Francisco Javier Aríztegui
Der knorrige Baske

Er ist ein Vollbluttechnokrat und muss jetzt eine höchst politische Aufgabe meistern: Francisco Javier Aríztegui, Vizegouverneur der spanischen Zentralbank "Banco de España", darf bis zu 99 Mrd. Euro aus dem "Fonds zur geordneten Bankenrestrukturierung" (FROB) verteilen. Er entscheidet in Spanien über Kapitalspritzen vom Staat

MADRID. Aríztegui entscheidet als Präsident des Führungsgremiums maßgeblich darüber, welche Banken und Sparkassen Kapitalspritzen vom Staat bekommen. Von den technischen Aspekten dieser Aufgabe versteht kaum einer mehr als Aríztegui: Der heute 60-Jährige hat praktisch seine gesamte Laufbahn in der Zentralbank absolviert und war vor allem in den vergangenen drei Jahren Generaldirektor für Spaniens Bankenaufsicht. Hier lernte der Philosoph und Ökonom bis ins kleinste Detail die Situation der einzelnen Finanzinstitute und ihre Führungsetagen kennen - ihre Stärken und ihre Schwächen.

Kopfschmerzen bereiten dem Zentralbanker vor allem einige der insgesamt 45 Sparkassen des Landes, bei denen die faulen Kredite zunehmend das Kapital aufzehren. Im Laufe der "geordneten Bankenrestrukturierung", die Aríztegui jetzt unternehmen soll, müssen nach erklärter Meinung der Zentralbank und anderer Experten eine Reihe von Sparkassen verschwinden oder mit anderen verschmolzen werden.

Aríztegui hatte erst im März das Amt des Vizegouverneurs angetreten, nachdem der Vorgänger ins Direktorium des Internationalen Währungsfonds berufen worden war. Arízteguis Vorgesetzter, Zentralbankchef Fernández Ordóñez, war vor einigen Jahren von der sozialistischen Regierung benannt worden und hätte seinen Vize gern in Absprache mit der konservativen Oppositionspartei besetzt. So ist die Tradition in Spanien und im Hinblick auf das bevorstehende Ringen mit den Regionalregierungen, die von beiden Parteien regiert werden, wäre es besonders hilfreich gewesen. Doch die konservative Opposition von der Partido Popular (PP) stellte sich quer, und Ordóñez entschied sich für Aríztegui, seinen Vertrauten, der von allen Lagern als hart arbeitender, politisch neutraler Fachmann geschätzt wird.

Als Oberbankenaufseher bekam der große Baske mit der hohen Stirn und der knorrigen Nase schon einen Eindruck von der politischen Dynamik der Sparkassen. Denn die "Cajas de Ahorro" sind so etwas wie der finanzielle Arm der Regionalregierungen. Sich bei ihnen einzumischen, erfordert weit mehr als nur technisches Wissen. Schon im Vorfeld setzen die Regionalregierungen all ihren Einfluss ein, damit im Ernstfall sie selbst, und nicht die Banco de Espana oder das Wirtschaftsministerium, das letzte Wort bei möglichen Sparkassen-Fusionen haben.

Laut dem neuen Gesetz, das Grundlage für den FROB ist und an dem Aríztegui maßgeblich mitgeschrieben hat, darf die Zentralbank entscheiden wie saniert wird und wie viel Staatsgelder es dafür gibt. Die Regionalfürsten müssen lediglich konsultiert werden. Jetzt wird Aríztegui alles daransetzen, dass er die Oberhand behält. Denn "geht die Finanzreform schief, werden die Politiker die Zentralbanker als Sündenbock benutzen", warnt der einflussreiche Finanzjournalist Íñigo de Barrón in der größten spanischen Zeitung El Pais: "Die Erwartung ist maximal, die Herausforderung auch."

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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