Form der Selbstbedienung wird kritisiert
Anklage legt Revision beim Bundesgerichtshof ein

Nach dem Freispruch im Mannesmann-Prozess legt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wie erwartet Revision beim Bundesgerichtshof ein. Die Ankläger hatten teils Haftstrafen ohne Bewährung gefordert. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse bewertet das Vorgehen von Ackermann & Co. als eine Form der Selbstbedienung, die moralisch nicht vertretbar sei.

HB DÜSSELDORF/ DEN HAAG. Für Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann hatte die Staatsanwaltschaft Düsseldorf auf eine zweijährige Bewährungsstrafe plädiert.Das Gericht hatte die sechs Angeklagten indes am Donnerstag freigesprochen. Sie hätten sich nicht der schweren Untreue oder der Beihilfe dazu schuldig gemacht. Es habe aber Verstöße gegen das Aktienrecht gegeben. An diesen habe sich auch Ackermann beteiligt.

Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, die rund 180 Milliarden Euro schwere Übernahme von Mannesmann durch Vodafone vor vier Jahren dazu genutzt zu haben, Managern Millionen-Prämien und-Abfindungen zuzuschieben. Dies habe den Tatbestand der schweren Untreue oder der Beihilfe dazu erfüllt.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse meinte, es bleibe unanständig. Dies sei eine Form der Selbstbedienung, die moralisch nicht vertretbar sei. Die Unanständigkeit ist besonders deutlich, wenn man bedenkt, dass es Vodafone vor allem um die Telekom-Aktivitäten ging. Andere Konzernteile sollten abgestoßen werden, wodurch viele Arbeitnehmer auf die Straße gesetzt würden. Joseph Ackermann und seine Leute werden sagen, dass eine solche Sanierung das notwendige Nebenprodukt ist, um den Marktwert des Unternehmens in der Zukunft weiter hochzuschrauben. Andere werden sagen, dass ein Betrieb auch so etwas wie eine Gemeinschaft ist, mit der man vorsichtig umgehen muss. Auf jeden Fall ist es unerträglich, dass der eine ohne ordentliches Entgelt auf die Straße gesetzt wird und der andere Millionen einstreicht."

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