Folgen der US-Kreditkrise
Managerhaftung nimmt zu

Die US-Kreditkrise dürfte die Schadensfälle in der Managerhaftung deutlich ansteigen lassen. Das erfuhr das Handelsblatt vom Chef des Managerhaftpflicht-Versicherungsunternehmens XL Insurance, Brian O?Hara, bei einer Tagung des Deutschen Versicherungs-Schutzverbandes. Aufgrund der niedrigen Zahl der Schadensfälle sei die Branche allerdings gut gewappnet.

MÜNCHEN. "Wir rechnen im US-Markt mit einer Menge D&O-Schäden durch die Hypothekenkreditkrise", sagte O?Hara, "die D&O-Versicherer sind alarmiert." D&O (Directors & Officers Liability Insurance) ist der in der Branche verwendete Begriff für die Managerhaftung. Die auf den Bermuda-Inseln ansässige Industrieversicherungsgesellschaft XL Insurance ist der drittgrößte Anbieter von Managerhaftpflichtpolicen auf dem amerikanischen Markt.

Gleichzeitig sagte O?Hara, dass die Branche dem erwarteten Anstieg der Schadensfälle gelassen entgegensehe. Denn die Schadenbelastung in der Managerhaftpflichtversicherung sei in den vorangegangenen Jahren im US-Markt signifikant zurückgegangen. Die Schadenquoten in der D&O-Versicherung haben 2006 im US-Markt bei rund 55 Prozent gelegen. Das heißt, die Versicherer haben pro eingenommenem Beitragsdollar, nur gut die Hälfte für Schäden rauslegen müssen. "Das geht jetzt ein wenig nach oben", prognostizierte O?Hara. Doch selbst bei einem vermuteten Anstieg der Schäden auf 60 bis 70 Prozent der Beiträge wäre das immer noch eine sehr komfortable Situation für die Versicherer. Das Geschäft bliebe immer noch rentabel.

Marktführer auf dem Gebiet der Managerhaftpflichtversicherung ist die American International Group (AIG),mit einem Börsenwert von rund 170 Mrd. Dollar die größte Versicherungsgruppe der Welt. Die AIG ist auch in Deutschland der größte Anbieter von D&O-Policen und versichert die Manager von 21 im Deutschen Aktienindex Dax gelisteten Unternehmen gegen Haftpflichtansprüche aus der Verletzung beruflicher Pflichten. In Deutschland gilt das Geschäft nach einer Reihe von Großschäden allerdings nicht als profitabel. Dennoch wird es stark umworben, weil es das Entree in die Führungsetagen verschafft. Auch AIG-Chef Martin J. Sullivan räumte auf der DVS-Tagung ein, dass er mit einem Anstieg der Schäden aus der D&O-Versicherung in Folge der Krise auf dem Markt für Hypothekenkredite minderer Qualität (subprime) rechne.

Beide großen Versicherer zeigten sich in München sehr am Geschäft mit der deutschen Industrie interessiert. "Wir sorgen uns derzeit zwar etwas um die Margen in 2008, aber wir sind nach wie vor sehr am deutschen Markt interessiert", sagte O?Hara. In der Bundesrepublik sinken zwar die Preise für industriellen und gewerblichen Versicherungsschutz schon seit einigen Jahren. Aber die Versicherer verdienen dennoch gut. Der für die Wirtschaft günstige Trend hält daher auch in der aktuellen Verhandlungsphase der Versicherungsverträge für das kommende Jahr an. XL Insurance generiert derzeit mit 100 Mitarbeitern in München, Stuttgart, Frankfurt und Köln rund 300 Mill. Dollar Beitragsvolumen aus Deutschland. Zu den Kunden zählt beispielsweise auch Siemens.

Die XL Insurance ist vor zwanzig Jahren auf den Bermudas gegründet worden. Später hat sie von der Schweizer Winterthur-Versicherung das gesamte Industriegeschäft übernommen. Insgesamt erzielt die Gruppe mehr als sieben Mrd. Dollar Umsatz. Er stammt zu 60 Prozent aus dem Versicherungsgeschäft mit Endkunden und zu 40 Prozent aus der Rückversicherung, also der Absicherung von Versicherungsgesellschaften.

Der Bermuda-Markt ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Er gilt inzwischen als drittgrößter Versicherungsmarkt der Welt und zieht mehr und mehr deutsche Firmenkunden an.

Die Haftpflichtpolice für Manager

 

Ursprung

Die Directors and Officers Liability (D&O) ist eine amerikanische Erfindung und hier zu Lande unter dem Schlagwort Managerhaftpflichtversicherung bekannt. Im Kern handelt es sich dabei um eine auf die beruflichen Pflichten eines Unternehmensleiters zugeschnittene Haftpflichtversicherung.

Deckung

Die D&O sichert Haftpflichtansprüche gegen Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsräte ab, wenn diese im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit Dritten oder dem Unternehmen einen Vermögensschaden zufügen. Sie beinhaltet auch die Abwehrkosten für unberechtigte Ansprüche.

Szenarien

Im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise sind verschiedene Möglichkeiten der Inanspruchnahme von Fondsgeschäftsführern oder Bankvorständen denkbar - etwa durch geschädigte Anleger. Die Versicherer bieten sogar speziell auf Banker-Risiken zugeschnittene D&O-Policen an.

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