Frank Lehmann
Der Börsenbembel geht

Frank Lehmann ist für viele Deutsche das Gesicht der Börse. Wie kein Zweiter hat er dem kleinen Sparer das Geschehen auf dem internationalen Finanzparkett nahe gebracht. Dafür lieben ihn die Fernsehzuschauer genauso wie die Aktiengesellschaften. Doch nun hört er auf. Ein Rückblick auf das Leben des „Parade-Hessen“.

FRANKFURT. Allein die Kulisse wird ein Hingucker: Riesige weiße, noch mit Folien bedeckte Tresen, hängende Kabel und ein heraus gerissener Parkettboden. Viele ARD-Zuschauer werden sich am Freitag kurz vor Acht verwundert die Augen reiben. Dann tritt Börsenlegende Frank Lehmann zum letzten Mal vor die Kamera von Europas erfolgreichster Börsensendung, ehe er sich in den Ruhestand verabschiedet. Und er geht dafür in den großen Handelssaal, der seit dem Sommer mediengerecht umgebaut wird. „Das machen wir im Chaos-Saal, weil ich dort vor 17 Jahren mit der Börse angefangen habe“, gibt er mit sonorer Bassstimme die Erklärung für die ungewöhnliche Kulisse.

Frank Lehmann ist für viele Deutsche „die Börse“. Wie kein Zweiter verkörpert er Fachkompetenz und Volkstümlichkeit, feinste Häppchen und „Frankforter Blutworscht“. Und mit dem ihm eigenen Informationsmix aus „Tagesschau“ und „Blauer Bock“ hat er die „Börse im Ersten“, die Montag bis Freitag vor der Tagesschau um 20 Uhr läuft, zu Europas erfolgreichster Börsensendung gemacht. Drei Millionen schauen im Schnitt zu und warten gerade bei ihm auf den obligatorischen Spruch am Ende. Börsenphilosophien von Andre Kostolany bis zu Warren Buffet zitiert er dabei ebenso wie Bibelpassagen, chinesische Weisheiten oder Goethe und Schiller. Immer bierernst, aber niemals oberlehrerhaft. Stets frei gesprochen, nie vom Teleprompter.

Bundesweit gilt Lehmann als Parade-Hesse, der zwischen Bankentürmen und Zeil das tägliche Auf und Ab der Kurse erklärt. „Börsenbembel“, „Börsenbabbler“ oder „Papa Hesselbach der Börse“ wird er genannt. Er selbst schmunzelt darüber. Denn der 64-Jährige ist gebürtiger Berliner und kam erst als Zwölfjähriger ins Rhein-Main-Gebiet.

Die beruflichen Anfänge hatten weder mit Börse noch Journalismus zu tun. Lehmann absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der „Frankfurter Rundschau“, studierte danach Betriebswirtschaft und wollte anschließend eigentlich ins internationale Management bei einem Nahrungsmittelkonzern einsteigen. Als bei der Rundschau der bereits über 80-Jährige Ruder-Experte verstarb, erinnerte man sich an Frank Lehmann. Der konnte rudern, kannte das Haus, und „das bisschen Schreiben bringen wir Dir schon bei“, hieß es damals. Ein Volontariat bei der Wirtschaftsagentur VWD brachte ihn an die Börse.

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