Frank Rheinboldt
Im Visier des Russen

Frank Rheinboldt muss beim Modekonzern Escada einen Gang zulegen. Andernfalls läuft er Gefahr vom Großaktionär Rustam Aksenenko, der über seine Finanzgesellschaft Finartis mit knapp 25 Prozent der größte Aktionär der Modegruppe ist, ausgetauscht zu werden.

So sieht ein Manager aus, wenn er in die Defensive geraten ist. Die Arme hat Frank Rheinboldt vor dem Körper verschränkt, der Blick klebt am Manuskript. Nur selten schielt der Mann mit dem schütteren Haar vom Podium auf seine Zuhörer herunter. Ohne Punkt und Komma spult der Chef des Münchener Modekonzerns Escada seine Rede vor den Journalisten herunter. Es scheint, als wolle er möglichst schnell zurück in sein schützendes Büro.

Keine Frage: Der Mann, der an diesem frühlingshaften Dienstag in seiner Konzernzentrale am Rande der bayerischen Landeshauptstadt die Bilanz vorstellt, steht unter Strom. Und das aus gutem Grund. Denn Rustam Aksenenko, über seine Finanzgesellschaft Finartis mit knapp 25 Prozent der größte Aktionär der Modegruppe, wirft Rheinboldt und seinen Vorstandskollegen öffentlich Versagen vor.

„Finartis ist mit den Ergebnissen des Geschäftsjahres 2005/2006 nicht zufrieden“, sagte sein Sprecher am gestrigen Dienstag dem Handelsblatt. Die operative Gewinnmarge von 10,7 Prozent sei im Vergleich zu Konkurrenten wie dem italienischen Modehaus Max Mara mit 16,4 Prozent viel zu gering. Und trotz der wiederholten Ankündigung, Escada zum weltweit führenden Label für Damenmode zu machen, komme die Kernmarke mit einem Umsatzplus von zwei Prozent fast nicht voran.

Rheinboldt vermeidet es, vor den Reportern, so gut es geht, den Namen Aksenenko auch nur in den Mund zu nehmen. Kampflos aufgeben will er jedoch nicht. Im Gegenteil: Sein Redenschreiber hat die Gegenangriffe diplomatisch versteckt: Obwohl es in seinem monotonen Vortrag nicht richtig herauskommt, wehrt er sich mit jedem Satz gegen die Vorwürfe des reichen russischen Eigentümers. „Die meisten Konkurrenten haben keine so turbulente Vergangenheit wie Escada hinter sich“, sagt er. Und fügt hinzu: „Wir dürfen die Organisation nicht überfordern. Mit Gewalt erreicht man nur Verunsicherung.“

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