Frank Thielert
Motorpionier legt Bruchlandung hin

Frank Thielert wollte Flugzeuge mit Diesel fliegen lassen. Jetzt geht dem Gründer des gleichnamigen Unternehmens der Saft aus: Er muss einen Stuhl räumen.
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DÜSSELDORF. Frank Thielert gilt als Mensch, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. In jeder Minute habe er sich im Griff, heißt es. Doch jetzt hat der Gründer, Großaktionär und Vorstandschef des Hamburger Flugzeugmotorenherstellers Thielert, eine Bruchlandung hingelegt.

Nach einer Aufsichtsratssitzung am Mittwoch teilte das Unternehmen gestern mit, dass Thielert den Chefsessel räumt und sich künftig um Kunden und Technologie kümmern wird. Unternehmenskenner erwarten aber, dass Thielert bald ausscheiden wird. Der Aufsichtsrat sucht bereits nach einem neuen Chef und einem Nachfolger für die bisherige Finanzchefin Roswitha Gosser, die auf jeden Fall gehen wird.

Der 1964 in Bremen geborene Thielert gilt als begnadeter Techniker. Mit 15 bricht er das Gymnasium ab, um eine KFZ-Lehre zu beginnen. Das Abitur holt er nach und beginnt ein Wirtschaftsingenieur-Studium. Doch auch diese Ausbildung beendet Thielert vorzeitig und macht sich als Automechaniker und Händler für Maserati und Lotus selbstständig.

Hier kommt ihm auch die Idee, die Grundlage für sein heutiges Unternehmen wird: Automotoren, die auch für Flugzeuge geeignet sind und sowohl mit Diesel als auch mit Kerosin laufen. Er entwickelt seinen Motor, der viel Treibstoff sparen kann. „Unsere Produkte sind überlegen“, jubelt der Hobbypilot. Thielert gründet seine Thielert Aircraft Engines, die er 2005 als Thielert AG an die Börse führt.

Doch schon bald verkracht er sich mit seinem Flensburger Investor Marco Hahn und beschuldigt diesen, er wolle geliehene Aktien nicht wieder zurückgeben. Hahn zeigt dafür Thielert wegen angeblicher Bilanzfälschung an. Die Abschlüsse für 2003, 2004 und 2005 erklärt das Landgericht Hamburg für ungültig, Thielert legt Berufung ein.

Die Zahlen für 2006 hat das Unternehmen auf Druck des Wirtschaftsprüfers zweimal nach unten korrigiert. Sie weisen jetzt einen Umsatz von 60 Millionen Euro und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 9,3 Millionen aus. Die Bekanntgabe der Zahlen für 2007 hat Thielert vor Ostern kurzfristig verschoben. Aufgeblähte Umsätze und Produktion ohne Abnehmer nennen Kritiker die Praktiken bei Thielert. „Wir beliefern unsere Kunden mit Motoren, bezahlt wird aber erst, wenn diese die Motoren einbauen“, kontert Thielert.

Diese Praxis hat bei dem Flugzeugbauer zu hohen Vorräten und Forderungen geführt – und die Liquidität aufgezehrt, zumal sich Auslieferungen an den Hauptkunden Cessna verzögern. Diese Finanznot hat jetzt offenbar den Aufsichtsrat zum Eingreifen bewogen. Unternehmensgründer Thielert hilft mit einem Notverkauf seines gesamten Aktienpakets von 14 Prozent weit unter Preis, um die bis Ende Juni benötigten knapp 14 Millionen Euro aufzutreiben.

Die auch bisher beteiligten fünf Investorengruppen werden über eine Kapitalerhöhung weitere 20 Millionen Euro beisteuern. Sie haben mit der Thielert-Aktie bereits viel Geld verloren. Gestern brach das Papier um mehr als 30 Prozent ein und notierte knapp über drei Euro. Noch im Juli lag der Kurs bei 25 Euro.

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