzeit nach neuen Investoren. Der Abbau von 400 Stellen - einem Viertel aller Stellen - ist aber bereits beschlossen.

Der britische Finanzinvestor Kingsbridge bestreitet allerdings, für den Untergang des Traditionsunternehmens verantwortlich zu sein. "Wir haben Märklin 2006 gemeinsam mit Goldman Sachs gekauft, als das Unternehmen kurz vor der Insolvenz stand", sagte der Kingsbridge-Manager Mathias Hink dem Handelsblatt. "Wir haben dann 2007 noch mal 16,5 Millionen Euro nachgeschossen und 2008 weitere elf Millionen Euro." Insgesamt habe des Engagement Kingsbridge und Goldman Sachs 61 Millionen Euro gekostet, die man nun weitgehend abschreiben müsse.

Für Claudius Märklin war die Pleite des Modellbahnherstellers, in der er selbst viele Jahre verschiedene Positionen innehatte, eine schwere Belastung. Obwohl er selbst nicht immer eine kritikfreie Rolle in der Firma spielte, lag ihm das Schicksal des Traditionsunternehmens doch sehr am Herzen. Dass auch der Verkauf des Modellbahnherstellers in familienfremde Hände keine Besserung brachte, konnte der Urenkel des Firmengründers nicht verkraften. "Die Insolvenz hat meinem Vater das Herz gebrochen", sagt seine Tochter Alexandra. Märklin wird am Donnerstag in Göppingen beigesetzt.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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