Francesco Guarguaglini leitet den italienischen Luft- und Raumfahrtkonzern Finmeccanica
Der nette Herr der Waffen

Auch Rüstungsmanager können nette Menschen sein. Francesco Guarguaglini ist der Beweis dafür. Höflich empfängt der Boss der italienischen Waffenschmiede Finmeccanica seine Gäste bereits an der Tür, bietet zuvorkommend Espresso an und lächelt gewinnend, wodurch sich tiefe Furchen auf seinem markanten Gesicht bilden. Und afrikanische Ethnofiguren, die seinen Schreibtisch zieren, vermitteln friedliche Weltoffenheit.

ROM. Doch der erste Anschein täuscht: Der 66-Jährige, den seine Vertrauten etwas reduzierend „Guargua“ nennen, ist einer der härtesten Manager Italiens. Er spricht wenig, dafür schnell. Wer nicht folgen kann, ist eben zu langsam. Wo er ist, bleibt kein Stein auf dem anderen. Er gilt als veränderungswillig und umsetzungsstark.

Das muss er auch sein – schließlich steckt das Unternehmen, das er leitet, voller Widersprüche: Einerseits wird Finmeccanica zu 32 Prozent vom Staat kontrolliert; andererseits muss das börsennotierte Unternehmen der Logik der Märkte folgen. Einerseits stehen dem italienischen Konzern aus politischen Gründen die Länder der Europäischen Union nahe; andererseits will Finmeccanica aus wirtschaftlichen Erwägungen an dem vielfach höheren Verteidigungsetat der USA teilhaben.

„Man muss pragmatisch sein“, sagt Guarguaglini, den Blick aus seinem voll verglasten Büro auf den Park der Villa Borghese gerichtet. „Und ich bin pragmatisch!“

Dank dieser Eigenschaft hat der studierte Elektroingenieur in relativ kurzer Zeit dem zweitgrößten Industriekonzern Italiens bereits seinen Stempel aufgedrückt. Er hat die Tochterunternehmen an eine kürzere Leine genommen. Er hat das Kerngeschäft der Luft- und Raumfahrt durch diverse Zukäufe gestärkt. Und um das Leitmotiv seines Vorgängers Alberto Lina, auf keinen Fall ungleichgewichtige Joint Ventures einzugehen, schert sich Guarguaglini wenig. So hat er mit BAE-Systems aus Großbritannien die Gründung gleich dreier Gemeinschaftsunternehmen vereinbart, die nicht jener in der Rüstungsbranche üblichen Anteilsverteilung von 50 zu 50 entsprechen. Im Joint Venture für Radarsysteme (Alenia Marconi Systems) haben die Briten das Sagen. In den beiden Firmen für Verteidigungskommunikation und Flugelektronik bestimmt Finmeccanica.

„Ich habe gesehen, was für Schwierigkeiten sich aus einer paritätischen Verteilung bei Gemeinschaftsunternehmen ergeben können. Denn über das Problem der Integration zweier Unternehmenskulturen hinaus hat man auch noch die offene Frage, wer eigentlich kommandiert“, merkt er an. Ideologie ist seine Sache eben nicht.

Seite 1:

Der nette Herr der Waffen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%