Frankreich
Der perfekte Ziehsohn

Jacques Veyrat ist der neue starke Mann im Konzern des verstorbenen Robert Louis-Dreyfus, seit 2008 ist der Absolvent der Eliteschmiede Polytechnique Chairman der Gruppe. Mit Mehl und Soja macht der Agrar-Rohstoffhändler einen geschätzten Jahresumsatz von 20 Milliarden Euro. Veyrat ist in Frankreich dafür bekannt, Werte zu schaffen.

PARIS. "Eine Pressestelle? So etwas haben wir hier nicht", sagt der Mann in der Telefonzentrale der Groupe Louis Dreyfus und legt auf. Auch im Vorzimmer des Chefs der Gruppe, Jacques Veyrat, zeigt sich die Sekretärin zugeknöpft: "Ich kann Ihnen bei Ihren Fragen nicht helfen. Und Monsieur Veyrat ist nicht erreichbar." Spricht?s und legt auf.

Auskunftsfreudig war der Firmenverbund des Geschäftsmanns und Großinvestors Robert Louis-Dreyfus noch nie. Nach dem Tod des 63-jährigen Firmen-Patrons herrscht nun völlige Funkstille. Dabei stürzt sein Tod die Gruppe nicht ins Ungewisse: Schon vor Jahren hatte der an Leukämie erkrankte Unternehmer den als brillant und zurückhaltend geltenden Jacques Veyrat zu seinem Nachfolger ausgeguckt.

Der 46-Jährige leitet als "Trustee" die Stiftung Louis Dreyfus, der 55 Prozent des Kapitals der gleichnamigen Gruppe gehören. Und die Statuten sehen vor, dass die Stiftung 99 Jahre lang die Anteile an der Firmengruppe nicht verkaufen darf, "damit die Gruppe mindestens ein Jahrhundert erhalten bleibt", zitiert die Zeitung "Le Figaro" Veyrat. Und seit 2008 ist er Chairman der Gruppe.

Der Absolvent der Eliteschmiede Polytechnique tritt nun als Nachlass-Verwalter von Robert Louis-Dreyfus ins Rampenlicht. Das Hauptgeschäft der Firmengruppe ist weniger bekannt, dafür umso rentabler: Der Gruppe gehört der drittgrößte Agrar-Rohstoffhändler der Welt, der mit Mehl und Soja einen Umsatz von geschätzten 20 Milliarden Euro erreicht. Eine Bilanz publiziert die Gruppe nicht.

Die öffentliche Wahrnehmung dominiert indes die Frage, was nach dem Tod von Dreyfus aus dessen Fußballklub Olympic Marseille wird. Dieser zählt zwar nicht zur Firmengruppe, doch schon geistern Gerüchte durch die Presse, dass die Familie den Verein in die Unternehmensgruppe einbringen könnte.

Der neue starke Mann der Dreyfus-Firmen, Jacques Veyrat, ist aber in Frankreich dafür bekannt, Werte zu schaffen. Er dürfte kaum wie sein Mentor Robert Louis-Dreyfus bereit sein, Millionen in einen Verlierer-Klub zu pumpen.

Der Topmanager mit den dunklen Naturlocken und der sanften Stimme verdankt seine Reputation den Erfolgen im Telekomgeschäft. Praktisch aus dem Nichts schuf er einen Telekomkonzern, den die Dreyfus-Gruppe vor nicht allzu langer Zeit mit gutem Gewinn an Vivendi verkaufte. Veyrat war so erfolgreich, dass ihm die Nachfolge des scheidenden Didier Lombard an der Spitze von France Télécom angeboten wurde. Doch der Vater dreier Söhne blieb dem Familienunternehmen Dreyfus treu. Dort startet er 1995, nach der in Frankreich üblichen Station von Nachwuchsmanagern in einem Ministerkabinett. Veyrat überzeugt die Familie Dreyfus, in den sich öffnenden Telekommarkt zu investieren - einem Geschäftsfeld, mit dem sich die Dreyfus bis dahin nicht auskannten.

Veyrat gründet 1998 LD Com (Louis Dreyfus Communication). Sein Geniestreich: Er verlegt Glasfaserkabel entlang den Flüssen und Kanälen. Denn in Schifffahrt kennt sich die Dreyfus-Gruppe dank ihrer Marine-Transport-Tochter aus. Daher hat sie einen guten Draht zur staatlichen Verwaltung Voies navigables de France. "Eine trickreiche Idee", meinte einmal anerkennend Michel Combes, Ex-Nummer zwei von France Télécom. Und während sich zahllose Newcomer im Geschäft mit Privatkunden eine blutige Nase holen, beschränkt sich Veyrats LD Com darauf, seine Kabel an Wettbewerber und Großkunden zu vermieten. Die Telekomkrise nutzt er dann für Zukäufe. Zahllose Großkonzerne wie Suez wollen damals ihre Telekomtöchter so schnell wie möglich loswerden - statt Geld zu verlangen, geben sie Veyrat sogar eine Kapitalbeteiligung, damit er die Telekomtöchter nimmt.

Der junge Patron saniert die Unternehmen mit harter Hand, baut in fünf Jahren 2 000 Jobs ab und bringt nach der Übernahme von Cegetel die in Neuf-Cegetel umbenannte Gesellschaft an die Börse. In zehn Jahren soll Veyrat so für die Groupe Louis Dreyfus rund sieben Milliarden Euro Wert geschaffen haben.

Kein Wunder, dass Robert Louis-Dreyfus, der mal Adidas sanierte, den jugendlich wirkenden Manager zum Nachfolger ausguckt. "Er ist nicht arrogant, er hört auf Rat und weiß, die richtigen Leute in sein Umfeld zu holen", lobte ihn sein nun verstorbener Förderer Robert Louis-Dreyfus. Er weiß sein Erbe in guten Händen.

Jacques Veyrat

1962 Er wird am 4. November in Chambéry/Savoyen geboren. Jacques Veyrat macht später seinen Abschluss an der Eliteschule Ecole Polytechnique und als Ingenieur an der Ecole des Ponts et Chaussee in Paris.

1989 Veyrat startet eine Staatskarriere und arbeitet später für den Arbeitsminister.

1995 Er wechselt zum Dreyfus-Konzern und wird 1998 Chief Executive Officer (CEO) von Neuf Telecom.

2004 Veyrat wird President von Neuf Telecom.

2008 Er wird Chairman der Dreyfus-Gruppe.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%