Fluggesellschaft will Kosten senken
Notorischer Sparzwang bei British Airways

British Airways befindet sich in einem Überlebenskampf. Das glaubt zumindest Vorstandschef Willie Walsh. Seine Schlussfolgerung: Kosten drücken! Wie der streitbare Manager Sparmaßnahmen durchsetzt - und einen schweren Konflikt mit der Belegschaft riskiert.

LONDON. Aufgeben gehört nicht zum Repertoire von Willie Walsh. Der zähe Ire am Steuerknüppel von British Airways lässt kein Manöver unversucht, um seine Amtszeit bei der Fluggesellschaft doch noch zu einem Erfolg zu machen. Neuerdings versucht es der 47-Jährige mit "Management by Fear". BA befinde sich im Überlebenskampf, schockiert der Chef seine Belegschaft in E-Mails und in der Mitarbeiterzeitschrift. Die Lage sei so dramatisch, dass sich so viele wie möglich bereit erklären müssten, wochen- oder monatsweise auf Gehalt zu verzichten oder in Teilzeitarbeit zu gehen. "Es kommt wirklich darauf an", mahnt er.

Wohl nicht ganz zufällig begleiten die düsteren Warnungen eine neue Gesprächsrunde mit den Gewerkschaften, in der Walsh eine weitere Sparrunde durchsetzen will. Gestern meldete BA erste Erfolge: Die wichtigste Pilotengewerkschaft Balpa habe Gehaltskürzungen zugestimmt, und auch Vertreter des technischen Personals unterstützten neue Sparmaßnahmen. Die Gespräche mit anderen Gruppen liefen weiter.

Etwa 1 000 Beschäftigte haben sich laut BA bereit erklärt, freiwilligen Gehaltsverzicht zu üben. Doch andere zeigen sich empört: Walsh falle es bei einem Monatsgehalt von rund 70 000 Euro leicht, im Juli kostenlos zu arbeiten, protestieren sie, doch ein Gepäckträger oder eine Stewardess sei auf jedes Monatsgehalt angewiesen.

Selbst der bestimmt nicht konfliktscheue Ryanair-Chef Michael O?Leary wunderte sich jüngst öffentlich, warum Walsh ausgerechnet zum Beginn der Hauptreisezeit einen Konflikt mit der Belegschaft riskiere, der womöglich in Streiks münden könne.Schließlich sehen Analysten BA trotz des Nettoverlustes von umgerechnet mehr als 400 Millionen Euro im Geschäftsjahr zum 31. März und eines hohen Pensionsdefizits solide finanziert. Die Liquiditätsausstattung sei mittelfristig zufriedenstellend, urteilte etwa jüngst die Ratingagentur Moody?s.

Sogar Walsh selbst beharrte noch vor wenigen Wochen darauf, dass BA als Sieger aus der Krise hervorgehen werde: BA sei effizienter als Lufthansa oder Air France, die Kundenzufriedenheit sei höher denn je, und der hohe Ölpreis treffe BA weniger hart als andere. Wozu also die Schreckensszenarien? Walsh will die Krise nutzen, um die Kosten im Unternehmen noch einmal dauerhaft zu drücken. Der durchsetzungsstarke, untersetzte Mann mit dem Bürstenhaarschnitt bleibt seinem Ruf als humorloser Cost-Cutter treu.

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