Florian Lahnstein
Zwischen Rock und Börsenmantel

So etwas erlebt auch die "Batschkapp" - der legendäre Frankfurter Musikschuppen aus der Hochzeit der Spontis und Punks - nicht alle Tage. Ausgerechnet Investmentbanker heizen Ende Juni in der früheren Hochburg einer "autonomen und linken Gegenkultur" dem Publikum ein. Mittendrin: Florian Lahnstein, ein Wanderer zwischen Finanz- und Medienwelt.

FRANKFURT. Vier der fünf Bandmitglieder von "Hopeless?" kennen sich aus ihrer gemeinsamen Vergangenheit bei der Schweizer Großbank UBS. Einer von ihnen ist Florian Lahnstein. Mit sichtlich Spaß röhrt er mit rauchiger Stimme Coverhits von AC/DC und U2 ins Mikro, bei "Highway to Hell" erreicht die Stimmung ihren Siedepunkt.

Wenige Tage später sitzt Lahnstein im noblen Frankfurter Hof, flankiert von Professor Roland Berger, dem Übervater der deutschen Beraterszene. Fruchtsaft statt Bier, Rendite statt Rock. Jetzt geht es ums Geld, genauer gesagt um eine Innovation. Seit fast 18 Monaten beschäftigt sich der vierfache Familienvater mit Spacs - das Kürzel steht für "Special Purpose Acquisition Companies". Die Idee kommt wieder mal von den Angelsachsen, und Lahnstein will sie jetzt im deutschen Markt verankern.

Im Kern geht es um Börsenmäntel, die zunächst als leere Hülle notieren und dann im Idealfall einen erfolgreichen Mittelständler kaufen. Börsengang auf die "sanfte Art", lautet der Slogan. Hier überzeugt Lahnstein mit leisen Tönen, präzisen Antworten und Charts, die keinen Zweifel aufkommen lassen sollen: Wenn sich etwas mitten in der Finanzkrise lohnt, dann sind es Spacs.

Florian Lahnstein bleibt ein Wanderer zwischen den beiden Welten, den Medien und den Finanzen. Er machte Karriere bei Bertelsmann und bei Bear Stearns und eben auch bei UBS. Dass er der Sohn von Manfred Lahnstein ist, der zwischen 1980 und 1982 unter Helmut Schmidt Chef des Bundeskanzleramts war, hat in seinem Lebenslauf Leitplanken eingezogen. Aus der Kurve fliegen konnte man so nicht. Offen ausgespielt hat er diese Karte aber nicht. Weggefährten beschreiben seinen Führungsstil als "sehr kollegial". Dies zeigte sich besonders während der Bear Stearns-Übernahme durch JP Morgan. Das gesamte "Ex-Bären-Team" äußert sich noch heute sehr lobend über seinen Einsatz für die Bank.

Seit Anfang dieser Woche kann Lahnstein wieder durchatmen - der Börsenmantel wurde erfolgreich platziert. Jetzt hat er Zeit, neue Tüfteleien anzugehen. "Ich war zehn Jahre lang Medienmanager und zehn Jahre lang Investmentbanker. Ich möchte jetzt Investor sein", sagt er auf der Insel Sylt, wo er sich mit der Familie in die Dünen zurückgezogen hat. Auch die andere Welt hält ihn im Bann - die erste CD von "Hopeless?" ist für Herbst geplant.

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