Forsa-Umfrage
Bürger schimpfen über Geldregen für Dax-Chefs

Viele Top-Manager erwirtschaften gute Gewinne und streichen dafür Millionengehälter ein. Doch die breite Mehrheit der Bevölkerung hat dafür kein Verständnis mehr. Denn der Durchschnittslohn wächst deutlich langsamer.
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FrankfurtVW-Chef Winterkorn hat gut lachen. Mit einem Jahresgehalt von 17,5 Milliarden Euro hat er für das abgelaufene Geschäftsjahr eine neue Rekordmarke gesetzt. Damit stößt er in eine Region vor, in der zuvor Daimler-Chef Dieter Zetsche oder Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Maßstäbe gesetzt hatten. Zetsche schaffte es 2007 erstmals über die Zehn-Millionen-Marke, Ackermann strich dann im gleichen Jahr sogar rund 14 Millionen Euro ein.

Alle diese Vorstandsvorsitzenden hatten ihre Unternehmen zugleich zu Rekordbilanzen geführt. Trotzdem hat die breite Mehrheit der deutschen Bevölkerung keinerlei Verständnis mehr für die Millionengehälter von Managern. Das zeigt eine repräsentative Bevölkerungsumfrage im Auftrag des Handelsblatts unter mehr als tausend Bürgern, die das Marktforschungsunternehmen Forsa Mitte dieser Woche erhoben hat.

Danach halten 71 Prozent aller Bundesbürger Millionengehälter für Manager auch dann nicht für gerechtfertigt, wenn sie gute Gewinne erwirtschaften. Nur 26 Prozent gestehen den Managern ein Millionengehalt zu. „Der Buhmann ist der Raffmanager“, sagt der Chef des Marktforschungsinstituts, Manfred Güllner, dem Handelsblatt.

Das durchschnittliche Gehalt des Vorstandsvorsitzenden eines Dax-Konzern lag laut einer aktuellen Studie der Beratungsfirma Towers Watson im vergangenen Jahr bei 5,5 Millionen Euro. Zu den Gehältern kamen noch Nebenleistungen hinzu. Die meisten Spitzenverdiener machten 2011 zwar knapp unter zehn Millionen Euro halt. Die Pensionsvorsorge der Unternehmen eingerechnet landen einige dann allerdings doch im zweistelligen Millionenbereich.
Heinz Evers, Vergütungsberater für Vorstände in den großen deutschen Konzernen, sieht die Entwicklung durchaus kritisch. Evers stellt eine "Verstetigung auf hohem Niveau fest". Eine Ursache dafür sind auch die weiter steigenden Fixbezüge der Vorstände. Zwei Millionen Euro Grundvergütung sind inzwischen mehreren Managern sicher.

Beispiel VW. Konzernchef Winterkorn hat knapp 1,9 Millionen Euro pro Jahr Festbezüge. Trotz der ohnehin explodierenden Boni und Langfristtantieme steigt aber das Grundgehalt für die VW-Manager um durchschnittlich sieben Prozent. Evers: "Warum müssen die Aufsichtsräte in solchen Fällen noch das Grundgehalt erhöhen?"

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  • Das ist leider unzutreffend. Rechnen sie mal in § 32a EStG richtig. Sie unterliegen einem weit verbreiteten Missverständnis. Der Grenzsteuersatz liegt bei ca. 48.5 % (sog. Reichensteuer) PLUS 5,5 % Soli von der Steuersumme. Es geht hier auch nicht um Aktiengewinne, sondern sein Gehalt, dass der Einkommenssteuer unterliegt. Gibt er es aus unterliegt dieses Gehalt wiederum je nach Transaktionsprozess mind. 19 % Mehrwertsteuer.

  • @Peter
    Die EUliten und Konzernchefs werden nicht für "Leistung" bezahlt, sondern dafür, dass sie die Arbeiterschaft und Mittelschicht ausplündern und zerstören. Und das haben sie sehr erfolgreich gemacht. Nebenbei sind die "deutschen" Unternehmen mittlerweile überwiegen in den Händen staatenloser Hedgefonds, den heuschrecken also. Winterkorn & Co sind also sehr erfolgreich bei dem was sie tun. Und dafür "verdienen" sie auch ihre Milliönchen :D

  • Ich frage mich immer wieder wieso ein einzelner Mensch ein solches Gehalt bekommt. Es geht hier nicht um Neid sondern um Gerechtigkeit. Das Gehalt von Winterkorn ist das 800-fache(!) eines Normalverdieners.

    Was ist an diesem Mann so besonders, dass er ein solches Gehalt bekommt? Zwischen "verdienen" und "bekommen" besteht doch ein großer Unterschied. Um ein Unternehmen zu managen braucht man kein Talent, das kann jeder der Verständnis von Betriebswirtschaft hat. Jeder BWL-Student wäre in der Lage ein Konzern zu verwalten.

    Ein solches Gehalt bei Vorständen löst bei mir Zweifel aus, ob sich Arbeit überhaupt noch lohnt. Ein einfacher Arbeiter bekommt nicht einmal 5% des Gehaltes von Winterkorn im Leben zusammen.

    Es zeigt aber auch, dass die Gesellschaft im Zerfall ist und Moral nicht mehr wahrgenommen wird. Ich selbst bin auch nicht damit einverstanden, dass Vorstände ein solches Gehalt bekommen. Es dürfte maximal das 30-fache des Geringverdieners im Unternehmen sein, mehr nicht.

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