"Forgeard will aus persönlicher Ambition an die Spitze"
Enders soll EADS-Chef werden

In Peking hat der scheidende EADS-Co-Chef Rainer Hertrich das Gerücht bestätigt: Der bisherige Leiter der EADS-Verteidigungssparte, Thomas Enders, soll Hertrichs Nachfolger werden.

HB PEKING. „Tom Enders wird das machen“, sagte Hertrich der Nachrichtenagentur Reuters während des China-Besuchs von Bundeskanzler Gerhard Schröder am Montag in Peking. Er habe Enders vorgeschlagen, und Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp habe zugestimmt. In der Doppelspitze des deutsch-französischen Unternehmens fällt dem jeweiligen Land die Möglichkeit zu, seinen Kandidaten dafür zu benennen. Hertrich will sein Amt im Sommer 2005 mit Ablauf seines Vertrags aufgeben. Am Wochenende hatte es bereits in Branchenkreisen geheißen, Enders sei der deutsche Kandidat für die Nachfolge Hertrichs.

Ein EADS-Sprecher hatte den Rückzug Hertrichs als persönliche, schon vor Monaten getroffene Entscheidung von ihm selbst bezeichnet. Jedoch hatte Hertrich zuletzt deutlich seine Verärgerung über den Machtkampf bei EADS erkennen lassen. Seit längerem drängt der Chef der EADS-Tochter Airbus, Noel Forgeard, an die EADS-Spitze. Forgeard wird von der französischen Regierung unterstützt. „Hier will einer ins Cockpit aus rein persönlicher Ambition“, hatte Hertrich den Franzosen zuletzt kritisiert. „Dass Noel Forgeard, der als Airbus-Chef Großes leistet, so wenig Rücksicht auf das internationale Ansehen unserer Gruppe nimmt, kann ich nicht nachvollziehen.“

Forgeard hatte die Doppelspitze des Luft- und Raumfahrtkonzerns öffentlich in Frage gestellt, war dabei aber von Daimler-Chrysler gestoppt worden. Der Airbus-Chef wollte nach Medienberichten einem deutschen Manager die Führung des Flugzeugbauers überlassen und selbst allein an die Spitze des Mutterkonzerns EADS rücken. Der Daimler-Chrysler-Konzern hält 30 Prozent der EADS-Anteile. Der französische Staat und der Medienkonzern Lagardère besitzen jeweils 15 Prozent.

Der 45-jährige Enders war vor seinem Wechsel zum damaligen Rüstungskonzern MBB im Bundesverteidigungsministerium und für die Konrad-Adenauer-Stiftung tätig. Bei der damaligen Daimler-Tochter Dasa, in der MBB aufgegangen war, traf er auf den heutigen Daimler-Chrysler-Chef Schrempp. Die Dasa wiederum ging später in der EADS auf.

Offen ist noch, wer neuer Airbus-Chef wird, falls Forgeard in die EADS-Doppelspitze an Stelle des jetzigen Co-Vorstandsvorsitzenden Philippe Camus aufrückt. Im oberen Management bei EADS ist es üblich, dass ein deutscher Manager in der nächsthöheren Ebene an einen Franzosen berichtet. Forgeard war bisher folglich Hertrich unterstellt. Sollte ein Deutscher Airbus-Chef werden, würde er an den französischen Co-Vorstandschef berichten, und Forgeard könnte dadurch weiterhin einen größeren Einfluss auf den Flugzeughersteller ausüben.

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