Fluglinien
In der Business-Class nach Kabul

Ganz gemütlich und pünktlich mit der Business-Class in die afghanische Hauptstadt Kabul fliegen - dieses auf den ersten Blick ungewöhnliche Angebot kommt von der Fluglinie Safi. Seit Juni pendelt die Airline von Frankfurt nach Kabul. Drei deutsche Manager wollen Kabul auf die Karte des Luftverkehrs bringen.

MÜNCHEN. Das Bordmagazin hat gute Tipps für einen Stadtbummel. In der Chicken Street gibt es günstige Teppiche und DVD-Raubkopien. Solider shoppt man aber in der Mall im Zentrum, die Attraktion sind gläserne Aufzüge. Im Zoo sind die neuen Löwen aus China eingetroffen. Generell sei die Hauptstadt im Vergleich zum Rest des Landes relativ sicher, beruhigt die Bordpostille. „Entführungen durch Taliban und Kriminelle können aber eine Bedrohung sein.“ Und: „Die Bombenanschläge haben seit 2006 zugenommen.“

Claus Fischer weiß um den begrenzten touristischen Reiz der Destination Kabul, der Heimatbasis seines Arbeitsgebers Safi Airways. Im Polohemd und mit einem Cappuccino gönnt er sich eine Pause im spätsommerlichen München. Sonst pendelt er zwischen Deutschland, Dubai und Afghanistan. Seit Juni startet Safi direkt von Frankfurt nach Kabul. Die Maschine vom Typ Boeing 767 fliegt mit afghanischem Geld, deutschem Management und viel Hoffnung. „Wir wollen Kabul zurück auf die Karte des Luftverkehrs bringen“, so der Luftfahrtprofi.

Fischer hat schon viel erlebt im Airline-Geschäft. In Deutschland arbeitete er für Eurowings und die DBA, zuletzt baute er in Saudi-Arabien den Billigflieger Nas Air auf. 2008 wurde er von Londoner Headhuntern gemeinsam mit dem ehemaligen Lufthansa-Manager Tilmann Gabriel und dem Ex-LTU-Kapitän Werner Borchert auf den heißen Job angesprochen – das Trio sagte zu. Im Hintergrund steht die afghanische Unternehmerfamilie Safi. Der Präsident Karsai nahe stehende Clan betreibt in Kabul Hotels, Einkaufszentren und einen Baustoffhandel. Der zweite Firmensitz des Konglomerats ist Dubai, neben Frankfurt ebenfalls ein Ziel von Safi Airways.

Es geht um Basisarbeit wie pünktliches Abfliegen und geordnetes Einsteigen. „Zeit ist für Afghanen eine relative Größe“, stöhnt Fischer. Nach zwei Jahrzehnten Bürgerkrieg ticken die Uhren in Kabul anders. Die Kunden buchen erst kurz vor Abflug, beim Check-in wird gern Grundsätzliches diskutiert. „Flugzeuge in zweifelhaftem technischem Zustand schockten die Afghanen bislang aber nicht“, sagt Fischer.

Die technischen Standards sollen nun besser werden. Die Boeing 767 wird von der Lufthansa Technik gewartet und erfüllt alle internationalen Anforderungen. Der potenzielle Markt ist groß. Zum einen gibt es vier Millionen Exil-Afghanen, die zum Teil noch starke Verbindungen in die Heimat pflegen. Wichtiger aber sind die in Afghanistan arbeitenden Ausländer, deren Zahl auf mehrere Hunderttausend geschätzt wird. Dazu zählen Mitarbeiter von Privatfirmen und Hilfsorganisationen, Botschafts- und Uno-Personal. „Die wollen verlässlich und sicher von und nach Afghanistan fliegen“, glaubt Fischer. 498 Euro kostet ein Economy-Ticket im Winter Special, 2 800 eines der Business-Class. „Es ist trotzdem extrem schwierig, kostendeckend zu arbeiten“, sagt der Finanzchef. Waren die Flüge im Sommer und bis zur Präsidentenwahl noch gut ausgelastet, droht im Winter eine Durststrecke.

Seite 1:

In der Business-Class nach Kabul

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%