Frank Marrenbach
Pendler zwischen den Welten

Trotz Wirtschaftskrise: Frank Marrenbach will noch mehr Luxushotels für Oetker eröffnen - und sucht dafür jetzt Topstandorte in Europa und im Mittleren Osten.

BADEN-BADEN. Sein zweites Arbeitsleben beginnt häufig, wenn andere ins Wochenende starten. Freitags verlässt er gegen Mittag in Baden-Baden sein bescheidenes Büro gleich neben der Hotelhalle, nimmt den ICE zum Frankfurter Flughafen und steigt um 15 Uhr in die Maschine nach Abu Dhabi.

"Ein toller Flug", begeistert sich Frank Marrenbach. "Da kommt man Samstag früh an, kann den ganzen Tag arbeiten." Und am Sonntag auch. Bevor er dann über Nacht zurückfliegt und meist schon am frühen Morgen wieder freundlich Gäste begrüßt. Dann ist er wieder ganz der geschäftsführende Direktor von Brenner's Parkhotel, dem traditionsreichen Flaggschiff der kleinen, feinen Oetker-Hotel-Sparte.

Und nun der anspruchsvolle Zweitjob: Der Mischkonzern, der in Backpulver, Bier und Containerschifffahrt macht, hat den gebürtigen Rheinländer zum Chef der neuen Oetker ernannt. Im Laufe des nächsten Jahrzehnts soll er in Europa und im Mittleren Osten zehn bis 15 Luxushotels eröffnen.

Anders als beim Brenner's in Baden-Baden, dem Bristol in Paris, dem Eden Roc an der Côte, dem Château St. Martin in der Provence und dem gerade veräußerten Park Hotel Vitznau am Vierwaldstätter See will der Konzern nicht viel Geld für Immobilien ausgeben: Die Hotel-Collection soll lediglich als Hotelbetreiber schönen, gastlichen Luxus verkaufen.

"Das ist ein nachhaltiges Bekenntnis der Familie Oetker zur Hotellerie", freut sich Marrenbach. "Wir werden nach und nach mit eigenen Topleuten unsere Managementlompetenz, unsere Kultur und gastlichen Philosophien exportfähig machen." Abu Dhabi ist das erste Projekt. Dort entsteht, wie in Paris, ein Bristol - möglichst mit Sternen gekrönter Küche, mit großem Spa wie im Brenner's, mit Privatstrand und hoteleigenem Yachthafen.

In welchem Land es weitergeht, ist noch offen. "Man liest viel, man sieht sich um, nutzt die Netzwerke - aber wir haben überhaupt keine Eile", sagt der schlanke, jugendlich wirkende Manager. Er denkt an Iran und den Libanon: "Heute noch fast undenkbar, aber wer weiß, was in fünf bis sieben Jahren ist."

In der deutschen Hotelszene gilt Marrenbach, 2003 vom Gault Millau zum Hotelier des Jahres ernannt, als ein Vertreter jener neuen Hoteliersgeneration, die nicht wie ihre Vorgänger über Küche oder Restaurant Karriere macht: einerseits zwar den klassischen Gastgebertugenden bis tief ins Herz verpflichtet, andererseits aber nüchtern, pragmatisch, kaufmännisch strukturiert.

Das kleine Bücherregal im Büro dokumentiert das: Im Literatursammelsurium dominiert Wirtschaftsfachliteratur - vom Lehrbuch "Yield Management" bis zur Handelsblatt-Management-Bibliothek. Eigentlich wollte Marrenbach nach Abitur und Bundeswehr eine Banklehre anfangen - "doch dann haben mich Hotelhallen mehr fasziniert als Kassenhallen", schmunzelt er. Die kaufmännische Lehre absolvierte er im Steigenberger Park-Hotel in Düsseldorf.

Topadressen bestimmten den weiteren Berufsweg: das Berkeley in London, das Hôtel de Crillon in Paris, der Frankfurter Hof in Frankfurt, das Gästehaus Petersberg. Ab 1997 dann Baden-Baden, seit 2000 als Hausherr. Neben der Karriere die Ochsentour der berufsbegleitenden Weiterbildung, gipfelnd im Master of Business Administration an der State University of New York at Albany.

"Das war das Maximum, was man der Familie zumuten kann", sagt der Vater zweier halbwüchsiger Söhne, der die knappe Freizeit gerne für stramme Mountainbike-Ausflüge in den Schwarzwald nutzt. "Dieses Studium ließ keinen Raum für gar nichts. Arbeiten und lernen, lernen und arbeiten. Aber ich habe konzeptionelles Denken gelernt." Und die Familie den Verzicht auf den auch heute wenig präsenten Vater.

Der wird wegen seiner Qualifikationen und seiner offenen Freundlichkeit in der Spitzenhotellerie wie in Baden-Baden hochgeschätzt. Und er fühlt sich der Unternehmerfamilie verbunden. Ein Foto im Silberrahmen von Konzernchef August Oetker in seinem Büro dokumentiert das. Die Familie habe ihm Zurückhaltung vorgelebt und eingeschärft, "das Unternehmen ist der Star".

Spricht's und springt auf. Durch die stets geöffnete Bürotür hat er die Ankunft neuer Gäste mitbekommen. "In meinem Herzen bin und bleibe ich Hotelier."

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