Frankreich
Wenn Manager zu Hassfiguren werden

Manager als Geiseln ihrer Beschäftigten. In Frankreich keine Seltenheit mehr. Ganz im Gegenteil. In der Krise werden Führungskräfte immer mehr zu Hassfiguren. Und die lokalen Proteste in einzelnen Betrieben könnten sich schnell zum Flächenbrand entwickeln.

PARIS. Die Beschäftigten des Werkes des Baumaschinenherstellers Caterpillar in Grenoble scheinen mit ihrer Geiselnahme von vier Führungskräften etwas erreicht zu haben. Staatschef Nicolas Sarkozy hat nun versprochen, das "Werk retten zu wollen." Die Geschäftsleitung stimmte zudem zu, die drei Streiktage am Standort Grenoble zu bezahlen.

Mit der Verschärfung der Wirtschaftskrise häufen sich auch in Frankreich die Nachrichten von Massenentlassungen. Aber nur hier kommt es dabei immer häufiger zu Geiselnahmen, bei denen aufgebrachte Beschäftigte ihre Bosse gefangen halten, um gegen die aus ihrer Sicht ungerechte Kahlschlagaktion zu protestieren. Solche Geiselnahmen seien in Frankreich aber "absolut nichts neues", meint Lilian Mathieu, Sozilogin an der Pariser Universität Sorbonne.

Zuletzt hatten die Caterpillar-Mitarbeiter in Grenoble vier Führungskräfte, darunter den Geschäftsführer, für 24 Stunden festgehalten. Sie wollten damit Druck auf die anstehenden Verhandlungen ausüben, Caterpillar will in Frankreich 733 Stellen an seinen Standorten Grenoble und Echirolles streichen, insgesamt arbeiten dort 2750 Menschen für den US-Riesen.

Kurz zuvor hatten wütende Beschäftigte François-Henri Pinault, Chef der Holding PPR, stundenlang in seinem Taxi blockiert, als er eine Betriebsversammlung verlassen wollte. PPR will bei seinen Handelstöchtern Fnac und Conforma insgesamt 1200 Stellen streichen. Und davor hatten die Sony-Beschäftigten den Chef von Sony France festgehalten, das gleiche Schicksal hatte den Generaldirektor von 3M ereilt.

Die Aktionen sind nicht geplant, sondern ergeben sich in der Regel aus einer spontanen Wut, wenn Manager einen Kürzungsplan in einer Betriebsversammlung verkünden. Das Ziel ist dabei das gleiche: Mit einer Geiselnahme wollen die Beschäftigten das ganze Land auf ihr Problem aufmerksam machen. "Die wahre soziale Bewegung findet derzeit auf lokaler Ebene statt", meint Gewerkschaftsexperte Guy Groux. Er schließt nicht aus, dass sich die lokale Wut zu einem Flächenbrand ausweiten könnte.

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