Frankreichs Großbank nur auf den Zuschauerrängen
Georges Pauget will Crédit Agricole im Ausland zu einer Größe formen

Frankreichs Großbank Crédit Agricole ist derzeit nur auf den Zuschauerrängen zu finden, wenn es um die europäische Bankenkonsolidierung geht. Ihr neuer Generaldirektor Georges Pauget soll den schlafenden Riesen nun wach küssen.

PARIS. Frankreichs Großbank Crédit Agricole gleicht einem schlafenden Riesen: Mit 30 Prozent Marktanteil bei den Privatkunden ist sie mit Abstand die Nummer eins in Frankreich. Auch mit ihrem enormen Eigenkapital von 47 Milliarden Euro kann kein Konkurrent mithalten. Und doch ist Frankreichs Nummer eins derzeit nur auf den Zuschauerrängen zu finden, wenn es um die europäische Bankenkonsolidierung geht.

Georges Pauget soll den schlafenden Riesen nun wach küssen. Der 58-Jährige ist seit gestern neuer Generaldirektor der Crédit Agricole. Seine Mission ist klar: „Der Bank eine neue Dimension im Ausland geben“, sagt René Carron, der mächtige Präsident der Agrarbank.

Eine Voraussetzung bringt Pauget, der neue Chef für das Tagesgeschäft, dafür mit: er hat ein gutes Verhältnis zu Carron. „Beide stehen sich sehr nahe“, heißt es aus dem Umfeld der Bank. Dieser gute Draht fehlte indes Paugets Vorgänger, Jean Laurent. Dabei brachte er mit Erfolg die genossenschaftliche Bank Ende 2001 an die Börse und schuf später durch die Megafusion mit Crédit Lyonnais Frankreichs größte Bank.

Obwohl die Holding der Crédit Agricole an der Börse notiert ist, bleibt das Haus in der Kultur des Genossenschaftswesens verwurzelt. Die Bankengruppe wurde 1894 gegründet, um Frankreichs Bauern den Zugang zu Krediten zu erleichtern. Noch heute haben die Regionalkassen das Sagen. Sie halten 54 Prozent an der börsennotierten Holding.

Die Berufung von Georges Pauget fügt sich nahtlos in dieses Bild ein. Der promovierte Ökonom hat seine gesamte Berufslaufbahn in der genossenschaftlichen Bankengruppe verbracht. 1973 startete er seine Karriere bei der Regionalkasse von Aude als Chef des Controllings mit 26 Jahren. „Sein Englisch ist grausam, aber er kennt die Befindlichkeiten der Gruppe sehr gut“, resümiert ein Bankenanalyst.

Mit seinem rundlichen Kopf und der gemütlichen Ausstrahlung wirkt der Jazzfan zunächst kaum wie ein energischer Top-Manager, der eine große Bankengruppe zu neuer Größe im Ausland bringen könnte. Aber der Eindruck täuscht: „Pauget ist der einzige Chef einer Regionalkasse, der schon eine Übernahme im Ausland realisiert hat“, hebt ein Analyst hervor.

Das war 1997. Pauget führte die Regionalkasse Pyrénées-Gascogne, die im Grenzgebiet zu Spanien operiert. Die kleine spanische Bank Bankoa hatte sich damals eigentlich schon der Caisse de Bilbao verschrieben. Doch Pauget legte eine Gegenofferte vor und machte das Rennen. Die Übernahme hatte zwar nur ein Volumen von 80 Millionen Euro. Doch der Deal zeigt, dass der neue General von Crédit Agricole schnell und entschlossen handeln kann, wenn es sein muss. Zuvor hat-te er mit Erfolg aus den drei Regionalkassen Pyrénées-Atlantique, Gers und Hautes-Pyrénées die Kasse Pyrénées-Gascogne geformt.

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