Fischer contra Gerlach
Das Ende einer Männerfreundschaft

Am Donnerstagnachmittag kommt es zum Showdown bei der WestLB. Der Aufsichtsrat zieht wegen der millionenschweren Fehlspekulationen gegen den Vorstand zu Felde. Hauptperson auf der einen Seite ist Chefkontrolleur Rolf Gerlach, ihm gegenüber steht Bankchef Thomas Fischer. Wie sich die Männerfreundschaft in eine Männerfeindschaft verwandelt hat.

FRANKFURT. Vergangene Woche klingelte das Telefon in einem einsam gelegenen Ferienhaus in Norwegen. WestLB-Aufsichtsratschef Rolf Gerlach nahm einen Brandanruf von BaFin-Präsident Jochen Sanio entgegen, der entsetzt war über die Informationen der Wirtschaftsprüfer von KPMG. Deren vorläufige Untersuchungsergebnisse über den fehlgeschlagenen Eigenhandel der Bank machten ein unverzügliches Handeln des Aufsichtsrates nötig, war Sanios klare Botschaft. Gerlach wusste sofort, was die Stunde geschlagen hat: klar Schiff machen und seinen „Karriereabschnittsgefährten“ Thomas Fischer absetzen, den mächtigen Vorstandschef der Düsseldorfer Bank. Gerlach ergatterte den letzten Flieger aus Bergen und ist seitdem rund um die Uhr im Kriseneinsatz.

Der hoch gewachsene Sparkassenpräsident aus Münster kennt sich im Kreditwesengesetz ebenso gut aus wie in der verästelten Organisation der öffentlich-rechtlichen Finanzgruppe. Angefangen von der Sparkassenlehre in Witten über das Wirtschaftsstudium in Essen bis zu seinem Präsidentenamt beim Sparkassenverband Westfalen-Lippe blieb er zwar immer in der Region verwurzelt, stets reichte sein Aktionsradius aber weit darüber hinaus. Als erster Vizepräsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes hat er auch bundesweit eine gewichtige Stimme, wenn es um Grundsatzfragen der öffentlich-rechtlichen Institute geht. Gerlach hat ein feines Gespür für gefährliche Situationen. Deshalb weiß er auch, dass die Fehlspekulationen der WestLB auch für ihn brenzlig werden können.

Gerlach muss jetzt glaubhaft darlegen, dass der Vorstand dem Aufsichtsrat wesentliche Informationen vorenthalten hat. Schafft er das nicht, könnte ihn die Affäre nach unten ziehen. Gerlach, der als regionaler Sparkassenpräsident noch eine komfortable Amtszeit bis 2013 genießen kann, weiß, dass man gegen die mächtige Finanzaufsicht eigentlich nur verlieren kann. Deshalb wird er alles daransetzen, dass die personellen Konsequenzen auf Fischer und dessen Vorstand begrenzt bleiben. Über die Nachfolge hat er sich schon seit Wochen Gedanken gemacht, was er schlicht für seine Pflicht hält. „Ich muss immer jemanden in der Hinterhand halten.“

Gefährlicher Gegner

Aber sein Gegenspieler ist auch nicht ohne. Fischer ist eine Kämpfernatur, der sein Reformwerk bei der WestLB in Gefahr sieht und der um seinen guten Ruf bangt. Der Vorstandschef hat die einst vor der Abwicklung stehende WestLB seit 2004 wieder auf Kurs gebracht („Das war ein Erste-Hilfe-Fall“) und sie vom „Staatsbanking“ aus früheren Zeiten weggeführt. Er formte eine Geschäftsbank mit internationalen Ambitionen und ist stolz auf die Rechtsformumwandlung in eine Aktiengesellschaft. Fischer ist ein gestandener Manager und eloquenter Redner. Vor seiner Zeit bei der WestLB war er im Vorstand der Deutschen Bank und der Landesgirokasse Stuttgart, er kennt also beide Welten – die private und öffentlich-rechtliche. Weil er sich öfters über die Behäbigkeit der öffentlichen Institute lustig machte („Unser Wahrzeichen ist die Schnecke“), eckte er besonders bei den Sparkassenvorständen an. Seine Weltläufigkeit und deren regionale Schwerpunktsetzung kamen letztlich bis heute nicht zueinander. Bei den Mitarbeitern ist Fischer beliebt, bei den Eigentümern nicht.

Sollte Fischer als Vorstandschef der WestLB zurücktreten müssen, könnte das für ihn weitere Konsequenzen haben. Sein Mandat als RWE-Aufsichtsratschef dürfte nach Einschätzung von Konzernkreisen kaum zu halten sein – auch wenn er bis 2011 gewählt ist. Für Fischer ist das Amt bei dem Versorger wichtig, kann er es doch zur Profilierung nutzen. So setzte er im Februar durch, dass der Vertrag von RWE-Vorstandschef Harry Roels nicht mehr verlängert wird und dieser vom Stahlunternehmer Jürgen Grossmann abgelöst wird.

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